Straubing Jazz-Trompeter Bastien Rieser im Interview

Bastien Rieser spielt seit er 13 Jahre alt ist Trompete. Heute gehört er zu den Profis. Foto: Armin Weigel

Das Leben von Bastien Rieser dreht sich um Jazz und seine Trompete. Der 24-jährige Straubinger komponiert, produziert und hat in den USA studiert, wo er Stars wie Justin Timberlake begegnet ist. Wie es dazu gekommen ist und wo sein Weg hingehen soll.

Bastien Rieser über sich und seine Trompete ...

Wann hast du angefangen, Trompete zu spielen?

Bastien Rieser: Ich habe vorher Klavier gespielt. Mit Trompete angefangen habe ich relativ spät, etwa mit 13,14 Jahren. Da war ich schon auf dem Anton-Bruckner-Gymnasium. Mein Lehrer Norbert Ziegler hat einen Trompeter für seine Big Band gesucht. Er meinte zu mir: „Bei dir sieht man schon an den Lippen, dass du ein Trompeter bist.“

Wie war dann das „erste Mal“?

Bastien Rieser: Es war ein bisschen so wie bei Harry Potter, als er den richtigen Zauberstab fand. Als ich die Trompete in den Händen hielt, wusste ich: „Das ist es!“ Irgendwie sind da die Funken geflogen. Ich habe ihr dann auch gleich die ersten Töne entlocken können.

Was bedeutet dir deine Trompete?

Bastien Rieser: Durch die Trompete kann ich meine Seele sprechen lassen. Ich kann zeigen, wie ich mich fühle. Es ist die Möglichkeit, eine Geschichte zu erzählen – ohne Worte und auf eine sehr emotionale Art und Weise. Ich identifiziere mich komplett mit der Trompete. Wenn ich auf ihr spiele, kann ich den Augenblick am intensivsten wahrnehmen. Die Zeit steht still. Ich tauche in eine andere Welt ein und vergesse alles um mich herum.

Du hast viele Preise gewonnen. Welcher war der wichtigste für dich?

Bastien Rieser: Der Kulturförderpreis der Stadt Straubing. Es ist schön, wenn einen die Stadt nicht vergisst, in der man aufgewachsen ist und es ist toll, dass es diesen Preis gibt. Ich liebe Straubing und komme immer wieder gerne her.

Dein tollstes Erlebnis, das du ohne Trompete nie gehabt hättest?

Bastien Rieser: Es ist schwer, ein Erlebnis herauszugreifen, schließlich geht es hier schon fast um mein halbes Leben, das ich ohne die Trompete nicht gehabt hätte. Musik ist schließlich mein Leben. Aber ich würde sagen, meine Zeit in den USA.

 

Bastien Rieser über Straubing und den Jazz ...

Du bist im Jazz zu Hause. Wie sieht es da in Straubing deiner Meinung nach aus? Vor allem bei jungen Leuten?

Bastien Rieser: Was den Jazz betrifft, bin ich mir sicher: Das Publikum ist da. Da ist das Bruckner mit seiner Big Band, da sind die Sessions und Konzerte im Raven von Fred Dick, zu denen durchaus auch junges Publikum kommt. Man müsste vielleicht noch mehr werben, auf jugendgerechte Art und Weise. Jazz an sich ist grundsätzlich generationsübergreifend, finde ich, sowohl was die Musiker als auch die Zuhörer betrifft. Das ist das Spannende an der Musik.

Und allgemein? Wo ordnest du den Jazz ein?

Bastien Rieser: Jazz ist die Grundlage der Popularmusik. Jeder gute Musiker heutzutage sollte das wissen. Dass Justin Timberlake im vergangenen Jahr einen Ehrendoktortitel am Berklee College bekommen hat oder John Legend in diesem Schuljahr ein Video mit Studenten aufgenommen hat, zeigt das, finde ich. Leider ist der Jazz in der deutschen Gesellschaft nicht so angekommen wie in den USA. Dort ist Jazz cool und angesagt. Das habe ich in Boston immer wieder erlebt.

Was würdest du tun?

Bastien Rieser: Wenn ich jetzt auf Straubing schaue? Noch mehr Jazz-Konzerte anbieten, nicht nur einmal im Jahr beim Jazz-Festival. Und lokale Jazz-Talente fördern. Das ist wichtig. Leider fehlt da der Verein der Jazzfreunde. Auf eigene Faust ein Konzert zu organisieren, ist schwierig. Da hängt sehr viel dran. Ich möchte auf keinen Fall anmaßend klingen, aber wenn ich herkomme, habe ich eben oft das Gefühl, dass im Jazz noch viel mehr passieren könnte. Vielleicht die Straubinger Schüler und Studenten besser einbinden, eine Kooperation mit der Musikhochschule eingehen, mehr Zusammenarbeit der Kulturschaffenden generell, die sozialen Medien besser nutzen und und und …

 

Wir haben eine neue Videoreihe auf YouTube: die Freistunde-Show. In dem Late-Night-Format sprechen wir mit außergewöhnlichen jungen Menschen. Folge eins mit Jazz-Trompeter Bastien Rieser ist jetzt online. Schau rein! Die Freistunde-Show wird vom Bundesprogramm „Demokratie leben – Wir sind Straubing“ unterstützt.

 

Bastien Rieser über seine Zeit in den USA ...

Du hast ein Stipendium am Berklee College of Music in Boston erhalten. Wie ist es dazu gekommen?

Bastien Rieser: Eine Delegation der Uni fliegt jedes Jahr weltweit zu Vorspiel-Terminen. Auch nach München. Ich hatte gerade meinen Abschluss an der Musikhochschule gemacht. Mein Mentor Camilo Dornier, der selbst am Berklee war, hat mir den Tipp gegeben.

Dann hast du es tatsächlich geschafft. Stolz, oder?

Bastien Rieser: Oh ja. Das Ganze ist sehr prestigeträchtig. Es gibt über 4 000 Bewerber pro Semester. Nur ein Student aus Europa, einer aus Asien und fünf aus den USA erhalten das „Presidential Scholarship“. Die Gebühren würden sich auf 60 000 Dollar pro Jahr belaufen. Ohne das Stipendium hätte ich mir das nie leisten können. Ich bin auch mega-stolz, dass ich die Zeit in den USA durchgezogen habe und das Studium im August abschließen kann.

Was hast du alles erlebt?

Bastien Rieser: Unglaublich viel. Am Anfang bin ich gleich Grammy-Preisträger Gary Burton begegnet. Ich konnte mit dem Goethe-Institut in Boston arbeiten und die musikalische Umrahmung der Eröffnung übernehmen. Bei der war Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Gast. Im März habe ich mit Miguel Zenon im legendären Birdland in New York gespielt. Ein Traum für jeden Jazz-Musiker.

Die Kultur hat stark unter den Folgen der Corona-Pandemie gelitten …

Bastien Rieser: Es sind leider viele meiner Gigs abgesagt worden. Wir haben in Boston auch auf Balkonen gespielt, das ist aber nicht das Gleiche. Wenn man das, was man liebt, nämlich vor Publikum spielen, nicht mehr machen darf, gerät man leicht in eine Sinnkrise. Mein Appell an alle, die Musik lieben: Unterstützt die Künstler und geht zu Konzerten!

 

Bastien Rieser über Rom und die Zukunft ...

Wie geht es jetzt bei dir weiter?

Bastien Rieser: Im August geht’s mit meiner Freundin Elisa weiter nach Rom. Sie ist Halb-Italienerin, Halb-Amerikanerin. Wir haben uns in den USA kennengelernt. Wir wollten beide nach Europa und da sie eine Stelle bei den United Nations in Rom bekommen hat, komme ich dorthin mit.

Sprichst du italienisch?

Bastien Rieser: Ein wenig. Ich habe es mir selbst beigebracht. Seitdem ich drei bin, sind wir mit einer Familie in Italien befreundet. Da konnte ich immer üben. Gerade bin ich dabei, es aufzufrischen.

Was willst du in Rom machen?

Bastien Rieser: Erst einmal jobben, in der Gastronomie, und Unterricht geben. Ich habe Unis angeschrieben, ob ich vorspielen kann und ob sie nicht eine Assistenz-Stelle für mich hätten. Ich hoffe, dass ich schnell Anschluss finde zu anderen Musikern und Gigs spielen kann. Ich hab schon Leute aus Italien kontaktiert, die ich in Boston kennengelernt habe. Und ich habe vor, auf viele Sessions zu gehen, um Kontakte zu knüpfen.

Also liegt deine Zukunft auf jeden Fall in der Musik?

Bastien Rieser: Definitiv. Und ich bin gerade dabei, mir im Bereich Musik- und Kulturmanagement ein zweites Standbein aufzubauen. Ich habe einen Business-Plan für eine Organisation geschrieben, die sich für den internationalen Studenten-Austausch einsetzt. Darin ging es um den Austausch zwischen der Musikhochschule München und dem Berklee, finanziell unterstützt vom Goethe-Institut. Es gäbe so unglaublich viele Möglichkeiten der Förderung. Sich dafür einzusetzen, kann ich mir gut vorstellen.

Mehr über Bastien kannst du auf seiner Webseite bastienrieser.com oder auf Instagram @bastienrieser erfahren.

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