Hoch hinauf gen Himmel reckt sich der stählerne Hals des Krans über Corippos Steindächer. Beinahe graziös schwenkt der Arm mal zur einen, mal zur anderen Seite. Einmal wird eine Palette mit Steinen abgeladen. Ein Kübel mit Betonmischung steht in der Nähe. Nun gehört solch ein profanes Gerät wahrlich nicht in die Vorstellung, die dem Betrachter von einem idyllisch gelegenen Bergdorf im Verzascatal vorschwebt. In diesem Fall bedeutet es aber: Hier tut sich wieder was, Jahre nachdem fast alle Bewohner den Ort verließen.

Schon immer war das Leben in den steilen Tälern des Tessins in der südlichen Schweiz von harter Arbeit geprägt. Mit dem Hereinbrechen der Neuzeit und all ihren Möglichkeiten leerte sich das Dorf nach und nach. Übrig blieben noch die Alten, vielleicht ein pensionierter Pfarrer, denn über ein repräsentatives Gotteshaus verfügt die Siedlung Corippo heute noch. Von der stattlichen Einwohnerzahl im Jahr 1850 mit 315 Personen, waren hundert Jahre später nur noch 70 übrig.