Tabellen-Schlusslicht Schalker Scherbenhaufen: Baum muss Birnen-Blockade lösen

Muss beim FC Schalke 04 für neues Selbstvertrauen sorgen: Trainer Manuel Baum (l) spricht an der Seitenlinie zu den Spielern. Foto: Michael Sohn/AP/dpa/dpa

Manuel Baum hatte nur drei Trainingseinheiten vor seinem ersten Spiel als Schalke-Trainer. Was er bewirken kann, hat man in Ansätzen nur in der Anfangsphase gesehen. Dann setzte es das nächste Debakel.

Leipzig - Nach dem nächsten desaströsen Auftritt des Schalker Scherbenhaufens folgte die gnadenlose Abrechnung des sonst oft unterkühlt auftretenden Sportchefs.

"Es geht für uns erst mal darum, wettbewerbsfähig zu werden und Union Berlin im nächsten Spiel Paroli bieten zu können", sagte Jochen Schneider bei Sky. Einen Tag zuvor hatte der von ihm installierte Trainer Manuel Baum beim 0:4 bei RB Leipzig eine verheerende Premiere auf der Bank von Bundesliga-Schlusslicht Schalke 04 erlebt.

Schneider offenbarte, dass die Situation der vergangenen Monate mit der Trennung von David Wagner und nun 19 Liga-Spielen ohne Sieg nicht spurlos an ihm vorübergegangen sind. "Es tut weh, wie wir in den letzten Wochen und Monaten gespielt haben. Die Situation ist seit Januar alarmierend", sagte der 50-Jährige. Die aktuelle Situation nach drei Spielen mit null Punkten und 1:15 Toren habe "mit der Birne zu tun. Diese Blockaden müssen wir lösen."

Dass sich die Aufgabe möglicherweise etwas komplexer darstellt, analysierte Baum nach dem furchtbaren Abend in der Red Bull Arena. "Wir müssen an allen Themen arbeiten", sagte 41-Jährige. Ihm wurde in Leipzig schmerzhaft vor Augen geführt, was er sich mit seinem neuen Job wohl angetan hat. "Wir waren extrem viel mit dem Verteidigen beschäftigt. Selbst wenn wir die Bälle erobert hatten, waren sie schnell wieder weg. Nach vorn haben wir mutlos agiert."

Die von Baum erdachte Defensivtaktik mit bis zu acht dicht um den eigenen Strafraum aufgebauten Spielern fiel nach einer guten halben Stunde wie ein Kartenhaus zusammen. Vorausgegangen waren zwei entscheidende Momente. Zunächst war bei Suat Serdar nach 20 Minuten eine gerade erst verheilte Oberschenkelverletzung wieder aufgebrochen, wegen der der 23-Jährige wohl auch auf die anstehenden Länderspiele verzichten muss. Dann lenkte der für Serdar eingewechselte Can Bozdogan (31. Minute) eine Vorarbeit von Emil Forsberg ins eigene Netz.

Baum wirkte ruhig und betont sachlich, aber nicht hoffnungslos. Dabei hätte der Leipziger Sieg durch die weiteren Tore von Angelino (35.), Willi Orban (45.+2) und Marcel Halstenberg (80./Handelfmeter) noch viel höher ausfallen können. Der 41-Jährige will die Länderspielpause nun zur intensiven Arbeit mit dem Kader nutzen. Ganz oben auf der Liste steht dabei: alles. "Ich würde da nicht priorisieren. Konzentrieren wir uns nur auf die Defensive, fällt das wichtige Verhalten mit Ball weg", erklärte Baum. "Man kann nicht ein Thema herausgreifen, man muss das ganzheitlich angehen."

Die Spieler hat der neue Trainer dabei offenbar auf seiner Seite. "Wir sind glücklich mit dem neuen Trainer. Er hat gute Ideen und eine gute Taktik. Mit ihm werden wir den Abwärtstrend stoppen", sagte Kapitän Omar Mascarell. Für den zur Halbzeit für den an den Adduktoren verletzten Ralf Fährmann ins Tor gerückte Frederik Rönnow ist das Rezept eigentlich ganz einfach: "Wir kämpfen um unser Selbstvertrauen und brauchen ein Erfolgserlebnis. Dann können wir den Trend umdrehen."

Ob bei der Trendumkehr frische Kräfte helfen werden, ist angesichts der Schalker Finanznot eher nicht zu erwarten. Vor dem sich am Montag schließenden Transferfenster redete Baum deshalb vorsichtshalber sein aktuelles Personal stark. "Meine Haltung ist, dass ich das Beste aus den Spielern machen will, die da sind", betonte der Coach. Er glaube nach wie vor an das Potenzial der Mannschaft und habe im Training gemerkt, dass man sich das Selbstvertrauen Stück für Stück zurück erarbeite.

In Leipzig war davon allerdings wenig zu sehen. Bei den schnellen Kombinationen zwischen Forsberg, Dani Olmo und Christopher Nkunku kamen die Schalker stets mindestens zwei Schritte zu spät. Dabei hatte RB-Coach Julian Nagelsmann sogar ohne nominellen Stürmer spielen lassen. Für Schalke 04 in der derzeitigen Verfassung genügte das.

© dpa-infocom, dpa:201004-99-817668/3

 

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