Straubing Von Landau zur Mittagspause nach Malgersdorf

„Jeder hat einen Grund“

Landau – noch 66 Kilometer: Die rund 30 Malteser, die den Zug begleiten, haben in Landau an der Isar vor der Kirche St. Maria ein Sanitätszelt aufgebaut. Darin sitzen um kurz vor 6 Uhr Brigitte Hofmeister und Gabriele Islami auf einem Feldbett. „Nach Oberschneiding hab’ ich’s zum ersten Mal gespürt“, sagt Brigitte Hofmeister und zeigt auf die Blase an ihrem Fußballen. Ein Sanitäter hat ihr die Blase hier in Landau aufgestochen und verbunden. Die beiden Frauen sind zum ersten Mal bei der Fußwallfahrt dabei: „Uns war gleich klar, wenn, dann geh’ ma von Straubing aus“, sagt Gabriele Islami und lacht. Einmal im Jahr unternehmen die beiden Arbeitskolleginnen etwas miteinander, zuletzt waren sie auf der Zugspitze. „Aber das Tempo bei der Wallfahrt ist schon ganz schön schnell.“

Vor der Kirche St. Maria sitzt Schwester Elisabeth auf einer Bierbank und massiert sich die Schienbeine. Ihre letzte Wallfahrt von Straubing nach Altötting war 1968. Warum geht sie in diesem Jahr mit? „Weil ich Danke sagen möchte.“ Ihr Bruder ist im vergangenen Jahr nach einer Krebs-Operation als geheilt entlassen worden. „Ich bete sehr viel für meine Verwandten.“ Die Rast in Landau ist für sie besonders: Schwester Elisabeth stammt aus Zeholfing, einem Ort in der Nähe von Landau an der Isar. In der Kirche St. Maria ist sie gefirmt worden. Seit Jahrzehnten arbeitet sie im Klinikum St. Elisabeth, als Diabetesberaterin und in der Kardiologie.

„Jeder hat einen Grund mitzugehen“, erklärt ein Pilger auf dem Weg über Haunersdorf nach Malgersdorf. Ein Mann sagt, er nimmt die Strapazen auf sich, weil er eine gesunde Familie hat. „Man hat das im Kopf: Was ist, wenn ich einmal nicht mitgehe, und dann passiert etwas? Wo man es doch versprochen hat ...“ Ein anderer Pilger erzählt von einem Nachbar, der den Zweiten Weltkrieg überlebt und sich geschworen hat, als Dank dafür nach Altötting zu gehen. Bis zum Alter von 82 Jahren pilgerte er mit.

Von diesen Gedanken sprechen auch die Vorbeter bei einer Meditation, als der Zug einen Wald durchquert: von Problemen, die sich „bodenlos schwer“ anfühlen. Die Vorbeter gehören zum 30-köpfigen Team der Pilgerleitung. Manche sichern den Zug ab, andere tragen das Kreuz oder schieben die Räder mit den Lautsprechern.

Es ist kurz vor Mittag und es wird immer wärmer. Bei einer längeren Pause vor dem Feuerwehrhaus in Malgersdorf kaufe ich mir Nussecken und ein kühles Wasser. Dort am Feuerwehrhaus sitzen auch Straubings Stadtbrandrat Stephan Bachl und rund zehn Feuerwehrler im Schatten. Sie sind seit Landau dabei: „Wir wollten eigentlich ab Straubing gehen, aber der Bombenfund in der Nacht zum Freitag hat einfach zu lang gedauert“, erzählt Bachl.

Weitere Artikel

 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading