Straubing Viel Liebe und eine veränderte Welt bei "Revolverheld"

Als Zugabe und zur großen Freude der Fans mischten sich "Revolverheld" mitten unter das Publikum im Bluetone-Zelt. (Foto: Mathias Adam und Ulli Scharrer) Quelle: Unbekannt

Der dritte Abend des diesjährigen "Bluetone"-Festivals begann mit einer kleinen Überraschung. Denn im Programmheft stand bei der ersten Vorband "Support 1" und da nicht davon auszugehen war, dass sich eine Formation oder ein Solokünstler tatsächlich diesen Namen gegeben hat, hatte ein Rätselraten darüber begonnen, wer da nun auf der Bühne stehen würde. So ganz genau wussten das auch die Verantwortlichen nicht, was die Sache aber nur noch spannender machte.

Als dann die angekündigte Anfangszeit 19 Uhr verstrich und eine Viertelstunde später eine junge, unauffällige Dame ans Mikrophon klopfte und auch etwas hineinsang, ging man davon aus, dass der sogenannte "Support 1" ausgefallen ist und es sich lediglich um einen Soundcheck für die nachfolgende Band handelt. Aber weit gefehlt, denn auf den zweiten Blick wurde klar, dass hier eine Künstlerin immer mehr Echoschleifen einklopft und einsingt und somit nach und nach interessante mehrstimmige A-cappella-Sätze auf der Bühne live erschafft.

Schließlich stellte sich heraus, dass es sich hierbei um die 36-jährige australische Musikerin Kat Frankie handelt, die seit 2004 in Berlin lebt und auch die Mitglieder der Band "Revolverheld" persönlich gut kennt. Die Machart ihrer Werke konnte durchaus beeindrucken und es fiel schnell auf, dass hier keine Anfängerin, sondern eine Musikerin mit hoher künstlerischer Reife und Erfahrung auf der Bühne steht.

Nach diesem rund halbstündigen Überraschungs-Intro der Australierin ging es, wie im Programmheft angekündigt, mit der Formation um den 24-jährigen österreichischen Sänger und Songwriter Julian Le Play weiter. Und auch dieser Support-Act konnte aufgrund seiner Professionalität beeindrucken. Das gilt nicht nur für die bekannteren Pop-Songs wie "Wir haben noch das ganze Leben". Der Straubinger Auftritt zeigte, dass viele Nummern live emotional noch intensiver rüberkommen als auf den Tonträgern. Schade nur, dass die wirklich anspruchsvollen und zum Teil von einer schönen Poesie gesprägten Texte der Eigenkompositionen aufgrund von Julian Le Plays etwas gewöhnungsbedürftiger Artikulation auch an diesem Abend nicht leicht zu verstehen waren.


Und dann war es soweit, auf die Minute pünktlich um 21 Uhr betrat mit der Hamburger Formation "Revolverheld" der Top-Act des Abend die Bühne im mit knapp 5000 Zuhörern prall gefüllten Zelt, was die Formation nach eigenen Angaben selbst beeindruckte. Und der enorme Publikumsandrang sowie die - auch dadurch ausgelöste - enthusiastische Stimmung der Fans schienen die Musiker um den Frontmann Johannes Strate so richtig beflügelt zu haben. Denn die in Straubing als Sextett mit dem Songwriter Strate am Mikro und an der Gitarre, den beiden Gitarristen Kristoffer Hünecke und Niels Grötsch, dem Bassisten Chris Rodriguez, dem Keyboarder Arne Straube und dem Schlagzeuger Jakob Sinn agierende Truppe rockte an diesem heißen Sommerabend so richtig gut ab.

Das zeigte sich in Nummern wie "Ich werd' die Welt verändern" oder "Spinner" und ganz besonders im fast sessionartig erweiterten "Darf ich bitten", wo die Band auch zeigte, dass sie improvisierte E-Gitarren-Soli und einen mitreißend abgehenden Rock-Groove minutenlang regelrecht zelebrieren kann. Daneben bestach aber auch die stilistische Vielfalt und der Klangfarbenreichtum des Programms. So birgt es eben immer wieder einen besonderen Reiz und einen klangfarblich interessanten folkloristischen Touch wenn in "Sommer in Schweden" Hünecke zur Mandoline und Straube zum Akkordeon greift. Ebenso bereicherten die Unplugged-Versionen von "Halt dich an mir fest" und "Hamburg hinter uns" den Abend.

Mit dem von der Band "Echt" gecoverten Hit "Du trägst keine Liebe in dir" sowie "Ich lass für dich das Licht an" schloss "Revolverheld" das offizielle Abendprogramm ab. Aber es war klar, dass das zurecht tobende Publikum mit mehreren Zugaben belohnt wurde und zunächst nicht schlecht staunte, als die Band nicht auf der Bühne, sondern mitten im Zelt in der Nähe des Mischpults wieder auftauchte, um eine fesselnde Interpretation von "Deine Nähe tut mir weh" zu geben.

Nach den Hits "Lass uns gehen" und "Freunde bleiben" schien dann endgültig Schluss zu sein, aber aufgrund des nicht enden wollenden Applauses kehrte "Revolverheld" dann doch noch einmal auf die Bühne zurück, um "Die Welt steht still" aus dem Jahr 2005 ebenso fesselnd rockig zu intonieren. Man erlebte einen wirklich beeindruckenden Auftritt einer deutschen Rockband, welche diesen Namen auch verdient hat.

 

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