Straubing Deutsche Polizeigewerkschaft will "Taser" standardmäßig einführen

Das „Distanz-Elektro-Impuls-Gerät“ gibt es auch mit aufgesetzter Kamera (Version hinten) zur Dokumentation des Einsatzes auf Video. Dem stehen aber die strengen datenschutzrechtlichen Regelungen in Deutschland entgegen. Foto: ip

Der "Taser" soll die große Lücke zwischen Pfefferspray und Pistole schließen und den niederbayerischen Polizisten mehr Sicherheit bringen.

Die Pfeile schießen aus dem pistolenähnlichen Elektrogerät und verhaken sich in der Kleidung des Täters, zwei sieben Meter lange Drähte schließen den Stromkreis, Muskelkrämpfe lassen den Getroffenen innerhalb von Sekunden kampfunfähig zusammenklappen. Den „Taser“, den die meisten nur aus US-Actionfilmen kennen, will die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) schnellstmöglich für die bayerische Polizei standardmäßig einführen.

„Wir wollen bei den Einsätzen die große Lücke zwischen Pfefferspray und Pistole schließen“, sagt DPolG-Bezirksvorsitzender August Janker am Donnerstagabend in der Justizvollzugsakademie in Straubing. Bei der Informationsveranstaltung für Niederbayern haben zwei Vertreter der Taser-Herstellerfirma Gelegenheit, die Vorzüge des „Distanz-Elektro-Impuls-Geräts“ entsprechend positiv darzustellen. Janker, dessen Gewerkschaft in einer Reihe derartiger Veranstaltungen derzeit fleißig die Werbetrommel für den Taser rührt, muss nicht erst überzeugt werden: Was sich im täglichen Arbeitsalltag bei den deutschen Sondereinsatzkommandos (SEK) in den vergangenen Jahren bewährt hat, könnte auch bei den niederbayerischen Polizisten für mehr Sicherheit sorgen.

Die „Lücke“ bei den Einsatzmitteln tut sich dort auf, wo etwa nach Körper-, Schlagstock- und Pfefferspray-Einsatz der Täter immer noch Widerstand leistet. In der Praxis sind das Männer, „die randvoll mit Alkohol oder Drogen sind“ und deshalb die Schmerzimpulse aus einer Portion Pfefferspray gar nicht wahrnehmen. Um hier nicht die Schusswaffe einsetzen zu müssen, soll der Taser mit seiner elektrischen Ladung den Angreifer so lange lahmlegen, bis er – mit Handschellen gefesselt – keine Gefahr mehr darstellt. Es ist eine Win-win-Situation für alle Beteiligten, glaubt man den beiden Referenten des Abends von der „Taser International Europe SE“, Standort Frankfurt/Main. Denn neben dem Polizisten, der die Situation ungefährdet und effektiv bereinigen kann, trägt auch der Delinquent keine Schäden davon, sagt Horst Sandfort. Alle kritischen Stimmen verweist der Vertreter des Mutterkonzerns mit Sitz in Arizona entsprechend ins Reich der Vorurteile und „medialen Irrtümer“. Die Polizei in bereits 107 Staaten weltweit – darunter Frankreich, Ungarn und die Schweiz– setze inzwischen Taser ein und habe damit nicht nur die Zahl der verletzten Einsatzkräfte, sondern auch die der schwer verletzten oder getöteten Straftäter reduzieren können.

Wenn die beiden Pfeile in der Haut oder Kleidung der Zielperson verankert sind, gibt der Taser fünf Sekunden lang 19 Stromimpulse pro Sekunde ab, die Muskeln zwischen den beiden Pfeilstellen verkrampfen und jeder Zwei-Meter-Mann legt sich hin. Diesen Praxistest kann man im Anschluss an die Referate bestaunen, als sich DPolG-Vorsitzender Janker selbst als Versuchskaninchen zur Verfügung stellt und auf die Matte legt. Nach kurzer Zeit war dann die lähmende Wirkung wieder verschwunden. Bei Bedarf kann im Ernstfall aber mit weiteren fünf Sekunden nachgelegt werden.

Den vollständigen Artikel lesen Sie am Freitag, 1. April, in Ihrer Tageszeitung.

 

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