Straubing Chris.boom.official ist einer der größten Influencer aus der Region

Der Straubinger Christian Kubiciel ist mit 26000 Followern auf Instagram einer der erfolgreichsten Influencer der Region. Foto: chris.boom.official

Mit der Bachelorette war er auf dem Oktoberfest, ein ehemaliger "Berlin - Tag und Nacht"- Schauspieler teilt sein Bild und nennt ihn "Buddy". Der Straubinger Christian Kubiciel ist einer der größten Influencer der Region. Mit uns blickt der Lifestyle-Blogger hinter 641 Beiträge und 126.000 Follower seines Instagram-Accounts @chris.boom.official.

Chris hat geschafft, was bei vielen Jugendlichen auf der Wunschliste steht. "Ich könnte definitiv von Instagram leben", sagt er. Er tut das aber nicht, sondern arbeitet nach wie vor in seinem Beruf im Bereich Vorsorge und Versicherungen. Denn der 23-Jährige ist "ein totaler Sicherheitsmensch".

Sorgen um seine Influencer-Zukunft macht sich der Straubinger, der seit fünf Jahren in München lebt, aber nicht. Studien zufolge soll das Instagram-Marketing in Zukunft alles Bisherige übersteigen.

Werbeanfragen erreichen ihn täglich: "Die Unternehmen schreiben mich an, machen einen Vorschlag oder stellen ein Produkt vor." Die Produkte testet er vorab und schickt sie zurück, wenn sie ihm nicht zusagen. Er will hinter seinem Inhalt stehen. Werbung für einen gesunden Lebensstil würde er zum Beispiel nicht machen, denn "den leb i halt etz a ned". Viel lieber ist ihm da ein aktueller Kunde: McDonald's.

Bei Unternehmen wie McDonald's, Ice-Watch oder Schwarzkopf ist Chris mit seinem Profil @chris.boom.official begehrt. Durch seine Follower hat er eine Reichweite in einer Zielgruppe aufgebaut, die durch Fernsehwerbung oder gedruckte Anzeigen nicht mehr zu erreichen ist. So denken zumindest viele Unternehmen, mit denen er arbeitet.

Der nächste Schritt zu einer Kooperation: ein "Briefing" des Kunden. Darin: vorgegebene Hashtags - um die Posts zu verfolgen. "Bei größeren Kampagnen sehen die Unternehmen dadurch, ob alle Blogger gepostet haben und wie viel Reichweite die eigenen Hashtags generieren", erklärt Chris. Außerdem geben die Kunden vor, wann gepostet werden und was inhaltlich vorhanden sein soll. Dann einigt man sich auf den Preis. "Wenn alles passt, gestalte ich Bilder, Videos oder Gewinnspiele." Die Rechnung stellt Chris. "Mein eigenes Gewerbe habe ich angemeldet, als ich rund 15.000 Follower hatte."

Eines Tages ruft McDonald's bei Chris an, die Kooperation folgt

Zurück zu McDonald's. "Eines Tages kam ein Anruf von einem Münchner Leiter von McDonald's." Er habe sein Profil gesehen und wolle ihm eine Kooperation vorschlagen. "Schon als Kind durfte ich für eine gute Note hin und wieder zu McDonald's." Das Angebot passt zu dem 23-Jährigen. "Es macht richtig Spaß, auch wenn das Essen nicht das gesündeste ist."

Seinen Account hat Chris seit sechs Jahren. Vor vier Jahren möchte er sein Profil professioneller gestalten. Eine günstige Zeit, denn die App nutzen damals noch wenige. Er fängt an zu shooten, einmal in der Woche drei bis vier Outfits, um einen Vorrat an Bildern zu haben. Die ersten Bilder gestaltet er für das Münchner Modelabel @suckmyshirt. Seine erste Kooperationsanfrage kommt von @hafensaengerfashion bei etwa 4.000 Followern. Die "magische Grenze" waren 10.000 Follower. "Ab da war ich für Kunden interessant", blickt Chris zurück. Mittlerweile macht der 23-Jährige seine Fotos meist selbst, mit Stativ oder Selbstauslöser. Ab und zu auch mit Fotografen, hin und wieder müssen Freunde herhalten.

Chris will authentisch sein. Und seinen Followern Kraft geben. "Ich will Zielstrebigkeit vermitteln." Und zeigen, wie heimatverbunden er ist. Er steht hinter seiner Heimatliebe und unterstützt vor allem bayerische Labels gerne. Auch preislich kommt er kleineren bayerischen Labels entgegen. Denn Influencer-Marketing sei zwar preisgünstiger als konventionelle Werbekampagnen, koste aber trotzdem.

Reden wir über Zahlen. "Pro 1.000 Follower kann man fünf bis zehn Euro für eine Aktion verlangen. Und bei 100.000 Followern kommen schnell 1.000 Euro zusammen", erklärt Chris. Handelt es sich um größere oder langfristige Kooperationen, verdient man auch mal mehrere Tausend Euro. "Das zahlen die Unternehmen auch", sagt er.

Nebenbei läuft der Account nicht. Im Gegenteil: "Ich stehe in der Früh auf und habe mein Handy in der Hand. Als Erstes checke ich morgens meine Nachrichten und Kommentare." Auszeiten könne er sich zwar gönnen, aber "wenn ich drei oder vier Tage lang nichts mache, springen mir die Follower ab." Fehler dürfe er sich kaum erlauben. "Das Internet vergisst nichts."

Feiern und Alkohol? Kein Thema auf Instagram: "Es gibt Grenzen"

Um authentisch zu sein, gibt Chris viel preis. Das ist ihm bewusst. Trotzdem hat er Grenzen. Klare Grenzen zum Beispiel beim Thema Feiern und Alkohol. "Früher war mir das egal, aber mittlerweile bin ich für den ein oder anderen jungen Menschen ein Vorbild und laufe nicht mehr betrunken über den Stadtplatz und filme es." Wenn es vermeidbar ist, bleibt das Handy also aus. Auch Konflikte mit Freunden oder Familie würde Chris nicht posten.

Selbst wenn er sich nicht so bezeichnen will, ist Chris eine Person des öffentlichen Lebens. Und man kennt ihn. "Wenn ich in München über den Stachus laufe, kommt von dreimal zweimal jemand und will ein Foto machen." In Straubing sowieso. Hier ist er der Erste der Influencer-Rangreihe. "Auch in Ostbayern bin ich unter den bekanntesten", sagt er.

Seine größten Fans sind Mama und Oma. Letztere hat sich nur wegen ihres Enkels einen Instagram-Account eingerichtet. "Damit sie was mitbekommt von mir, hat sie gesagt", meint Chris und grinst. Im Freundeskreis sind die Reaktionen unterschiedlich. Einige, zum Beispiel sein bester Freund, wollen mit der Reichweite der 126.000 Follower nichts zu tun haben, unterstützen ihn aber, wenn er mal etwas für Instagram braucht. Andere wiederum wollen mit aufs Bild, um in der Social Media-Welt von Chris zu profitieren.

Chris weiß, dass er das lebt, was bei vielen Jugendlichen auf der Wunschliste steht. Und möchte all denen etwas mitgeben: "Wenn ich das geschafft habe, kann es jeder schaffen." Nur erzwingen könne man es nicht. "Ich wusste damals nicht mal, was ein Influencer ist. Influencer ist kein Traumberuf, sondern etwas, in das man auf verschiedenen Wegen reinwächst."

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