Taktgefühl Herzschmerzmusik: die schwedische Elektropop-Band "Niki & the Dove"

Das schwedische Musikduo „Niki & the Dove“ ist auch schon in Deutschland aufgetreten, hier zum Beispiel beim Melt-Festival 2012. Foto: Alec Luhn/Wikimedia Commons

Zerbrochene Beziehungen und unerfüllte Liebe: „Niki & the Dove“ widmen ihre Lieder meist dem Liebeskummer. Valentin Viehbacher (24) aus Geiselhöring im Landkreis Straubing-Bogen stellt das Elektropop-Duo aus Schweden vor.

Hinter der Band „Niki & the Dove“ steckt ein schwedisches Elektropop-Duo, bestehend aus Gitarrist und Keyboarder Gustaf Karlöf und der Sängerin Malin Dahlström. Ihre englischen Songs wirken locker-luftig. Das liegt einerseits an den unkonventionellen Instrumenten und Melodien, aber vor allem an Malins sanfter und zerbrechlicher Stimme, die etwas an Kate Bush erinnert.

Doch von dieser luftigen Atmosphäre sollte man sich nicht täuschen lassen. Denn die Musik von „Niki & the Dove“ hat Tiefgang: Manche Songs fühlen sich glatt so an, als würde einem der Boden unter den Füßen weggerissen. Fast so, als würde man schwerelos umhertreiben und nur der Melodie und deren Botschaft lauschen.

Dabei singt die Band oft über Liebeskummer. So steht ihr aktuelles Album „Everybody’s Heart Is Broken Now“ ganz im Zeichen des Herzschmerzes. Und auch auf vorherigen Alben geht es immer wieder um zerbrochene Beziehungen und unerfüllte Liebe.

Vom Ende einer Beziehung

Ein Lied des Albums, das genau in diese Richtung geht, ist der Song „Lost UB“. Er handelt vom Verlassenwerden und beginnt mit einer belebenden Gitarrenmelodie und den leisen Beats eines Schlagzeugs. Würde man nur das Intro hören, hätte man vermutlich ein völlig falsches Bild davon, was folgt. In den Versen wird die Musik leiser und Malins zarte Stimme ist zu hören. Im Hintergrund verbleiben nur die leisen Schwingungen der Bass-Saiten. Nach dem zweiten Vers wird der Songtext dann besonders emotional: Malin singt mehrmals, dass sie das Ende der Beziehung nie verstanden hat. Diese Traurigkeit vermittelt sie mit so viel Gefühl, dass man fast meinen könnte, die Sängerin stehe während der Aufnahme kurz vor den Tränen.

Flöte trifft Elektropop

Genauso emotional ist auch das knapp achtminütige Lied „Ode to Dance Floor”. Es handelt auch vom Verlassen und vom Verlassenwerden. Die Melodie des kompletten Songs wirkt allerdings sehr beschwingt. Das liegt an der Mischung aus Gitarre, Bass und Schlagzeug. Mittendrin setzt ein für Elektropop eher ungewöhnliches Instrument ein, welches aber hervorragend passt: eine Flöte. Die schnelle, aber im Hintergrund gehaltene Flötenmelodie führt den Hörer zum Refrain, der wiederum mit einer mitreißenden Keyboardmelodie besticht. Im Song geht es darum, dass jemand so vollkommen ist, dass man es nicht in Worte fassen kann. Man selbst fühlt sich eher als Klotz am Bein, der die andere Person daran hindert, sein volles Potenzial zu entfalten. So entscheidet man sich zum Wohl des anderen für eine Trennung. Diese dramatische Botschaft ergibt in den letzten drei Minuten das wohl schönste und kunstvollste Songzitat von „Niki & the Dove“: „I know there’s no forever and I know you have to go, but shine like you’re made of lasers and then leave me in the glow of you.“

Dass „Niki & the Dove“ auch anders und weniger bedrückt kann, beweist der Song „The Fox“. Er wirkt deutlich bestimmter und elektronischer als die anderen Lieder. Im Hintergrund ist eine abgehackte E-Gitarrenmelodie zu hören. Im Refrain wird diese durch die quetschenden Geräusche eines Synthesizers ersetzt. Die unregelmäßig wirkenden Schläge auf eine große Trommel klingen während des Refrains fast wie ein Herzschlag. Das macht ihn unglaublich kraftvoll und bewegend. Lässt man sich darauf ein, kann man vor seinem inneren Auge den typischen Moment aus romantischen Filmen sehen: Kurz bevor die große Liebe in den Zug steigt, erkennt der andere, dass er sich falsch entschieden hat. Völlig aufgebracht läuft er so schnell wie möglich zum Bahnhof. Dort angekommen, sieht er, dass der Zug gerade abfährt. Trauer. Und dann dreht er sich um und sieht die geliebte Person, die den Zug nicht genommen hat. Emotionales Happy End.

Die Liebe findet einen Weg

Dem Anschein nach weniger emotional, dafür aber extrem einprägsam, ist der Song „Sister Brother Mother Father“. Achtet man genauer auf den Songtext, spürt man auch hier eine tiefsitzende Trauer. Wie der Songtitel schon vermuten lässt, geht es um eine Familie. Diese lebt jedoch nicht in Harmonie, sondern ist zerstritten. Im Refrain des Songs gibt es aber eine schöne Botschaft: Die Liebe findet einen Weg. Der ernste Text des Songs wird von einem sehr erfrischenden Beat begleitet. Dadurch entsteht eine Gegensätzlichkeit, die die Botschaft des Songs unterstreicht.

Wer der Musik von „Niki & the Dove“ lauscht, stellt fest: Jeder ihrer Songs hat seinen eigenen Charakter. Zunächst mögen Malins Stimme und die Melodien vielleicht ungewohnt und befremdlich wirken. Doch sehr schnell merkt man, wie genial die Songs sind. So hat sich vor allem das Album „Everybody’s Heart Is Broken Now“ zu meinem absoluten Lieblingsalbum entwickelt. Auch auf ihrem anderen Album „Instinct“ finden sich Schmuckstücke. Deshalb am besten alle Songs des Duos auf Spotify oder wo auch immer speichern und einfach, wenn man Lust hat, im Hintergrund laufen lassen. So entdeckt man „Niki & the Dove“ ganz nebenbei.

Mehr Musiktipps von Valentin findest du unter hier.

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