Straubing Manfred Weber eröffnet "das schönste Volksfest Europas"

Manfred Weber wurde vom Straubinger Publikum begeistert empfangen. Foto: Armin Weigel/dpa

Wäre es nach den Straubingern gegangen, hätte Manfred Weber das diesjährige Gäubodenvolksfest als neuer EU-Kommissionspräsident eröffnet. Es kam bekanntlich anders. Von Verbitterung ist in Webers Eröffnungsrede nichts zu spüren – klare Worte findet der prominente Niederbayer trotzdem. 

Wird er sich zum Umgang mit ihm äußern oder nicht? Diese Frage brannte vielen Straubingern im Vorfeld unter den Nägeln. Schließlich hat die überraschende Ernennung von Ursula von der Leyen zur neuen EU-Kommissionspräsidentin bei vielen Wählern, die eigentlich Weber ihre Stimme gaben, einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Wie mag es da erst dem 47-Jährigen selbst gegangen sein, als die Entscheidung klar war. Verbitterung? Enttäuschung? Mag sein. Doch Weber ist eben gerade dafür bekannt, kein Scharfmacher zu sein, verbal nicht nachzutreten. Und das bewies er auch bei seinem Auftritt in Straubing.

Dass er nicht drum herum kommen würde, das Thema Europa anzuschneiden, wurde schon klar, als Markus Pannermayr seine Themen setzte. Der Straubinger Oberbürgermeister erklärte das Gäubodenvolksfest in seiner Eröffnungsrede am Samstagvormittag mal eben zum "schönsten Volksfest Europas". Warum? "Wenn 28 Länderchefs den EU-Kommissionschef im Hinterzimmer unter sich ausmachen können, dann können wir mit etwa 3.000 Besuchern im Bierzelt auch das schönste Volksfest Europas bestimmen", so Pannermayr unter Applaus. Er bezeichnete den Umgang mit Weber auf EU-Ebene als "unwürdig und traurig". Gleichzeitig habe Weber aber Größe und Anstand gezeigt. Schon als er im April die Einladung erhalten habe, habe er darauf hingewiesen, dass auch alles anders kommen könnte. Leider sollte er Recht behalten. So kam Weber am Samstag eben "nur" als EU-Abgeordneter nach Straubing. Weniger herzlich empfangen wurde er deswegen aber nicht, im Gegenteil: "Ich bin mir sicher, dass dir ein bayerisches Bierzelt momentan allemal lieber ist als das EU-Parlament", sagte Pannermayr direkt an Weber gewandt. 

Drei Wünsche im Gepäck

Gleichzeitig verwies der Straubinger Oberbürgermeister aber auch auf die Errungenschaften Europas. "Die europäische Union wird oft mit Regulierungswut gleichgesetzt. Wenn wir aber einmal darüber nachdenken, merken wir, dass es im Kern um etwas ganz anderes und um viel mehr geht", so Pannermayr. Er erinnerte daran, dass das Gäubodenvolksfest in seiner über 200-jährigen Geschichte bereits mehrere Kriege miterlebt habe. Heute lebt Europa seit 70 Jahren in Frieden – und das sei der Verdienst der EU. "Europa ist der beste Weg, unsere Zukunft in Friede und Freiheit zu gestalten", so Pannermayr in seinem versöhnlichen Schlusswort. 

Von der ungeschriebenen Tradition des Gäubodenvolksfestes, von dem Eröffnungsredner ein Gastgeschenk zu fordern, machte Pannermayr aber auch für Weber keine Ausnahme. Wie im Vorjahr, als Ministerpräsident Markus Söder das Volksfest eröffnet hatte, hatte der Oberbürgermeister gleich drei Wünsche im Gepäck. Erstens: Den Gründerwettbewerb Plan B für biobasierte Geschäftsideen am Standort Straubing bekannter zu machen und die Ideen auch auf europäischer Ebene vorzustellen. Zweitens: Die Stadtbibliothek zu erneuern und zu erweitern. "Hier haben wir uns schon um Fördergelder beworben, bisher allerdings erfolglos. Vielleicht kannst du uns hier weiterhelfen", sagte Pannermayr an Weber gewandt. Der letze Wunsch: Die Zooschule des Straubinger Tiergartens zur Umweltschule weiterentwickeln. "Auch hier wären uns Fördergelder höchst willkommen", so Pannermayr, bevor er die Bühne an Landrat Josef Laumer übergab. 

"Da ist es doch auch schön"

Auch Laumer ging in seiner Rede auf die Europawahl und ihren unerwarteten Ausgang ein. "Nicht wenige der heute hier Anwesenden sind zur Wahl gegangen, weil sie dich in Brüssel wollten. Aber jetzt bist du halt bei uns in Straubing – da ist es doch auch schön." Der Landrat verwies darauf, dass die Stadt Straubing und der Landkreis Straubing-Bogen gegenseitig voneinander profitieren würden und ließ dabei auch seine berühmten Worte "Stadt und Land, Hand in Hand" nicht aus. Gleichzeitig profitiere die Region aber auch von der Europäischen Union. Laumer verwies etwa auf die niederbayerische Exportquote von über 50 Prozent, für die auch die Nachfrage aus anderen EU-Ländern verantwortlich sei. "Wir müssen deswegen sagen: Es geht uns nicht trotz, sondern wegen Europa gut", brachte es Laumer auf den Punkt.

Einen Standpunkt, den auch Manfred Weber teilte. In seiner Rede ging er zunächst auf die von Markus Pannermayr geäußerten Wünsche ein. Diese seien heuer ja "sehr bescheiden" ausgefallen. Weber führte das auch darauf zurück, dass sein "Vorgänger" Markus Söder im vergangenen Jahr sehr großzügig gewesen sei. "Da haben sich die Straubinger sicher gedacht, jetzt können wir auch mal einen armen Europapolitiker einladen", sagte Weber selbstironisch. Er sicherte Markus Pannermayr Unterstützung bei den genannten Projekten zu. Im kommenden Jahr würden auf EU-Ebene wieder mehr Fördergelder frei. "Schauen wir mal, was wir mit vereinten Kräften erreichen können", so Weber. 

"Spannende Reise"

Danach kam er schließlich auch auf seine eigene "spannende Reise" zu sprechen, die mit der Bewerbung um das Amt des EU-Kommissionspräsidenten begonnen habe. Die Europawahl selbst bezeichnete er als "großes Fest der Demokratie". "Wir haben eine um 13 Prozent höhere Wahlbeteiligung in Deutschland. In Bayern waren es 20 Prozent. Und in Niederbayern sogar 22 Prozent. Das ist sehr erfreulich", sagte Weber. Im Nachhinein sei dann jedoch die Frage aufgekommen, ob er überhaupt für den Posten des EU-Kommissionspräsidenten geeignet sei. Mit dem bekannten Ausgang. Auch ohne explizite Kritik fand Weber dazu deutliche Worte: "Die einzigen, die entscheiden sollten, ob jemand für eine Position geeignet ist oder nicht, sind die Wähler." Dafür gab es aus dem Publikum tosenden Applaus. "Ich bin danach oft gefragt worden, wie es jetzt weitergeht. Ob ich weitermache, oder ob es mir reicht", berichtete Weber. "Ja, es ist Schaden verursacht worden. Aber Schaden kann man nicht heilen, indem man neuen Schaden verursacht. Europa muss handlungsfähig bleiben. Und deswegen gibt es für mich auf diese Frage nur eine Antwort. Mir sind Werte wichtiger als Positionen." 

Zum Abschluss seiner Rede kam Weber auch noch einmal auf das Gäubodenvolksfest selbst zu sprechen. "Die Griechen haben die längste Geschichte, die Engländer das größte Empire und die Franzosen die meiste Erfahrung in Sachen Liebe. Aber die Straubinger können mit gutem Recht sagen, dass sie das schönste Volksfest haben."

So erklärte Manfred Weber das Gäubodenvolksfest um 11.38 Uhr schließlich für eröffnet. 

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