Straubing Ein Knochenjob bei Minusgraden

Überreste eines längst aufgelösten Grabes blockieren den Totengräbern den Weg. Mit einem Bagger ist hier nichts mehr zu machen. Rudolf Effenberger bricht das Gestein mühsam per Hand mit einem Hammer heraus. Foto: Fabian Roßmann

Der Tod kennt kein Erbarmen – und macht auch vor den Jahreszeiten nicht halt. Gestorben wird immer. Damit die sterblichen Überreste eines Menschen eine würdige Ruhestätte finden, müssen freilich erstmal die Gräber bereitet werden. Insbesondere bei wochenlang anhaltenden Temperaturen unter dem Gefrierpunkt ein echter Knochenjob: Totengräber.

Dienstag, 7 Uhr morgens. Bei knackigen -12 Grad machen sich Rudolf Effenberger (51) und Erwin Reithmeier (57) am Waldfriedhof in Straubing an die Arbeit. Ein Einzelgrab muss ausgehoben werden. Doch bevor die beiden Männer den Bagger einsetzen und sich zwei Meter durch das Erdreich schaufeln können, müssen sie mit einem Aufbruchhammer (einem Kompressor) ans Werk. Anders wäre bei dem massiven Bodenfrost ein Durchkommen gar nicht möglich. „Zuvor mussten wir die Erde sechs Jahre am Stück nicht mehr aufbrechen, weil wir keine derart kalten Winter mehr hatten. Jetzt haben wir Bodenfrost, der mindestens 20 Zentimeter tief geht, manchmal sogar bis zu 60 Zentimeter“, berichtet Rudolf Effenberger, der seit 21 Jahren als Totengräber tätig ist.

"Kinder zu beerdigen - Daran gewöhnt man sich nie"

Der gelernte Regelmechaniker hatte in seiner Anfangszeit als Totengräber durchaus seine Probleme mit der ständigen Konfrontation mit dem Tod. Effenberger: „Erst nach einem Monat konnte ich das langsam ausblenden. Mittlerweile habe ich dadurch aber eine völlig andere Einstellung zum Leben bekommen – diese kurze Zeit, die uns hier vergönnt ist.“ Zur bloßen Routine verkommt dieser Beruf aber für ihn nie: „Ich sehe mich immer als letzten Begleiter des Vestorbenen. Was mir heute noch sehr nah geht, ist, wenn Kinder beerdigt werden müssen. Daran gewöhnt man sich nie.“ Ähnlich verhält es sich auch bei seinem Kollegen Erwin Reithmeier: „Man sieht da hin und wieder schon Dinge, die einen anfangs beschäftigen. Aber irgendwann lernt man, all das auf dem Friedhof zu lassen und das nach der Arbeit auszublenden.“

Sieben Totengräber sind bei der Friedhofsverwaltung St. Michael in Straubing beschäftigt. Gearbeitet wird auf Abruf und in Zwei-Mann-Gruppen. „Im Regelfall bekommen die Männer drei Tage vorher Bescheid, wo welches Grab auszuheben ist. Sie bekommen dann auch genaue Anweisungen, wie tief gegraben werden muss“, berichtet Friedhofsverwalter Josef Baumann. Um ein Grab herzurichten, brauchen die beiden Totengräber mindestens zwei Stunden. „Von daher ist es auch wichtig, dass da zwei Leute dran arbeiten. Für einen allein wäre das ein Ewigkeitswerk und kaum zu bewerkstelligen“, so Baumann.

 
 
 

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