Tatort-Kritik "Liebeswut" aus Bremen: Alptraumhafter Psychotrip in Rot

Den Ermittlerinnen Linda Selb (Luise Wolfram, l) und Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer) wird schnell klar, dass Susanne Kramers Tod nicht das einzige Unglück bleiben wird. Foto: picture alliance/dpa/Radio Bremen | Claudia Konerding

Was steckt hinter der rätselhaften toten Braut in Rot? Das Ermittler-Team des Bremer "Tatort: Liebeswut" begibt sich in düstere Abgründe um Pädophilie, Wahnvorstellungen und Kontrollzwang. Eine Kommissarin wird dabei in ihre eigene Vergangenheit zurückversetzt.

"Die falsche Dosis Liebe reißt uns alle in den Abgrund!" Bereits der erste Satz des Bremer "Tatort: Liebeswut" gibt den Ton für die nächsten eineinhalb Stunden an und zeigt die fatalen Auswirkungen, die fehlgeleitete Zuneigung für Menschen haben kann. Verschwommene Bilder in Rot verfrachten den Zuschauer direkt an den Tatort. Ein Hinweis auf Rosen, Blut oder doch nur Erdbeereis?

"Tatort: Liebeswut": Hat der Teufel die Tote geholt?

Die Kommissarinnen Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer) und Linda Selb (Luise Wolfram) werden zu einem Wohnhaus gerufen, in welchem sich eine Frau erschossen haben soll. In der abgebrannten Wohnung entdecken sie in einem abgeschlossenen Zimmer eine Leiche, drapiert in einem roten Hochzeitskleid auf einem Bett. Während Linda sachlich und nüchtern an den Fall herangeht, bekommt Liv beim ersten Anblick der Toten eigenartige Flashbacks.

Hat sich die Frau tatsächlich das Leben genommen? Oder wurde sie vom Teufel geholt, wie es auf den Wänden ihres Zimmers geschrieben steht? Und wo sind die beiden Töchter, die vermisst werden? In den Fokus der Ermittlungen geraten der Ehemann der Toten (Matthias Matschke), ihr seltsamer, Eis essender Nachbar (Aljoscha Stadelmann) und der Schulhausmeister (Dirk Martens).

Knallharter Psychothriller statt gemütlicher Krimiunterhaltung

Wer denkt, er wisse wie der Hase in einer "Tatort"-Folge laufe wird dieses Mal garantiert überrascht: Statt leichter Krimiunterhaltung für einen gemütlichen Sonntagabend bekommt das Publikum einen knallharten Psychothriller serviert. Auch wenn die Handlung manchmal etwas konstruiert wirkt, baut sich eine Spannung auf, die man sonst eher aus Filmen von David Fincher ("Sieben", "Gone Girl") kennt.

Schauspieler Dirk Martens liefert eine erschreckend glaubhafte Performance ab

Liv-Darstellerin Jasna Fritzi Bauer zeigt mit ihrem Auftritt, wie facettenreich sie eine Figur spielen kann. Wenn sie aufgrund einer verdrängten Erinnerung dem verdächtigen Nachbarn eine Gabel in die Hand rammt, bleibt einem vor Schreck kurz der Mund offen stehen. Allerdings wird ihre schauspielerische Leistung von Dirk Martens in den Schatten gestellt. Er hat als pädophiler Schulhausmeister zwar nur einen kurzen Auftritt, verkörpert die innere Zerrissenheit eines kranken Mannes aber auf erschreckend glaubhafte Weise.

Regisseurin Anne Zohra Berrached hat mit ihrer Inszenierung des Bremer "Tatort: Liebeswut" einen originellen Alptraum geschaffen, der lange nachhallt. Dafür sorgen auch die von Drehbuchautorin Martina Mouchot geschriebenen Nebenfiguren.

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