Straubing-Bogen St. Martinskirche in Münster erhält ein neues Kleid

Bei der ehemaligen Münsterer Pfarrkirche und heutigen Neben- und Friedhofskirche St. Martin erfolgt derzeit eine aufwendige Außenrenovierung durch die Gemeinde. Foto: Hans Agsteiner

Die ehemalige Pfarrkirche und heutige Neben- und Friedhofskirche St. Martin in der Ortschaft Münster, Gemeinde Steinach, steht derzeit im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Eine groß angelegte und kostspielige Außenrenovierung ist in vollem Gang.

Besucher des Kirchenareals hatten schon seit längerer Zeit bemerkt, dass der Zahn der Zeit erheblich an dem historischen und denkmalgeschützten Gebäude genagt hat und dieses einer dringenden Außenrenovierung bedürfe. Teile des Außenputzes sind heruntergefallen, die Dacheindeckung war schadhaft und undicht, Feuchtigkeit ist an den Außenmauern emporgekrochen. Die Gemeinde Steinach als Baulastträger hatte sich deshalb zu einer umfassenden Außenrenovierung einschließlich Dach und Dachstuhl entschlossen. Dabei wurden rings um die Kirche Drainagen erstellt, der Sockelputz fachgerecht abgedichtet und neu verputzt. Den Wandputz hat man bis zu einer Höhe von zwei Metern entfernt und neu verputzt. Die gesamte Außenputzfläche erhält einen historischen Oberputz und wird neu getüncht.

Bei der Dachkonstruktion sind beschädigte Fußpunkte sowie die Schallfenster im Turm zu erneuern. Auch die Turmtreppe muss ertüchtigt werden. Beim Dach erfolgt eine komplette Neueindeckung mit Erneuerung der Dachlatten. Die Kosten der Sanierungsmaßnahmen werden sich auf rund 320  000 Euro belaufen. Für diese Maßnahmen hatte die Gemeinde Zuwendungen aus Mitteln der Denkmalpflege beantragt, aber erfolglos. Wegen der im Dachraum und Turm beheimateten Fledermäuse dürfen die Arbeiten dort nur von Anfang Oktober bis Mitte April durchgeführt werden. Die umfassenden Renovierungsmaßnahmen mit neuen Erkenntnissen zur Bau- und Kunstgeschichte sind Grund genug, einen Blick in die interessante Geschichte dieses historischen Bauwerks und dessen Baulast zu werfen.

Eine Seltenheit: Münster, das Dorf mit zwei Kirchen

Landgemeinden haben in der Regel nur eine Kirche: die Pfarrkirche; das ist stets der Mittelpunkt einer Ortschaft. Anders ist es in Münster. Die Ortschaft Münster, einst eine selbstständige Gemeinde, seit 1978 Ortsteil der Gemeinde Steinach, besitzt gleich zwei Kirchen und stellt damit eine Seltenheit im Straubinger Raum, ja sogar in Niederbayern, dar. Der Grund hierfür ist folgender: In Münster, das früher „Pfaffmünster“ hieß, ist Anfang des 12. Jahrhunderts das Chorherrenstift St. Tiburtius entstanden, möglicherweise auf den Resten eines leider urkundlich nicht nachweisbaren Urklosters. Die zehn vornehmen, meist adeligen und studierten Chorherren errichteten für ihre liturgischen Zwecke die heute noch bestehende romanische Stiftskirche St. Tiburtius und für das Volk die Pfarrkirche St. Martin. Pfarrpatron von Münster ist noch heute der heilige Martin. Auch bei anderen Klöstern (Oberalteich, Windberg, Metten) war es üblich, neben der Klosterkirche eine Pfarr- oder Leutekirche zu errichten, die aber später als entbehrlich betrachtet und deshalb abgebrochen worden sind. Nicht so in Münster, wo sich die Bevölkerung energisch für den Erhalt der Sankt Martinskirche eingesetzt und dies bei den zuständigen Institutionen auch durchgesetzt hat. Doch die Gemeinde musste dafür die Baulast übernehmen.

Im November 1991 wurden im Kircheninneren archäologische Ausgrabungen durch den damaligen Kreisarchäologen Karl Böhm durchgeführt. Ihm war viel daran gelegen, Anhaltspunkte für die Existenz eines Ur- oder Donauklosters in Münster zu finden, denn bisher fehlen dazu entsprechende Urkunden oder archäologische Nachweise. Die Ausgrabungen brachten völlig neue Erkenntnisse zur Baugeschichte. Es kamen Fundamentmauerwerk und Estrich eines Vorgängerbaus zum Vorschein; die gefundenen Scherben waren etwa in das 10./11. Jahrhundert zu datieren. Es fehlte bei den Fundamenten des Vorgängerbaus aber an der für Kirchen üblichen Ost-West-Ausrichtung und auch die Raumaufteilung sprach gegen eine Vorgängerkirche. Im Rahmen der Ausgrabung fand man in der Schuttschicht drei Münzen, Haller Pfennige, geprägt unter Kaiser Karl IV. zwischen 1355 und 1378. So fällt die Bauzeit zumindest eines Teils der Kirche nach Böhm in die Gotik und nicht in die Romanik, was man bisher angenommen hat. Dazu würde auch der Kirchturm passen mit seinem gotischen Treppengiebeldach. Nachweise für die Existenz eines agilolfingischen Urklosters ergaben sich aus den Ausgrabungen aber nicht.

Die Martinskirche wird als Pfarrnebenkirche zu klein

Die Bevölkerung von Münster ist stetig gewachsen und die schon etwas baufällige Martinskirche ist für die genannten pfarrlichen Funktionen zu klein geworden. In einer Eingabe vom 20. August 1744 berichtet das Kurfürstliche Kollegiatstift SS Jakobus und Tiburtius in Straubing, zu welchem die Pfarrei Pfaffmünster nach der Stiftsverlegung gehörte, an den Bischof von Regensburg, es habe 1741 in der baufälligen alten Martinskirche zu Münster Reparaturen „an dem Dachstuhl, Tabulat und den Fenstern“ vornehmen lassen. Zugleich sei auf Ansuchen der Pfarrgemeinde „wegen des sehr engen Raums des spatii (lat. der Größe, Weite, Anm.d.Verf.) die ohnehin paufällige Giebelmauer abgetragen und umb 10 Schuech in der Länge (Anmerkung: = etwa drei Meter) erweitert, nicht weniger die zwey Seithen Maueren bei 4 Schuech erhöchert worden“. Wenn es noch durch die Hilfe „einiger Guethäter“ gelinge, neue Kirchenstühle und sonstige Einrichtungsgegenstände zu beschaffen, könne die Kirche „nicht unter die schlechtigste“ gerechnet werden. Diese Kirchenerweiterung nach Westen um zehn Schuh war bei der derzeitigen Außenrenovierung nach Abschlagen des Putzes bis zu zwei Metern Höhe deutlich am Ziegelmauerwerk zu erkennen.

Mehr dazu lesen Sie am Dienstag, 8. März, im Straubinger Tagblatt.

 
 

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