Swift und Zentralbank Finanzmärkte durch Sanktionen gegen Russland belastet

Eine Außenansicht des Gebäudes der russischen Zentralbank in Moskau. Foto: Yuri Kochetkov/EPA/dpa/Archivbild/dpa

Die Marktreaktionen auf den von Russland entfachten Krieg in Europa sind bisher überschaubar. Von Panik sei keine Spur, auch wenn die Schwankungen groß bleiben dürften, betonen Analysten.

Frankfurt/Main - Die übers Wochenende verschärften Sanktionen des Westens gegen Russland treffen die Finanzmärkte zum Wochenstart schwer. Steigende Preise für Rohstoffe wie Öl könnten die Inflation weiter anheizen.

Zudem droht der Handel mit Russland in vielen Bereichen zum Erliegen zu kommen nach dem Ausschluss großer russischer Finanzinstitute aus dem Banken-Kommunikationsnetzwerk Swift. Investoren setzen auf Anlagen, die als sichere Häfen gelten, wie den US-Dollar, Anleihen oder Gold. Der russische Rubel stürzt ab.

"Präsident Putin wird nun akzeptieren müssen, dass die westlichen Mächte bereit sind, zur Bestrafung Russlands einige wirtschaftliche Schmerzen in Kauf zu nehmen", schrieb Analyst Jeffrey Halley vom Broker Oanda in einem Marktkommentar.

Russisches Finanzsystem isoliert

So zieht der Westen die Sanktionsschraube gegen Russland weiter an und will zudem zusätzliche Waffen an die ukrainischen Streitkräfte liefern. In der Nacht zum Montag setzte die Europäische Union ihre schwerwiegenden Sanktionen gegen die russische Zentralbank in Kraft. Sie umfassen nach Angaben von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ein Verbot von Transaktionen mit dem Finanzinstitut. Zudem werden alle Vermögenswerte der Bank in der EU eingefroren.

Der russische Rubel ging daraufhin auf Talfahrt. Zuletzt mussten für einen US-Dollar 112 Rubel gezahlt werden, ein Drittel mehr als am Freitag. Da half es wenig, dass die russische Notenbank den Leitzins um 10,5 Prozentpunkte auf 20,0 Prozent anhob.

Russlands Zentralbank will auch mit weiteren Maßnahmen dem heimischen Finanzsystem unter die Arme greifen. So wurde es Wertpapierhändlern ab sofort untersagt, russische Wertpapiere im Besitz von Ausländern zu verkaufen, wie die Bank am Montagmorgen mitteilte. Mit Kapitalspritzen und Fremdwährungsgeschäften sollen zudem heimische Geldinstitute gestützt werden.

Nicht alle Bereiche von Swift-Ausschluss betroffen

Zudem beschlossen Deutschland, die USA und andere westliche Verbündete einen Ausschluss russischer Finanzinstitute aus dem Banken-Kommunikationsnetzwerk Swift. Experten zufolge wird das aber auch die deutsche Wirtschaft belasten, der Handel mit Russland könnte in weiten Teilen zum Erliegen kommen. Dabei scheint es aber der Bundesregierung wichtig gewesen zu sein, dass Gas- und andere Rohstofflieferungen weiterhin bezahlt werden können. Das könne über die im Swift-System verbleibenden Banken geschehen, hieß es.

Der europäische Gaspreis schnellte am Montagmorgen dennoch um ein Drittel in die Höhe. Der Ölpreis legte um mehr als 5 Prozent zu. Für ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent mussten wieder mehr als 100 Dollar gezahlt werden.

Am Aktienmarkt sank der Dax zum Handelsstart um 2,1 Prozent. Damit hielt sich der deutsche Leitindex klar über der Marke von 14.000 Punkten. Deutliche Kursgewinne bei Rüstungswerten wurden zu einem Gegenpol gegen die marktbreiten Kursverluste, nachdem Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Sonntag im Bundestag ankündigte, dass die Bundeswehr 100 Milliarden Euro erhalten wird. So sprang die Aktie von Rheinmetall um rund 40 Prozent nach oben.

Der Kurs des US-Dollar stieg denn auch im Vergleich zum Euro. Zuletzt mussten für einen Euro 1,1192 Dollar gezahlt werden. Der Preis für Gold stieg um ein halbes Prozent auf rund 1900 Dollar. Damit blieb der Kurs aber unter seinem Vorwochenhoch. Für den Februar notiert das Edelmetall weiterhin deutlich im Plus. Deutsche Bundesanleihen sind am Montag mit Kursgewinnen in den Handel gestartet.

© dpa-infocom, dpa:220228-99-319590/2

 
 
 

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