Südtirol Meran gibt sich heute hipp, sportlich und modern

Der italienische Architekt Matteo Thun verwirklichte sich im Hotel Therme Meran. Foto: Hannes Niederkofler
Der italienische Architekt Matteo Thun verwirklichte sich im Hotel Therme Meran. Foto: Hannes Niederkofler

Meran ist vielleicht keine Stadt, die niemals schläft. Meran hat aber einen Charme, den keine andere Stadt versprüht. Zwischen italienischem Flair und tiroler Gemütlichkeit lebt und urlaubt es sich vortrefflich.

Das Paddel stößt ins Wasser. Gischt spritzt auf. Gekonnt weicht der junge Mann in seinem Kanu einem Felsen aus, der direkt vor ihm aus dem Wasser ragt. Mit zwei weiteren schnellen Paddelschlägen dreht er sein Kanu nach rechts, vorbei an dem Felsen und geradewegs durch das nächste Tor, welches Stangen markieren. Der Kanu-Slalom in Meran hat eine über 60-jährige Tradition. Entlang der Passer, welche mitten durch die zweitgrößte Stadt Südtirols fließt, wurden bereits mehrere Weltmeisterschaften und internationale Slalom-Wettkämpfe ausgetragen.

Die Jugend hat keine Stubenhocker-Gene

"Überhaupt ist unsere Jugend hier sehr sportlich", erzählt Stadtführerin Claudia Gilli in breiter Südtiroler Mundart. Klettern, Ski fahren, Mountainbiken, Leichtathletik - das Stubenhocker-Dasein kann man den Kindern, die inmitten des Talkessels am Ende des Vinschgaus zwischen Sarntaler Alpen, Texelgruppe und Vigiljoch aufwachsen, nicht nachsagen. Gilli selbst wuchs "oben aufm Berg auf" und kennt den Unterschied zwischen der tiroler und der italienischen Jugend - ist Meran doch eine Stadt, die von beiden Kulturen geprägt wird. "Meran ist zweisprachig, jeder der für die Region arbeiten will, muss Deutsch und Italienisch können." Die Tiroler Jugend sehe man tagsüber nicht so häufig durch die Stadt spazieren - das sei dann eher eine Spezialität der Italiener.

Die Arkaden gelten als Flaniermeile der Stadt

Bei strahlendem Sonnenschein im Meraner Sommer ist das Flanieren nicht nur den Einheimischen vorbehalten. Südtirol und insbesondere Meran lebt von seinen Touristen. Die tummeln sich besonders gern in den über 800 Jahren alten Laubengängen im Zentrum der Stadt. Die von Meinhard II. - dem Grafen von Tirol - im 13. Jahrhundert erbauten Arkaden sind seit damals beinahe ununterbrochen der Mittelpunkt des geschäftigen Treibens in der Stadt. Heute sind die Lauben mit ihren Boutiquen, Geschäften, Cafés und Restaurants eine der wichtigsten Einkaufsstraßen der Altstadt. Aber auch früher wurde hier schon gehandelt und verkauft: Unter den einzelnen Torbögen haben die Einheimischen Brot, Wurst, Käse und Gemüse feilgeboten, erzählt Gilli.

Eine andere Spezialität - an die man beim Gedanken an Südtirol nicht als Erstes denkt - ist das Eis: "Eismachen ist hier ein Handwerk und auch als solches geschützt", sagt Gilli. Nicht jeder könne eine Eisdiele eröffnen. Eisdielen-Eis wird in Südtirol aus Frischmilch, Sahne, pasteurisiertem Eidotter, Zucker und Früchten, ohne Farbstoffe, künstliche Aromen und Konservierungsmitteln zubereitet. Gilli zeigt auf eine Theke, in der neben den Sorten Vanille, Erdbeere und Schoko auch Mohneis angeboten wird.

"Mohneis ist im Rest Italiens verboten, in Südtirol darf man es herstellen, da Mohn hier zur heimischen Mehlspeisenküche und somit zur Tradition gehört." Und noch so eine seltsame Tradition gibt es unter einigen der Südtiroler Eismachern: 2013 brachten zwei von ihnen ein Eis für Hunde aus Rindfleisch, Karotte, Magermilch und braunem Zucker auf den Markt. Ohnehin sind die Meraner für ihre besondere Hundefreundlichkeit bekannt: Große und kleine, freilaufend und an der Leine wuseln sie zusammen mit ihren Besitzern durch die Gassen der knapp 40.000 Einwohner zählenden Stadt und werden an jeder Ecke mit großen "Ah's" und "Oh's" bestaunt und gestreichelt.

Von moderner Architektur und Couch-Surfing

Gilli setzt ihren Spaziergang durch die Stadt weiter fort, vorbei an den imposanten Jugendstilhäusern entlang der Passer bis zum Kurhaus Meran. Der älteste Trakt des Kurhauses wurde 1874 nach Plänen des Architekten Josef Czerny erbaut. Wenige Jahre danach erhielt der Architekt Friedrich Ohmann den Zuschlag ein neues Kurhaus an der Stelle des alten zu errichten. Allerdings verhinderte der Erste Weltkrieg die Vollendung des Bauprojekts, so dass der neue Trakt im Jugendstil-Bau direkt an den weiterhin erhaltenen alten Trakt angebaut wurde. Laut Gilli finden im Kurhaus heute noch regelmäßig Konzerte und andere Veranstaltungen statt.

Gilli lässt ihren Blick über die Passer hinweg schweifen. Direkt gegenüber dem Kurhaus befindet sich der gläserne Würfel der Therme Meran mit angeschlossenem Hotel. Moderne Architektur, 25 verschiedene Pools, diverse Saunen - das alles ist das Werk des italienischen Architekten Matteo Thun. Als die Therme 2005 eröffnet wurde, war sie das Architektur-Ereignis der gesamten Alpenregion. Ein Vorreiter in Sachen Design- und Lifestyle ist auch die Palmen Lounge im angrenzenden Hotel. Matteo Thun brachte auf der Längsseite des Raumes auf roter Wand eine Vielzahl an goldenen Hirschköpfen an.

"Heute sieht man dieses Design schon häufiger, aber 2006 war das in unserem Haus noch eine völlige Neuheit", sagt Rudi Theiner, mit seinen 32 Jahren einer der jüngsten Hoteldirektoren Italiens. Zwei Häuser weiter steht ein mehrstöckiger Betonklotz aus den 50er Jahren. Kein schöner Anblick in einer Stadt, in der Architektur doch von jeher eine große Rolle spielte. Gilli ist geradezu empört über diese Anmerkung. Ist dieses Haus doch für seine Geschichte bekannt: Vor Jahren haben sie hier das Couch-Surfing quasi erfunden. Die Sharing-Kultur, die sich mittlerweile von ganzen Wohnungen, über Autos, Bücher und Lebensmittel erstreckt, hätte in diesem Gebäude in der Stadt Meran ihren Ursprung. Von wegen angestaubtes Sisi-Image - Meran zeigt, dass es auch jung, hipp und sexy sein kann.

Gilfpromenade: Dschungel mitten in der Stadt

Ein Stück weiter flussaufwärts mündet der Weg in die Gilfpromenade. Palmlilien, Fächerpalmen, und Rhododendren säumen den Weg. Eine riesige begrünte Schlange windet sich durch die Oase - Landschaftsarchtikten haben in mühsamer Kleinstarbeit Pflanzen und Sträucher zu Figuren gestutzt. Entlang der "Promenade der Poesie" finden sich Holzbänke mit Gedichtauszügen bekannter Dichter. Der rund ein Kilometer lange Weg führt an der Gilfklamm vorbei - einer Felsenschlucht, durch die sich die tosenden Wassermassen der Passer zwängen. Über Serpentinen geht es hinauf bis zur Zenobergstraße, wo die Promenade in den Tappeinerweg mündet, ein Höhenweg über den Dächern der Stadt. Abends sieht man von hier aus die Lichter der Stadt funkeln und merkt, dass Meran vielleicht keine Stadt ist, die niemals schläft, aber dennoch ihren ganz eigenen Charme versprüht.

Die Pressereise wurde durch das Hotel Therme Meran unterstützt.

 

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