Straubing Sozialmobil: Kostenlose Hilfe für jedermann

Silvia Kirn ist eine von aktuell sechs Ehrenamtlichen, die unentgeltlich Menschen begleiten - ob zum Einkaufen, Kaffee trinken oder zum Arztbesuch. Foto: krf

Jeder Straubinger kann das Sozialmobil des Dimetria Fördervereins buchen. Ehrenamtliche begleiten damit Menschen im Alltag: zum Arzt, zum Einkaufen oder auch zum Kaffee trinken. Gäuboden aktuell ist mitgefahren.

"Ich mache das, um zu helfen", sagt Silvia Kirn. Sie ist seit Kurzem im Ruhestand und fährt seit vier Jahren das Sozialmobil des Dimetria Fördervereins Straubing. Mit dem Sozialmobil zielt der Förderverein darauf ab, die Lebensqualität hilfsbedürftiger Menschen zu verbessern. Derzeit sechs Ehrenamtler begleiten unentgeltlich Bürger zum Arzt, zum Einkaufen oder gehen einfach nur mit den Menschen spazieren. "Ich habe mich bereits früher ehrenamtlich engagiert, und als ich vom Sozialmobil gehört habe, dachte ich: 'Das ist etwas Neues, das will ich machen'", erklärt Kirn.

Und so ist Silvia Kirn meist am Donnerstagnachmittag mit dem Mobil unterwegs. Heute besucht sie zwei Klientinnen, pro Person hat sie eineinhalb Stunden. Die erste Dame um 14 Uhr ist eine lebenslustige 89-Jährige. Kirn wird mit ihr Kaffee trinken gehen und plaudern - einfach da sein. "Die Dame ist recht allein, da ihre Kinder arbeiten", sagt Silvia Kirn. Für den Cafébesuch hat sich die Dame herausgeputzt. Nur die Batterien des Hörgeräts sind defekt. Deswegen muss Kirn etwas lauter mit ihr sprechen.

Im Café ordert die 89-Jährige "a Haferl Kaffee und a Quarktasche". Sie erzählt lebhaft von ihrer Jugend. "Ich bin in der Altstadt um St. Peter aufgewachsen", sagt sie. An bestimmte Episoden aus ihrem Leben kann sie sich noch genau erinnern - auch wenn sie in letzter Zeit vergesslicher werde, meint Kirn. Nach dem Café nutzen Kirn und ihre Klientin das gute Wetter zu einem kurzen Spaziergang. Der 89-Jährigen tut das merklich gut, sie erzählt von ihrer früheren Arbeit und ihren Freunden. "Früher war das Nachtleben in Straubing noch besser", sagt sie. Für ihren 90. Geburtstag im kommenden Jahr habe sie schon einen Wunsch: "Ich wünsche mir, dass eine Musikkapelle für mich spielt." Mit dem Sozialmobil geht es am Ende wieder vor ihre Haustür. Kirn wartet noch, bis sie die Tür erreicht hat, dann geht es weiter.

Über Internet oder Telefon buchbar

In einer alternden Gesellschaft sei das Sozialmobil eine wichtige Einrichtung. "Wir helfen kostenlos jedem Menschen, der sich an uns wendet", sagt Fritz Roßbund, stellvertretender Vorsitzender des Dimetria-Fördervereins. Tobias Schmid ist Vorsitzender. Der gemeinnützige Förderverein handelt mit dem Sozialmobil, das es seit fünf Jahren gibt, seiner Satzung gemäß, Behinderte und seelisch Kranke in die Gesellschaft zu integrieren. Jeder Straubinger Bürger kann das Sozialmobil kostenlos für ein Zeitfenster von 90 Minuten über das Internet oder Telefon buchen. Um die 50 Termine im Monat absolvieren die derzeit sechs Ehrenamtlichen. "Wir machen das wohldosiert", sagt Roßbund, "jeder Ehrenamtliche ist ungefähr einen Nachmittag pro Woche unterwegs." Dennoch sei Verstärkung jederzeit gewünscht, sagt Roßbund. Denn der Bedarf sei groß: "Ungefähr am zehnten jedes Monats sind wir komplett für den Monat ausgebucht."

Gegen 15.30 Uhr sitzt Silvia Kirn in einer Küche. Sie ist bei ihrem zweiten Termin des Tages. Der Wocheneinkauf steht an, gleich geht es zum Supermarkt. Vorher überlegen sie sich gemeinsam, was auf den Einkaufszettel muss. Kirn schreibt auf, was die 70-Jährige sagt: "Klementinen, Frischkäse, Vitalbrot. Und Grillanzünder - aber die weißen".

Die 70-Jährige ist fast blind, das macht ihren Alltag schwierig. Sie kann sich nur sehr vorsichtig bewegen. Buchstaben kann sie nicht mehr lesen, sie sieht nur Formen und Farben. Deswegen begleitet Silvia Kirn sie heute zum Einkaufen.

Darum geht es aber nicht nur. Für die 70-Jährige ist das Sozialmobil eine Gelegenheit, aus dem Haus zu kommen, auch wenn es nur der Supermarkt ist. Sonst höre sie viel Radio. "Der läuft dauernd", sagt sie. Ansprache hat sie wenig. Sie lebt allein, ihr Mann ist vergangenes Jahr gestorben. So ist der Einkauf mit Kirn auch die Möglichkeit, sich ein wenig auszutauschen.

"Unser Prinzip ist, dass wir zunächst einmal jedem helfen. Jede Buchung wird angenommen", sagt Fritz Roßbund. Vor wenigen Wochen konnte er einen Erfolg vermelden: Ein gebrauchtes Auto wurde als neues Sozialmobil angeschafft. Der Betrieb eines Autos mit Sprit- und Wartungskosten sei ein Kraftakt. Da das Angebot kostenlos ist, finanziert sich das Sozialmobil ausschließlich über Spenden. "Jede davon ist wertvoll", betont Roßbund. Auch die Stadt Straubing sei eine große Unterstützung für den Verein. Ohne Sponsoren, Spender und ehrenamtliche Mitarbeiter wäre das Angebot Sozialmobil nicht möglich.

Neues Auto ist ein Segen

"Das neue Auto fährt sich schon recht gut", sagt Silvia Kirn. Der Vorteil des neuen Sozialmobils: Die Einstiegshöhe ist niedriger. Das erleichtert den Einstieg für die Mitfahrer. Außerdem ist im Kofferraum genug Platz für Rollatoren.

Nach dem Supermarktbesuch trägt Kirn die Einkaufstasche in die Küche, packt aus und verstaut die Lebensmittel. "Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende", sagt sie zum Abschied, "bis nächste Woche!" Gegen 17 Uhr fährt sie wieder nach Hause. "Wir sind ein eingespieltes Team, das macht es leicht. Mittlerweile hat jeder seinen bevorzugten Wochentag", sagt Silvia Kirn über die Abstimmung im Ehrenamtler-Team.

"Ich mache das weiter, so lange es geht. Oder bis ich selbst das Sozialmobil brauche." Sie stellt das Auto hinter dem Ärztezentrum am Theresientor ab. Morgen wird ein anderer Ehrenamtler das Auto fahren - unentgeltlich im Dienst für Hilfsbedürftige.

Spenden an das Sozialmobil sind unter IBAN DE80 7425 0000 0000 0190 00 möglich. Terminbuchung: Tel. 09421/995551 oder www.dimetria-foerderverein.de

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