Straubing-Bogen Mit Fernglas und Kamera unterwegs im Donautal

Verena Rupprechts Stelle als LBV-Gebietsbetreuerin wurde neu geschaffen. Sie ist zuständig für die Wiesenbrüter im Donautal und sieht sich als Schnittstelle zwischen Arten- und Naturschutz und den Interessen des Menschen. Foto: Karolina & Jacek Glogosz

Bei uns in der Donauregion gibt es sie noch - seltene Wiesenvögel wie Kiebitz, Großer Brachvogel, Uferschnepfe, Braunkehlchen, Bekassine oder Wachtelkönig. Damit dies auch so bleibt und weil Artenschutz generell wichtig ist, gibt es jetzt mit Verena Rupprecht eine hauptamtliche Gebietsbetreuerin des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) für Wiesenbrüter im Donautal. Am Dienstag wurde sie im Landratsamt offiziell vorgestellt. Sie sieht sich als Vermittler zwischen Naturschutz und den Interessen der Menschen vor Ort. Im Interview mit Gäuboden aktuell erzählt sie mehr von ihrer Arbeit.

Hallo Frau Rupprecht! Schön, dass Sie für unsere Region zuständig sind und sich für den Artenschutz engagieren. Sie sind seit Juli 2018 Gebietsbetreuerin speziell für Wiesenbrüter im Donautal. Warum werden Sie erst jetzt offiziell vorgestellt?

Verena Rupprecht: Meine ersten Monate dienten der Einarbeitung. Mit 43.000 Hektar zwischen Regensburg und Deggendorf ist das Gebiet, für das ich zuständig bin, doch sehr groß. Die vergangene Zeit habe ich genutzt, das Gebiet zu erkunden und die vielen Akteure vor Ort kennenzulernen. Nur die wichtigsten, unsere Wiesenbrüter, habe ich noch nicht getroffen: Anders als wir, verbringen sie den Winter nicht im kalten Deutschland, sondern an der Südküste Spaniens, manche sogar in Südafrika, und dorthin brechen die meisten schon im Juli auf. Meine erste Wiesenbrütersaison beginnt mit ihrer Rückkehr im März.

Was haben Sie vor dieser Aufgabe gemacht?

Studiert habe ich Biologie und als Master Umweltplanung und Ingenieurökologie in Weihenstephan mit Schwerpunkt Naturschutz und Wildtiermanagement. Während des Studiums habe ich in Praktika im Nationalpark Berchtesgaden, bei Verbänden und verschiedenen Projekten praktische Erfahrung im Vogelschutz sammeln können. Über ein Besenderungsprojekt von Wildtieren bin ich schließlich zu den Wiesenbrütern und zum Landesbund für Vogelschutz, dem Träger dieser Gebietsbetreuerstelle, gekommen.

Ihr Beruf ist nicht alltäglich. Insgesamt gibt es 60 hauptamtliche Gebietsbetreuer in ganz Bayern. Warum haben Sie sich für diesen Beruf entschieden?

Mit Mitte 20 bin ich ja noch recht jung, doch auch mir wurden die Veränderungen in unserer Natur in dieser Zeit sehr bewusst. Noch eindrücklicher wird es dann, wenn man sich mit älteren Generationen unterhält, wie unsere Landschaft zu deren Jugendzeit ausgesehen hat und wie es dort noch auf jeder Wiese summte und brummte. Als Gebietsbetreuerin hat man nicht nur eine sehr attraktive Arbeitsstelle mit Abwechslung und der Möglichkeit viel unterwegs zu sein, sondern man kann vor Ort tatsächlich etwas bewegen und so aktiv einen Beitrag für die Natur und Biodiversität leisten.

Haben Sie sich denn schon als Kind für den Naturschutz interessiert?

Ja, ich war schon immer viel draußen unterwegs. Früher vor allem auf dem Pferderücken, heute mit Fernglas und Kamera. Da kommt man gar nicht umhin, sich für Arten- und Naturschutz zu interessieren.

Was sind denn künftig Ihre Aufgaben?

Ich bin Vermittlerin zwischen Landbesitzern und -nutzern, Behörden, Verbänden, Ehrenamtlern und den Leuten vor Ort. Es gilt Informationen, Anliegen und auch Sorgen weiterzugeben und einen gemeinsamen Weg im Sinne der Wiesenbrüter zu finden. So stehe ich Landwirten beratend zur Seite und helfe, Schutzprojekte zu entwickeln und begleite die Umsetzung vor Ort. Hinzu kommt das wissenschaftliche Monitoring der Arten und eine intensive Öffentlichkeitsarbeit für die Belange der Wiesenbrüter.

Wie sieht denn Ihr Arbeitsalltag aus?

Bisher war kein Tag wie der andere. Das hängt auch sehr von der Jahreszeit ab: Sind die Wiesenbrüter hier im Brutgebiet, bin ich künftig viel draußen unterwegs, um nach ihnen zu sehen. Später im Jahr steht dann vermehrt Öffentlichkeitsarbeit an und die Begleitung von landschaftspflegerischen Projekten.

Zu welcher Jahreszeit gibt es für Sie am meisten zu tun?

Definitiv zwischen Ende Februar und Juli. In dieser Zeit treffen Kiebitz und Großer Brachvogel bei uns ein, fangen an ihre Reviere zu suchen und umwerben ihre Partner. Spätestens wenn es dann an die Eiablage geht, müssen die ersten Absprachen und Maßnahmen getroffen werden. Und erst wenn die letzten von ihnen wieder in den Süden gezogen sind, wird es im August etwas ruhiger.

Sie kommen aus Neumarkt in der Oberpfalz. Was hat Sie nach Straubing verschlagen?

Schon im Studium habe ich mich ziemlich auf Wiesenbrüter spezialisiert. Da passt diese Stelle perfekt zu meinen Interessen.

Und was ist für Sie hier die größte Herausforderung?

Da meine Stelle neu geschaffen wurde und es zuvor niemanden gab, der hauptamtlich nur für Wiesenbrüter zuständig war, gilt es nun möglichst viele über diese neue Stelle zu informieren und mich als Ansprechpartner für sämtliche Akteure zu etablieren. Es wäre toll, wenn künftig jeder, der hier im Donautal mit Kiebitz und Großem Brachvogel etc. in Berührung kommt, im Kopf hat, dass man sich mit sämtlichen Fragen an mich wenden kann.

 
 

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