Taiwan Teeliebhaber finden in Taiwan das ideale Urlaubsland

Beim Aufbrühen des Tees überlässt A-Cheng nichts dem Zufall. Foto: Rainer Heubeck
Beim Aufbrühen des Tees überlässt A-Cheng nichts dem Zufall. Foto: Rainer Heubeck

Es gibt Hauptstädte, beispielsweise Wien oder Prag, in denen Wein angebaut wird. Eine Metropole, in der Tee angepflanzt wird, das hingegen ist eher selten. Am Rande der 2,7-Millionen-Einwohner-Stadt Taipeh, der Hauptstadt Taiwans, kann man genau das erleben.

Um zu einer Teeplantage zu kommen, nimmt man vom Stadtzentrum aus die U-Bahn bis zum Zoo - von dort sind es nur wenige Minuten zur Talstation der Maokong Gondola. Knapp eine halbe Stunde schweben die Seilbahnkabinen bergauf und gelegentlich auch bergab. Etwa vier Kilometer oder knapp 300 Höhenmeter gleiten sie bis zur Maokong-Station. Von dort ist es nicht weit zur Teeplantage von Shin-Shun Chang. Er ist Teemacher in vierter Generation. Seine Vorfahren, so versichert er, brachten Teepflanzen einst aus China mit nach Taiwan. "Es gibt zehn Teemeister hier auf dem Maokong-Hügel, ich bin ihr Vorsitzender", berichtet der 61-Jährige stolz.

Schwarzer, grüner oder doch bernsteinfarbener Oolong-Tee?

Ob Tee schwarz wird oder grün, hängt davon ab, ob die Teeblätter der Oxidation ausgesetzt werden. In Taiwan freilich schätzt man vor allem einen Tee, der das Beste aus beiden Welten verbindet - den halbfermentierten, in Glas bernsteinfarben schimmernden Oolong-Tee. Etwa 45 Tage dauert es, die Teeblätter nach der Ernte zu verarbeiten. Erst werden sie getrocknet, danach mehrere dutzend Mal von Hand gerollt und geformt. Dabei tritt Zellsaft aus, so dass die Blätter besser mit dem Sauerstoff reagieren.

Neun verschiedene Arten von Oolong-Tee, so berichtet Pi Hsia Hsu, die Ehefrau von Herrn Chang, werden von den verschiedenen Teemachern am Maokong hergestellt.

In der eigenen Teeplantage konzentriert man sich auf drei Teesorten. "Wir erzeugen pro Jahr nur etwa 600 Kilogramm, aber dafür ist es extrem hochwertiger Tee", versichert sie. Eine Spezialität des Hauses ist der Guanyin-Tee, ein besonders dunkler und starker Oolong-Tee. Guanyin ist eine heilige Figur im Mahayana-Buddhismus, sie wird als Göttin des Mitgefühls verehrt.

Ein Teebauer, der ihr einst täglich Tee als Opfergabe vorbeibrachte, entdeckte am Rock der Heiligen eine Teepflanze, deren Farbe auffallend dunkel war. Aus dieser Pflanze, so sagt die Legende, ist die Guanyin-Sorte hervorgegangen.

Wohlschmeckender und hochwertiger Tee wird in Taiwan nicht nur am Rande der Hauptstadt angebaut, sondern auch im Bergland an der Ostküste.

Tee aus Taiwans Plantagen für umgerechnet etwa 570 Euro

Eine besondere Spezialität dort ist der Oriental Beauty Tee, der zu den Lieblingstees von Königin Victoria gehört haben soll. Ein Tee, dessen Blätter durch Zikaden angeknabbert und ausgesaugt werden - was die Pflanze dazu veranlasst, mehr Geschmacksstoffe und Tannine zu entwickeln. Diese sorgen für ein honig- und muskatähnliches Aroma. A-Cheng, der seit zwei Jahren auf der Lin Tea-Plantage arbeitet, führt uns durch den Teegarten und demonstriert, wie der Tee verarbeitet wird. "Je jünger und kleiner die Blätter, desto besser wird der Tee", versichert A-Cheng.

Die frisch gezupften Blätter kommen zuerst in eine Vorrichtung, in der sie Wasser verlieren. Dort bleiben sie etwa acht Stunden, erst danach sind sie weich und können gerührt und gerollt werden - und das gleich mehrere Stunden lang."Wir verkaufen unseren Tee nicht im Kilo, wir verkaufen in Gramm. 600 Gramm Tee kosten zwischen 2.000 und 20.000 taiwanesische Dollar", berichtet A-Cheng - das sind zwischen 57 und 570 Euro. Wenn A-Cheng für seine Gäste Tee aufbrüht, überlässt er nichts dem Zufall. Mit einem Thermometer kontrolliert er die Wassertemperatur, mit der Eieruhr überwacht er die Brühzeit. "Für einen Oriental Beauty Tea sollte das Wasser 80 bis 90 Grad heiß sein", erläutert A-Cheng, und verrät zum Schluss, welcher Tee bei den Kunden der Plantage am beliebtesten ist. Es ist nicht der Oriental Beauty Tea, aber ein ihm verwandter Tee, der länger fermentierte Honey Black Tea. "Wenn dieser Tee durch meine Kehle rinnt", verrät A-Cheng, "verbinde ich seinen Geschmack stets mit dem Bild einer schönen Geisha, die langsam davonläuft."

Informationen zum Reiseland Taiwan:

Anreise: Taiwan liegt im West-Pazifik, 160 Kilometer vom chinesischen Festland entfernt. China Airlines fliegt mehrmals pro Woche nonstop ab Frankfurt und ab Wien nach Taipeh.

Einreise: Deutsche Staatsbürger benötigen für einen Aufenthalt von bis zu 90 Tagen kein Visum. Der Reisepass muss bei der Einreise noch mindestens sechs Monate gültig sein.

Klima: Die angenehmsten Reisezeiten sind das Frühjahr (etwa März bis Mai) und der Herbst (September bis November). Von Mai bis Oktober wird die Insel gelegentlich von Taifunen heimgesucht.

Teebauern: Exzellente Tees in traditioneller Umgebung und direkt vom Erzeuger, aber auch traditionelle Küche gibt es bei Chang, Chin-Chung, Maokong, Taipei, Tel. +886 2-29364371, tea1895@yahoo.com.tw

Mehr Informationen: Taipei Tourism Office, Friedrichsstraße 2-6, 60323 Frankfurt, 069/610743, info@taiwantourismus.de, www.taiwantourismus.de

Die Recherchereise wurde unterstützt vom Taiwan Tourismusbüro und von China Airlines.

 

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