Straubing Der Vogelmayer im Interview zum 15-jährigen Bühnenjubiläum

 Foto: Vogelmayer

Mitte 2000 fing Thomas Mayer aus Mitterfels an, Lieder zu schreiben und aufzutreten. Als Vogelmayer hat er seitdem fast 1.000 Auftritte absolviert und feiert dieses Jahr sein 15-jähriges Bühnenjubiläum. Im Interview erzählt Vogelmayer von seinen Anfängen als zorniger, junger Musiker, seine Entwicklung und wie er sich seine Zukunft vorstellt.

Servus Vogelmayer! Du bist bayerischer Liedermacher. Wo ist es am schönsten in Bayern?

Vogelmayer: Natürlich kann es in Bayern überall schön sein. Aber mein Herz schlägt für Niederbayern, da komme ich her und da lebe ich am liebsten. Und ich weiß, wie die Leute ticken.

Wie ist denn ein typischer Niederbayer?

Das ist ein weit gefasster Begriff, der Landshuter ist natürlich anders als der Passauer. Aber auch der gesamte Bayerische Wald gehört zu Niederbayern und hier ist der Humor etwas stabiler als etwa in manchen Teilen Oberbayerns. Es ist einfach ein gemütlicher Menschenschlag, aber man muss auch wissen, wie die Leute so drauf sind, damit man sie einschätzen kann. "Hod scho passt" ist dann das größte Lob.

Wo warst und bist du unterwegs?

Ich war schon in Hessen, in Baden-Württemberg, in Österreich - also alles um Bayern herum. Aber 90 Prozent der Auftritte finden hier statt. Im September werde ich wohl meinen 1.000. Auftritt haben. In Bayern funktioniert das am besten. Ich habe schon Auftritte in Norddeutschland abgelehnt, weil ich nicht so weit fahren wollte, und die Leute würden meinen Humor sowieso nicht verstehen.

Du feierst gerade dein 15-jähriges Bühnenjubiläum. Warum hast du mit dem Liedermachen angefangen?

Zu Beginn war es die klassische Liedermacher-Motivation: In meinen ersten Liedern wollte ich die Missstände auf der Welt, Krieg und Leid anprangern. Die Lieder waren überhaupt nicht lustig, sondern nur kritisch, wie man es klassisch von Liedermachern kennt. Anfangs habe ich auch nur so fünf bis zehn Auftritte im Jahr gemacht. Im Lauf der Jahre hat sich das immer mehr zum Musikkabarett hin entwickelt, das einfach lustig ist, aber mit Anspruch kritisch auf die Welt blickt. Man kann sagen, man passt sich der Nachfrage an, ohne aber seinen individuellen Charakter zu verlieren. Man muss trotzdem kritisch bleiben und den Leuten zwischen die Füße hauen. Deswegen funktioniert der Mario Barth in Niederbayern nicht. Es darf nicht zu blöd sein.

Es kommt also auf das jeweilige Publikum an?

Natürlich! Man muss auf der Bühne spüren, was die Leute wollen, ob an einem Abend zehn derbe Sprüche nötig sind oder ob fünf reichen. In einem Kulturhaus in München vielleicht auch nur zwei… und man macht dann etwas Gehaltvolleres. Die Mischung muss stimmen, es soll abwechslungsreich sein.

Und wie bereitest du dich auf deine Auftritte vor?

Ich habe meine Bausteine, aus denen ich mein Programm zusammensetze, Songs, Ansagen, Geschichten. Es ist dann meine Aufgabe, die so abzustimmen, dass ich das jeweilige Publikum mitnehme.

Hattest du schon immer ein Talent dafür, die Leute zu unterhalten?

Ich habe es nie als ein Muss empfunden, auf der Bühne zu stehen. Als ich angefangen habe, wollte ich meine Sicht der Dinge kundtun. Sagen, was mir wichtig ist. Ich habe mir gedacht: 'Wenn's keiner sagt, dann sag ich es halt selbst.' So ist es heute immer noch.

Hast du Vorbilder?

Solche Leute wie Konstantin Wecker oder Hans Söllner habe ich mir natürlich oft angehört, sie sind aber für mich keine Vorbilder. Ich finde, sie haben sich nicht wirklich weiterentwickelt und reden immer noch von denselben Dingen wie vor 30 Jahren. In einer stetig wandelnden Welt im 21. Jahrhundert, ist das nicht mehr zeitgemäß. Die Dinge sind komplexer geworden. Ich bin auch eher einer, der die internationalen Probleme mehr anprangert als die Innenpolitik. In Deutschland geht es uns recht gut vergleichsweise. Die amerikanische Außenpolitik oder der Hunger in Afrika sind da interessanter.

Das passt recht gut in unsere Zeit, in der die politischen Probleme international sind.

Wenn der ehemalige iranische Präsident Ahmadinedschad das eigene Volk einsperrt, kümmert mich das mehr, als wenn ein Verteidigungsminister seine Doktorarbeit abgeschrieben hat. Auch wenn es die Leute hier weniger interessiert, aber so unendlich weit weg ist das nicht. Die Welt wird durch die Globalisierung kleiner.

Oft wirken sich internationale Probleme vor Ort aus. Man nehme nur die Diskussion um Flüchtlinge.

Früher hat man als Liedermacher gesagt: ‚Scheiß NPD' und jedem hat das getaugt. Aber seit ein paar Jahren ist es schwierig, ‚scheiß AfD' zu sagen, weil vielleicht jeder Sechste im Publikum sie wählt. Aber die Leute sind oft keine Rechtsradikalen, sondern sie haben Angst, sie haben keinen so weiten Horizont oder sind Protestwähler. Die Probleme sind ambivalent. Ich möchte die Leute ermutigen, transparent darüber nachzudenken und sich verschiedene Meinungen zu holen. Das Menschliche sollte aber immer im Vordergrund stehen.

Keine leichte Aufgabe für einen Liedermacher.

Man soll schon noch seinen eigenen Standpunkt darlegen, aber man kann die Leute heute nicht mehr belehren. Die haben ihre Meinung und man kann sie nur ermutigen, nachzudenken und die eigene Meinung zu hinterfragen. Gehe ich her und sage: ‚Du bist ein Idiot und deine Meinung ist verkehrt', dann hört mir keiner mehr zu. Das funktioniert nicht mehr.

Dein neues Buch heißt "Gaudi zum Beruf machen" - gibt es ein Geheimrezept zum Gaudimachen?

Nein, man muss schon der richtige Typ und ein kommunikativer Mensch sein, der die Leute gerne unterhält. Aber eigentlich bin ich ein Laie, habe keine Bühnen- oder Musikerausbildung. Ich hau' einfach drauf und geh' mit vollem Einsatz auf die Bühne. Ich will sympathisch rüberkommen. Die Leute sollen gern zu mir gehen. Aber das ist alles Erfahrung. Wenn ich mir Aufzeichnungen von meinen ersten Auftritten anschaue, frage ich mich: Wieso sind die zu mir gekommen? Furchtbar.

Bald organisierst du auf dem Volksfest wieder die Wahl zur "Goaßmaßkönigin" - ist das Ernst oder eine Spinnerei?

Beides - eine ernsthafte Gaudi (lacht). Ich sehe das ein wenig als Kritik am Wahnsinn der Misswahlen. Es stehen nur mehr Püppchen auf der Bühne. Ich glaube, es bereichert das Volksfest um eine weitere Facette, auch wenn manche das nicht nachvollziehen können.

Wie geht es mit Vogelmayer in Zukunft weiter?

Jetzt spiele ich noch meine Jubiläumstour fertig, danach geht es weiter mit einer neuen Tour. Im Herbst nehme ich ein Live-Album auf und nächstes Jahr steht die "Gauditour 2020" an. Nebenher gebe ich noch Vhs-Kurse zur bairischen Sprache. Mir macht es Spaß - es darf gerne noch so weitergehen!

Vielen Dank für das Gespräch!

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