idowa-Experiment in der Fastenzeit Fastenzeit: 40 Tage Verzicht – das idowa-Experiment

, aktualisiert am 20.04.2019 - 09:00 Uhr
(V. l.) Susi Raith, Stefan Karl und Susi Pritscher haben 40 Tage lang gefastet. Foto: idowa

Was macht Fasten mit Verstand, Körper, Geist und Seele? Drei idowa-Redakteure wollen das genau wissen und machen dieses Jahr den Selbstversuch – 40 Tage ohne.

Vor den Hochfesten kommt bei den Katholiken der Verzicht. Auf Fleisch traditionell. Zumindest auf die meisten Sorten – aber das ist eine andere Geschichte. Fastenzeit. Mittlerweile machen auch Nicht-Katholiken beim bewussten Verzicht mit und manche schwören sogar drauf. Der Verzicht macht den Verstand klarer, sagen sie, räumt Ablenkungen aus dem Weg, der Genuss später soll umso intensiver sein. Soweit die Fassung für den Werbeprospekt.

Was ist aber wirklich dran am Fasten? Drei idowa-Redakteure finden es dieses Jahr heraus und verzichten auf etwas, das für sie sonst zum Alltag (mehr oder weniger) dazu gehört. Wochenweise wird natürlich über die Erfahrungen in der Fastenzeit gebloggt. 

Samstag, 20. April - das Finale

Stefan Karl

... hat auf Alkohol verzichtet (die meiste Zeit zumindest)

Es ist geschafft. Zeit zum Feiern! Die Sektflasche auf dem Bild ist allerdings nur Illustration. Wie gesagt, die Flasche war schon seit Wochen ausgewählt. Wein, französisch, rot gibt’s zum „Fastenbrechen“. Was nehme ich aus meinem nicht ganz geglückten Fasten-Experiment mit? Die Erkenntnis, dass es schwerer ist als ich je dachte, dem Alkohol „gesellschaftlich“ auszukommen. Er ist überall, bei jeder Zusammenkunft, auf jedem Termin. Im Hinblick auf das Suchtpotenzial der Substanz ist es ein Risiko, das wir täglich eingehen. Es klingt schrecklich altklug, aber mir ist diese Erkenntnis tatsächlich in diesen Wochen der Fastenzeit gekommen.

Ganz auf Alkohol verzichten? Wäre schlau, aber nichts für mich. Aber: Es soll in Zukunft bei einmal die Woche Alkohol bleiben. Ich suche mir den Tag, an dem ich mir eine Halbe Bier oder ein Glas Wein erlaube, bewusst aus. Einfacher Vorsatz? Mal schauen. Die Biergarten-Saison steht vor der Tür…

Susi Raith

... hat auf Kaffee verzichtet

Eine Zeit lang keinen Kaffee trinken? Das konnte ich mir kaum vorstellen. In der Vergangenheit versuchte ich das schon mehrere Male. Jährlich fasste ich auch die Fastenzeit ins Auge. Jedes Mal hielt ich nur ein bis zwei Tage durch.

Warum soll man auf etwas verzichten, wenn man nicht muss? Das Leben stellt einen doch so schon immer wieder vor unangenehme Aufgaben. Das finde ich nicht schlimm. So ist das Leben! Einige Menschen sagen mir, dass das Leben viel zu kurz sei. Natürlich kann es das sein. Aber warum sollte man trotzdem nicht hin und wieder für Experimente bereit sein?

In einer lustigen Nacht nach ein paar Cocktails beschlossen meine beiden Kollegen und ich, dass wir fasten werden. Meine Kollegen halten sich von Süßem und Alkohol fern und ich von Kaffee. Bereits am nächsten Tag hatte ich es bereut. 40 Tage ohne meinen geliebten Kaffee? Niemals!

Als Kaffee-Junkie würde ich mich nicht bezeichnen. Bei einer Tasse Kaffee und einem Glas Latte Macchiato wäre die Bezeichnung auch übertrieben. Während der Fastenzeit fühlte ich mich wie einer. Mehrmals am Tag dachte ich an das Getränk. Welch eine Abwechslung das zum faden Wasser gewesen wäre. Softgetränke wollte ich nicht trinken, weil ich außer Cola keine mag. Irgendein anderer Geschmack musste aber her. So wühlte ich mich im Büro durch die Süßigkeitenecke, plünderte unseren Automaten nach Schokoriegeln oder kaufte mir am Stadtplatz mehrere Kugeln Eis. Gut, dass nur 40 Tage gefastet wird. Sonst wäre der Kaffeeersatz auf die Dauer ungesund geworden. Und die eigentliche Diät soll ja nicht nach der Fastenzeit beginnen.

An einem Tag habe ich Kaffee überhaupt nicht vermisst. Das war eine Woche vor Ende der Fastenzeit. Am frühen Morgen war ich so sehr in Eile, dass ich mir bei der Zubereitung meines Frühstücks tief in die Hand schnitt. Voller Adrenalin lief ich zu meiner Nachbarin und zeigte ihr meine stark blutende Wunde. Sie brachte mich zur Notaufnahme. Ein Arzt nähte meine Wunde mit fünf Stichen und schrieb mich krank. Dadurch überstand ich locker die restliche Fastenzeit, weil ich genug schlafen konnte.

Nur einmal hätte ich gerne einen Kaffee getrunken, als ich mit meiner Kollegin Susi auf meinem Balkon saß und ich ihr von meiner Fastenzeit berichtete. Denn selber konnte ich nicht tippen. Meiner Meinung nach hält man die Fastenzeit leicht durch, weil sie nur 40 Tage dauert. Ich habe schon mal ein Jahr auf Süßigkeiten verzichtet. Das war viel schwerer.

Susanne Pritscher

... hat auf Süßes verzichtet

Ein Abend mit Cocktails und da war die Entscheidung: Sechs Wochen ohne Snacks vom Süßigkeitentisch, ohne kleine Zwischenstopps am Automaten im ersten Stock, ohne Eis zum Frühlingsbeginn. Da zieht sich der Arbeitstag schon einmal in die Länge. Zum Glück hatte ich sehr nette Kollegen, die natürlich nie meinen Lieblingsschokoriegel direkt vor meiner Nase aßen oder den Korb voller Osterschokolade direkt neben mich stellten.

Ich konterte dann mit einem Kohlrabi vom Markt, der eine Woche lang vorwurfsvoll auf der Ablage auf meinem Schreibtisch thronte und meine Kollegen fast in den Wahnsinn trieb. Gegessen habe ich ihn dann doch nicht, er ließ schnell die Blätter hängen und ehrlich gesagt, schmeckt er auch nicht ansatzweise so süß wie Schokolade.

45 Tage nach Beginn unseres Experiments fühle ich mich wie im Schlaraffenland oder Charlies Schokoladenfabrik. Überall lockt die süße Verführung und ich weiß gar nicht, was ich als erstes essen soll. Vielleicht einen großen Eisbecher in der Sonne? Oder doch ein Stück Käsekuchen im Café? Vielleicht fange ich auch erst einmal ganz einfach an und esse den kleinen Schokohasen, den ich von meiner Physiotherapeutin zu Ostern bekommen haben. Nur um nach sechs Wochen wieder einmal zu spüren, wie die Schokolade langsam auf der Zunge zergeht.

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading