Straubing "Mein gesamtes Weltbild stürzte ein"

Bei einer Astralreise liegt man im Bett und schläft, während der Geist auf Reisen geht. Andreas Schwarz schildert: "Ich konnte durch ihn hindurchsehen, ins Innere meines Körpers." Foto: Spectral-Design/fotolia

Astralreisen? Ohne den Körper, nur mit dem Bewusstsein weitere Dimensionen kennenlernen und erforschen? Andreas Schwarz stellt am Freitag, 6. Oktober, sein Buch Astralreisen bei Bücher Pustet vor und erklärt im Gäuboden aktuell vorab was es mit dieser außerkörperlichen Erfahrung (AKE) auf sich hat.

Gäuboden aktuell: Herr Schwarz, Astralreisen klingt sehr esoterisch, ist es das?

Andreas Schwarz: Die Esoterik hat den zentralen Kern, dass alles miteinander verbunden ist und einen gemeinsamen Ursprung hat. Eigentlich hat die Astralreise aber eher einen philosophischen Ansatz, der in der Persönlichkeitsentwicklung eine Rolle spielt. Millionen Menschen rund um die Welt, aus allen Kulturen oder Religionen berichten über derartige Erfahrungen. Man kann es nicht als Humbug abtun, auch wenn man es wissenschaftlich noch nicht erklären kann. Wie Nahtoderfahrungen sind Astral-reisen eine außerkörperliche Erfahrung. Während Erstere spontan oder zwangsweise auftreten, versucht man bei einer Astralreise, diesen Vorgang willentlich herbeizuführen. Aus meiner Erfahrung kann ich berichten und erklären, was ich dabei erlebt habe.

Was ist eine Astralreise?

Schwarz: Man hat den Eindruck, dass man seinen eigenen Körper verlässt und dies passiert in einem hochmeditativen Zustand, in dem der physische Körper eingeschlafen ist, dass Bewusstsein aber wach ist. In diesem Moment kann man sein Ich-Gefühl vom Körper lösen und mit dem Bewusstsein auf Reisen gehen. Die Wahrnehmung entspricht zumindest bei den ersten Reisen der realen Welt, man sieht den eigenen Körper im Bett liegen.

Handelt es sich dabei nur um einen lebhaften Traum?

Schwarz: Nein. Man hat keine verschwommene Wahrnehmung, kann die Welt nicht beliebig ändern. Aber man ist sicher, dass dies kein Traum ist. Bei meiner ersten Astralreise lagen meine Arme auf dem Bett, aber gleichzeitig konnte ich ein zweites, glitzerndes Armpaar wahrnehmen und bis zur Decke strecken und sogar in die Decke gleiten und quasi die innere Struktur der Decke erfassen. Das war atemberaubend.

Entspricht die Welt in der Astralreise der Realität?

Schwarz: Man erlebt auch Abweichungen. Ich hatte beispielsweise einmal eine Karte mit dem Namen meiner Nichte im Zimmer. Auf der Astralreise war dies aber ein anderer Name. Dies lässt mich weiterdenken. Vielleicht ist dies ein Indiz für Parallelwelten. Das erscheint mir plausibel, da wir täglich viele Entscheidungen treffen, die unsere Realität manifestieren. Die potenzielle Realität aufgrund einer anderen Entscheidung könnte bei einer Astralreise sehr wohl existieren. Dies wird philosophisch dann sehr abstrakt. Wir entscheiden mit, welches Leben wir leben.

Wie fühlt sich das an?

Schwarz: Es fühlt sich an, als ob man in eine andere Dimension eintritt: viskos, sirupartig. Man verschmilzt quasi mit der Information, mit der Schwingung, die diese Materie ausmacht: unbeschreiblich.

Was haben Sie dabei als wichtigste Erfahrung für sich gewonnen?

Schwarz: Man erfährt eine Gesamtheit: Wir alle sind nicht voneinander getrennte Wesen, sondern eine Einheit. Das ist schwer begreiflich. Es steht im Gegensatz zu dem Ego, dem Individuum, das seinen Trieben folgt, Sicherheit anstrebt, das unsere Person ausmacht. Ich habe erkannt, dass alles verbunden, vernetzt ist. Diese Erfahrung nimmt man mit und dies verändert die Ansicht, die man über die physische Welt hat. Ich glaube, dass wir als Individuen existieren, damit dieses kollektive Bewusstsein immer mehr Möglichkeiten erfassen kann. In jeder Interaktion werden wir zugleich ein Teil des anderen, wenn unsere Gedanken sich austauschen - etwa im Gespräch.

Das bewusste Denken, alles was wir mit dem Verstand begreifen, ragt wie die Spitze eines Eisbergs aus unserem Unterbewusstsein heraus. Dieses Unterbewusstsein wiederum umfasst alle Potenziale die in uns schlummern und ist mit dem kollektiven Bewusstseinsfeld verbunden, das sich uns in einer Astralreise erschließt. Je meditativer wir darin eintauchen, bis hin zur Astralreise, desto mehr Erkenntnisse stehen uns offen. Das wird auch Thema des Vortrags am 6. Oktober sein.

Sie geben in Ihrem Buch eine Anleitung, die es jedem ermöglicht, Astralreisen zu machen. Können Sie diese kurz schildern?

Schwarz:   Ich bin mit 14/15 Jahren im Internet auf das Thema Astralreise gestoßen und hatte "Startschwierigkeiten". Deshalb habe ich meine individuelle Anleitung entwickelt und diese zum "Astral-reisen-Algorithmus" ausgebaut. Dies ist ein Schritt-für-Schritt-Plan, der alle Zustände auf dem Weg zu Astralreise beschreibt. Für jede Phase habe ich verschiedene Techniken oder Übungen geschildert, damit jeder seine individuell passende Methode zusammenstellen kann.

Zuerst entspannen sich Körper und Geist. Mit Hilfe von Affirmationen und Visualisierungen schläft man danach ein, während das Bewusstsein wach bleibt. Es folgt der Zustand der Schlafparalyse - der Schutz des Körpers, damit Bewegungen im Traum nicht real umgesetzt werden - doch diesen kann man wahrnehmen. Anschließend kann der Astralkörper austreten.

Was ist ein Astralkörper?

Schwarz: Eine Art Energie, die man über seine Vorstellungskraft manipulieren kann. Anfangs sah mein Astralkörper wie ein Abbild meines Körpers aus. Er kann theoretisch auch die Form eines Vogels annehmen. Inzwischen visualisiere ich ihn als Energiekugel.

Kann eine Astralreise irgendwie gefährlich sein?

Schwarz: Man tastet sich ja Schritt für Schritt auf diesem Weg vor. Ängste müssen überwunden werden, denn sie wirken wie Blockaden. Eine Astralreise kann durchaus auch ein negatives Erlebnis sein - jedoch nicht für den physischen Körper. Ich bin kein Psychologe, aber für Menschen, die psychische Probleme haben, könnte dies natürlich problematisch sein. Gehört habe ich davon noch nicht. Ich habe auch Übungen beschrieben, um Ängste zu bekämpfen.

Dann kann also jeder, der bereit ist, sich darauf einzulassen und konsequent zu üben, Astralreisen unternehmen?

Schwarz: Ja, jeder, der offen dafür ist. Auch Zweifler.

Wie lange haben Sie bis zu Ihrer ersten Astralreise geübt?

Schwarz : Ich habe ein Jahr lang fast jede Nacht mehrere Stunden vergeudet (lacht), reglos im Bett zu liegen. Mit Anleitung geht dies viel schneller. Viele meiner Seminarteilnehmer schaffen es nach etwa einem Monat.

Meine erste AKE begann aus einem Traum heraus. Im Halbschlaf habe ich ein Geräusch gehört und habe dies aufgrund der Beschreibungen erkannt. Ich fühlte ein schwingendes Gefühl und wusste: das ist meine Chance. Als ich wie vorhin beschrieben zur Decke fasste, hatte ich das Gefühl dort zu schweben, meine Perspektive wechselte. Aus dem überwältigenden Gefühl heraus, mich selbst im Bett liegen zu sehen, raste mein Energiekörper darauf zu und ich erwachte.

... mit welchem Gefühl?

Schwarz:   Mein gesamtes Weltbild stürzte ein. Die reale Welt, die Art wie unser Intellekt Gedanken und Worte formuliert, reicht nicht aus, um diese Erfahrung in vollem Umfang im "Alltagsbewusstsein" geistig zu erfassen.

Wie lange dauert dieser Prozess vom "sich schlafen legen" bis zum Beginn der Astralreise.

Schwarz: Je nach Übung zwischen einer Minute und einer Stunde. Nach längeren Pausen dauert es länger, obwohl ich es seit über zehn Jahren praktiziere. Wenn man entspannt ist oder oft meditiert geht es schneller.

Was hat Sie am stärksten dabei beeinflusst?

Schwarz: Eine Motivation ist, dass ich versuche den Ursprung des Bewusstseins, des Lebens zu finden. Sehr intensiv habe ich erlebt, als ich auf einer Astralreise gefragt habe, was das Bewusstsein eigentlich ist. Dies kann ich wirklich nicht in Worte fassen. Das was mich im innersten Wesen ausmacht, hat sich verändert.

Das Bewusstsein ist die Möglichkeit Leben zu schaffen, es ist die Information des Lebens selbst - die Urinformation, der Bauplan, der Materie zum Leben aufbaut. Dies harmonisiert durchaus mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Mein Wunsch wäre es, dass der Mensch durch diese Erfahrung auf eine neue Evolutionsstufe steigt. Meine persönliche Vision, ist es Menschen zu helfen, mehr aus Ihrem Bewusstsein zu machen. Damit sie auf ihr volles Potenzial zugreifen und mehr aus sich machen.

Sie sind Mechatronik-Ingenieur. Wie passt diese technisch-wissenschaftliche Sicht zum Thema?

Schwarz: Ich möchte zur wissenschaftlichen Erklärung der Astralreise beitragen. Den Grad der Entspannung zeigt beispielsweise die Hirnwellenfrequenz im Elektroenzephalogramm.

Welche Erwartung haben Menschen, die diese Erfahrung manchen möchten?

Schwarz: Viele sind neugierig - egal in welcher Beziehung. Oder sie haben diese AKE spontan gemacht und suchen Informationen dazu. Mit der Forschung über die neue Quantentheorie interessieren sich dafür auch mehr Menschen aus dem Bereich der Wissenschaft. Das erlangte Wissen kann helfen die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln, seine Pläne zu und dem eigenen Leben eine andere Qualität zu geben.

Gibt es Menschen, die sich damit bereichern wollen?

Schwarz: Anfangs vielleicht, aber je öfter man dies macht, desto mehr verliert sich diese Vorstellung von Begierden oder Reichtum. Bei mir war es so, dass die AKE immer abbrach, wenn ich versuchte, in die Privatsphäre eines anderen einzudringen. Nach meiner Erfahrung bleibt Privates auch dabei privat.

Wie erlebt man Zeit auf einer Astralreise?

Schwarz: Zeit ist während einer Astralreise undefiniert. Man kann in verschiedene Zukünfte blicken, wenn man sich fragt, welche Entscheidung man treffen solle. Mein Weg, den ich gehe, habe ich zum Beispiel vorher angesehen. Aber im realen Leben bestimmt man nicht alleine, das eigene Ego, das Unterbewusstsein, andere Menschen, die Entscheidungen treffen, dies alles wirkt für die reale Zukunft natürlich zusammen. Die exakte Zukunft vorherzusehen ist meines Erachtens nicht möglich.

Und die Vergangenheit ...?

Schwarz: Als ich auf einer Astralreise einmal unseren Planeten von oben sah, habe ich mich gefragt, wie unser Planet vor Jahrhunderten aussah. Sofort verschoben sich die Kontinente unter mir - Wahnsinn.

Man kann eigene Erlebnisse nochmals erleben, aber in einer völlig anderen Informationsdichte und dabei Einsichten über die eigene Person gewinnen. Ich habe beispielsweise erkannt, dass ein Spiel mit einem Freund auf einer Wiese mich beeinflusst hat. Einfach indem ich ihm als Vorbild nachgeeifert habe. Jeder beeinflusst jeden, jeder ist somit ein Teil des anderen.

Ist eine Astralreise schöner als das reale Leben?

Schwarz: Man erfährt vieles und kann viel dabei lernen, aber wir sind keine menschlichen Wesen, die eine spirituelle Erfahrung machen, sondern spirituelle Wesen, die eine menschliche Erfahrung machen. Unsere wahre Aufgabe ist es, das reale Leben zu gestalten und zu erfahren.

Vielen Dank für das Gespräch!

Vortrag: Freitag, 6. Oktober, 19.30 Uhr, Bücher Pustet, Eintritt: 8 €.

 
 

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