Straubing Mathe-Abi zu schwer? Das sagen Lehrer aus Straubing

War das diesjährige Mathe-Abitur zu schwer? Darüber gehen die Meinungen zwischen Schülern und Lehrern auseinander. (Symbolbild) Foto: Felix Kästle

Das bayerische Mathematik-Abitur hat am Wochenende für viel Wirbel gesorgt: Tausende Schüler empfanden es als zu schwer und forderten in einer Online-Petition, den Notenschlüssel zu senken. Doch war die diesjährige Prüfung wirklich schwieriger als in den vergangenen Jahren? Wir haben bei den vier Straubinger Gymnasien nachgefragt, wie sie das diesjährige Abitur einstufen - und was sie von dem Protest der Schüler halten. 

Dr. Eva Huller, die Direktorin des Anton-Bruckner-Gymnasiums, war von dem Ausmaß des Protests dann doch überrascht. Denn zumindest an ihrer Schule blieb der große Aufschrei aus. „Als unsere Schüler am Freitag mit dem Abitur fertig waren, haben sie auf mich einen ganz normalen Eindruck gemacht und nicht verzweifelt gewirkt“, berichtet sie im Gespräch mit idowa. Auch während der Prüfung sei die Atmosphäre eher konzentriert denn angespannt gewesen. Generell sei es schwer, schon jetzt eine Aussage zum Schwierigkeitsgrad der diesjährigen Prüfung zu treffen. Das Kollegium hatte schließlich erst zwei Tage Zeit zum Korrigieren. Bislang sei dabei aber alles im Rahmen des Erwartbaren geblieben. Das habe auch der Deutsche Lehrerverband bei einer ersten Bewertung für Bayern festgestellt. „Auffällig war nur, dass es heuer tatsächlich mehr Textaufgaben und Anwendungsbezug gab“, so Huller. Die gestartete Online-Petition der Schüler sieht sie als legitimes Mittel, um sich Gehör zu verschaffen. „Ich verstehe die Besorgnis der Schüler. Allerdings möchte ich erst einmal das endgültige Ergebnis abwarten.“

Ähnlich sieht es Rosemarie Härtinger vom Ursulinen-Gymnasium: "Das Mathe-Abitur ist immer schwierig, es kommen immer Aufgaben vor, die man so vielleicht nicht erwartet hatte. Das war auch schon zu meiner Zeit so." Beschwerden von Schülern über den Schwierigkeitsgrad habe es am Freitag allerdings keine gegeben. "Einige Schüler meinten nach der Prüfung, sie hätten gerne etwas mehr Zeit gehabt. Aber auch das ist ganz normal." Dass die Aufgaben in diesem Jahr sehr textlastig waren, ist allerdings auch Härtinger und ihren Kollegen aufgefallen: "Es war schon sehr viel zum Lesen dabei. Das hat vielleicht die Nervosität noch etwas befeuert. Wenn wir gedurft hätten, hätten wir wahrscheinlich 15 Minuten mehr Zeit gegeben." Auch beim Auswählen der Ausgaben habe das Kollegium diesmal sehr viel Zeit investiert: "Hier war es schon so, dass teilweise ein großer Unterschied zwischen den Aufgabengruppen zu erkennen war", berichtet Rosemarie Härtinger. Über die laufende Online-Petition möchte sie sich noch kein Urteil erlauben. Aber: "Sollte sich herausstellen, dass es wirklich große Schwierigkeiten gab, wäre die Anpassung des Notenschlüssels eine Möglichkeit."

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"Nach vier Stunden Abitur ist man einfach fertig"

Auch für Andrea Kammerer, die Direktorin vom Johannes-Turmair-Gymnasium, sah am Freitag alles nach einer ganz normalen Abi-Prüfung aus. Vom Medien-Hype über das angeblich super-schwere Abitur, der dann am Wochenende folgte, war sie überrascht, erklärt die Oberstudienrätin im Gespräch mit idowa. Die Reaktionen der Turmair-Abiturienten zumindest habe nichts dergleichen vermuten lassen.

Wenn Abiturprüfungen schwerer ausfallen als in anderen Jahren, gebe es üblicherweise entsprechende Rückmeldungen seitens der Mathelehrer: „Am Tag des Abiturs sind unsere Kursleiter bei Tagesanbruch im Haus und rechnen die Aufgaben durch. Sie dürfen von zwei möglichen Aufgabengruppen eine für ihre Schüler auswählen.“

Auch am Ludwigsgymnasium hatte am Freitag noch nichts darauf hingedeutet, dass das Abi-Aufgaben anspruchsvoller wären als sonst. Zwischenzeitlich allerdings gibt es zahlreiche Rückmeldungen von Schülern, die das Mathe-Abi "sehr schwer fanden" und daher die Online-Petition für wichtig erachten, erklärt Schulleiterin Ricarda Krawczak. Dass diese Rückmeldungen erst jetzt kommen, könnte natürlich mit der Berichterstattung über die Petition zu tun haben. Dass die Abiturienten erst Tage später zu dieser Erkenntnis kommen, habe aber auch sehr natürliche und nachvollziehbare Gründe: „Nach vier Stunden Abitur ist man einfach fertig. Manche sind zufrieden, manche freuen sich einfach, dass es vorbei ist. Aber wirklich einschätzen kann man es zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie es gelaufen ist.“ 

Entscheidung der Lehrer "sehr eindeutig"

Am Tag des Mathe-Abiturs halten es Lehrer und Schulleitungen der Straubinger Gymnasien übrigens recht ähnlich: Die Kursleiter suchen nach möglichen Stolperfallen in den Aufgaben und wählen entsprechend aus. Die Entscheidung der Kursleiter, welche Aufgabengruppe ihre Schüler lösen sollten, sei allerdings sehr eindeutig ausgefallen, sagt Schulleiterin Ricarda Krawczak: „Sie fanden eine Aufgabengruppe schon deutlich schwerer, als die andere.“ Das sei aber auch schon öfter vorgekommen. Die Lehrer wüssten, mit welchen Aufgabenstellungen ihre Schüler eher Probleme bekommen könnten. Kann es also sein, dass sich an manchen bayerischen Gymnasien die Lehrer schlichtweg „aufs falsche Pferd“, also, die falsche Aufgabengruppe gesetzt haben? „Das kann man jetzt natürlich noch nicht sagen. Mehr wissen wir erst, wenn die Abi-Aufgaben korrigiert sind“, sagt Krawczak.

Einig sind sich die Schulleiterinnen von Turmair- und Ludwigsgymnasium mit der Einschätzung, dass das Kultusministerium auf jeden Fall darauf reagieren wird und auch muss, wenn sich herausstellt, dass die Abiturprüfungen deutlich schlechter ausfallen als im Durchschnitt der Jahre. Genau das hatte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) angekündigt.

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