Straubing Die neue Einfachheit im "Klarl"

Die Wirtsleute: Wie schon Bahnhof und "Röhrl" führt Wolfgang Knorr das "Klarl" gemeinsam mit seiner Frau Susanne. Foto: Stefan Karl

Der Straubinger Wirt Wolfgang Knorr kennt die Gastronomie in allen Facetten. 30 Jahre Veranstaltungs-Kneipe am Bahnhof, sieben Jahre Hotel Röhrl. Das Klarl in der Burggasse ist das jüngste in der Reihe. Laut Knorr ist hier zum ersten Mal wichtiger, was er alles nicht macht - Konzept: die neue Einfachheit.

Mit der Lebenserfahrung kommt wohl auch die Gelassenheit. Auf die Frage, ob er sich Sorgen mache, das Konzept des neuen "Klarl" könnte nicht funktionieren, wo doch in Straubing gefühlt im Halbjahresrhythmus Kneipen auf- und wieder zumachen, sagt Wolfgang Knorr nur knapp: "Das haut schon hin."

Im Grundsatz schließt sich der Kreis. Ein Kultwirt übernimmt eine Kultkneipe. Seit Anfang des Jahres ist Wolfgang Knorr in der historischen Weinstube "Klarl" aktiv. Er will die Räume des Traditionslokals für sich selbst sprechen lassen. In jeder Ecke gibt es architektonische und gestalterische Details. Historische Fresken und Wappen an den Wänden, Vertäfelungen und historisches Werkzeug.

Auf die Bezeichnung "Kult-Wirt" angesprochen huscht Wolfgang Knorr schon ein kurzes Lächeln über die Lippen. "Das ist schon eine große Ehre, hat aber wahrscheinlich eher mit der Zeit im Bahnhof zu tun." Der Bahnhof, das war einmal der Ort in Straubing, an dem sich Bayerns Kleinkunstszene die Klinke in die Hand gab. Monika Gruber, Günther Grünwald, Luise Kinseher und viele mehr haben unvergessene Auftritte in dem Saal des Bahnhofslokals absolviert. Eine schöne Zeit, sagt Wolfgang Knorr heute, "aber sehr anstrengend".

Ähnlich arbeitsintensiv seien auch die sieben Jahre im Hotel Röhrl gewesen. Mit Anfang 60 ist es Zeit, etwas kürzer zu treten, sagt Knorr: "Ich hab jetzt mit dem Klarl wieder ein bisschen Leben zwischendurch. Ich hab sieben Jahre praktisch keine Freizeit gehabt. Das Röhrl war ein Job für sieben Tage die Woche. Natürlich hat es Spaß gemacht, aber auf Dauer wurde mir das zu blöde."

"Ein Platz zum Philosophieren"

Neues Lokal, neues Publikum - auch das kommt Wolfgang Knorr nach eigener Aussage sehr gelegen: "Interessanterweise haben wir auch sehr viele sehr junge Gäste. Denen hat offenbar so eine Kneipe mit schlicht gediegener Atmosphäre gefehlt." So viel los wie früher sei in Straubing nicht mehr, das spüre auch er: "Wenn ich zu meinen Kindern heute sage, ‚ich bin damals von Sonntag bis Sonntag ausgegangen', dann sagen die ‚Papa, wir wüssten gar nicht, wo wir hingehen sollten'. Das ist natürlich schon ein Problem in Straubing, dass die Restaurantdichte zwar ziemlich hoch ist, aber es praktisch keine klassischen Kneipen gibt, in die man auf ein, zwei Gläser Wein geht und danach in die Diskothek - oder halt heim."

Das soll mit dem Klarl jetzt anders werden. "Es soll halt einfach ein Treffpunkt sein - zum Ratschen, Philosophieren… und natürlich zum Wein trinken." Und Wein gibt es im Klarl für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel: "Wir haben zum Beispiel gute Österreicher da, das Glas für 3 Euro 80. Unten im Keller haben wir natürlich auch ein paar ganz besondere Flaschen, die dann dementsprechend mehr kosten." Über die obere Preisgrenze schweigt der Gentleman.

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