Straubing So hat die idowa-Redaktion den Rathaus-Brand erlebt

Der Brand des historischen Rathauses hat die Stadt Straubing ins Herz getroffen. Foto: Ulli Scharrer

Ein Ereignis wie der Brand des historischen Rathauses in Straubing ist auch für eine Nachrichten-Redaktion alles andere als alltäglich. Hier schildern unsere Redakteure, wie sie den Brand erlebt haben, und zeigen nochmals das erste Video des traurigen Ereignisses, dass über das Internet um die Welt ging.

Bereits fünf Minuten nach Ausbruch des Feuers benachrichtigten wir unsere Leser über unsere App idowa24 mit einer Push-Mitteilung. Zusätzlich wurden die Besucher in der Innenstadt über unsere "Schaufenster" informiert. Gleich danach verbreiteten wir die Nachricht über die sozialen Netzwerke Facebook und Twitter. Als innerhalb kurzer Zeit die Flammen aus dem Gebäude schlugen, haben wir alles nicht nur in Wort und Bild, sondern auch im Video für unsere Leser festgehalten. Buchstäblich alle Digital-Mitarbeiter arbeiteten daran, das Ereignis festzuhalten – inklusive dem Leiter der Digitalabteilung Lutz Teubert, der als erster ein Video an die Redaktion weitergab. Dadurch waren wir die erste Redaktion, die ihre Leser neben vielen Fotos und Informationen auch mit bewegten Bildern versorgen konnte. Wir erreichten damit Hunderttausende von Nutzern – nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland. Hier können Sie sich das erste dieser Videos noch einmal ansehen:

Lesen Sie hier: Ein Jahr danach: Der Rathaus-Brand und seine Folgen und Rathaus-Geschäftsleute: Ein Jahr nach dem Brand

Hier schildern unsere Redakteure, wie sie persönlich den Brand erlebt haben.

Susanne Raith: "Das Ausmaß war lange Zeit unbegreiflich"

Es war ein eher ruhiger Nachrichtennachmittag, bis ich einen Anruf von einer Kollegin aus der Stadtredaktion erhielt. Sie teilte mir mit, dass es im Rathaus brennen würde. Während ich noch dachte, dass es sich wahrscheinlich um einen Fehlalarm oder einen kleinen Brand handeln würde, blickte ich aus dem Fenster. Als ich den dichten Rauch sah, der am Turm nach oben stieg, ahnte ich, dass nicht mehr viel zu retten sein würde. Die nächsten Stunden waren sehr intensiv, das ganze Material musste in der Redaktion verarbeitet werden. Als ich kurz vor Mitternacht die Redaktionsräume verließ, kam ich am Rathaus vorbei. Ich stellte mich zu den vielen anderen Straubingern und blickte fassungslos die Ruine an. Das Ausmaß hatte ich zwar schon auf den vielen Fotos meiner Kollegen gesehen, aber mit eigenen Augen schmerzte es dann noch einmal mehr. Der Brand war für mich unbegreiflich, auch noch die Tage danach. Niemals hätte ich mir vorstellen können, dass das historische Rathaus einmal fast komplett zerstört werden würde. Leider macht ein Feuer vor Nichts Halt. So tragisch wie der Verlust auch sein mag, bin ich sehr froh darüber, dass niemand verletzt oder getötet wurde.

Regina Hölzel: "Dieser Tag steckt mit noch heute in den Knochen"

Ich kann mich noch ziemlich genau daran erinnern: Ich saß im Büro, als das Telefon klingelte. Ein Kollege war dran und fragte aufgeregt, ob wir schon wüssten, dass das Rathaus brennt. Als ich aus dem Fenster sah, habe ich die Rauchsäule bemerkt, die über den Dächern aufstieg. Dann ging alles ganz schnell. Wir teilten so schnell wie möglich die Erstmeldung auf allen Kanälen. Als ich ein oder zwei Minuten später noch einmal aus dem Fenster sah, schlugen die Flammen schon meterhoch in den Himmel. Als ich etwas zur Ruhe kam, war mein erstes Gefühl ein tiefer Schock. Ich konnte es kaum fassen, dass das gerade passiert. Zu dieser Zeit wusste noch keiner, ob noch Menschen im Gebäude waren, oder was genau passiert war. Kurz darauf bekamen wir die ersten Bilder und Videos von Kollegen vor Ort. Da wurde es erst richtig real, dass das Rathaus wirklich komplett in Flammen stand. In den nächsten Stunden haben alle Mitarbeiter in der Redaktion versucht, an Informationen über den Brand zu kommen. Als von der Polizei die Information kam, dass wohl keine Personen im Rathaus waren, fiel mir ein Stein vom Herzen. Und als ich selbst kurz draußen vor Ort war, hat es mich etwas schockiert, wie viele Menschen sich am Stadtplatz versammelt hatten, um dem „Spektakel“ zuzusehen. Die Einsatzfahrzeuge hatten Mühe, sich durch die Massen zu schieben und mehrere private Drohnen behinderten die Feuerwehrdrohne. Das ist für mich nicht nachzuvollziehen. Dieser Tag steckt mir heute noch etwas in den Knochen. Wenn ich am Rathaus vorbeigehe und die Gerüste und den Baufortschritt sehe, erinnere ich mich oft an den Schock, der mich damals übermannt hat.

Doris Emmer: "In der Stadt herrschte überall Entsetzen"

Ich wohne in der Innenstadt und hatte Sorge, dass auch unser Haus betroffen sein könnte. In der Stadt herrschte überall Entsetzen. Am deutlichsten erinnere ich mich aber an den nächsten Morgen nach dem Brand. Ich bin in die Arbeit gegangen und es lag Brandgeruch über der Stadt. Die Innenstadt sah aus, als ob ihr jemand einen Schneidezahn ausgeschlagen hätte. Zu wissen, dass dieses Wahrzeichen nie wieder so sein würde, wie es mich an jedem Arbeitstag morgens am Stadtplatz begrüßt hatte, tat richtig weh.

Patrick Beckerle: „Und dann läutete das Handy plötzlich Sturm“

Ich erinnere mich noch gut an den Rathaus-Brand – auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr in Straubing war. Ich war an diesem Tag (es war ein Freitag) der Frühdienst unserer Redaktion. Also durfte ich mich gegen 15.30 Uhr auf den Heimweg machen. Weil ich aber an diesem Wochenende zum Dienst eingeteilt war, nahm ich unser Bereitschaftshandy mit. Ich ahnte nicht, was knapp 15 Minuten später passieren sollte, als ich zu meinem Am Hagen geparkten Auto ging und mich auf den Nachhauseweg macht. Das Handy begann plötzlich Sturm zu läuten. Ich konnte allerdings nicht gleich abheben, ich saß ja am Steuer. Kurze Zeit später erfuhr von einem völlig aufgeregten Kollegen, dass das Rathaus in Flammen stünde. Ich konnte es zuerst gar nicht glauben und habe dann sofort nachgesehen, was die Kollegen bereits online zur Verfügung gestellt hatten. Die Bilder und Videos ließen keinen Zweifel. Das Straubinger Rathaus brannte. Ich wusste, dieser traurige Tag würde in die Stadtgeschichte eingehen.

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