Straubing-Bogen Die Bäume haben Durst und Käfer

Buchdrucker und Kupferstecher haben Teile des Fichtenbestandes zerstört. Foto: Bayerische Forstverwaltung

"Es war für mich auch interessant, schon beängstigend, fast alarmierend zu sehen, dass in diesem Waldstückchen, das vor ein paar Jahren noch geschlossen war, große Partien durchlöchert sind", sagt Klaus Stögbauer, Bereichsleiter Forsten beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Straubing. Er steht neben dem Waldstück südlich von Mitterfels und zeigt auf die Lücken im Wald auf einem Luftbilde.

Sichtbare Schäden, die Käfer, Pilze, die warmen Temperaturen, der fehlende Regen, der Sturm und der Schneebruch im letzten Jahr mit sich gebracht haben. Doch unter dem Klimawandel leiden längst nicht mehr nur Fichten, Eichen und Co. Was Waldbesitzer schon seit Jahren spüren, bekommen nun auch Kinder mit.

"Eichen sind harmlos", sagt Stögbauer. "Aber jede Eiche in dieser Reihe hat den Eichenprozessionsspinner. Und das massiv." An Ästen und Baumstämmen hängen noch alte Gespinste: watteartige Gebilde, in denen die Kokons der bereits geschlüpften Schmetterlinge erkennbar sind.

Der Eichenprozessionsspinner liebt es warm und vermehrt sich jedes Jahr Zug um Zug. Mit fatalen Folgen für Eiche und Mensch. Die Eichen werden kahlgefressen bis sie tot sind, beim Menschen können ihre Brennhaare Hautausschläge, Husten oder einen allergischen Schock auslösen. Aus diesem Grund spielten beispielsweise die Kinder aus dem Waldkindergarten in Eben bei Degernbach in diesem Sommer für mehrere Wochen an der Donau bei Hermannsdorf statt im Wald.

Eine Mondlandschaft mitten im Wald

Stögbauer stapft durch die Eichenreihe. Dahinter ein bizarres Bild: links ein Drahtzaun, halbhohes Grün und ein paar dünne Birken, rechts jede Menge ebenso dünner Fichten, hageldicht gepflanzt. Dazwischen: Kahlschlag. Hunderte von Baumstümpfen ragen tot aus dem staubtrockenen Boden. Hier haben Borkenkäfer gewütet. Sie haben sich erfolgreich durch die Rinde gebohrt, und mit ihren Fraßgängen den Saftstrom der Bäume unterbrochen. Alle abgeholzt - 3.000 Festmeter. "So weit das Auge reicht, standen hier einmal Fichten; und die sind jetzt weg", sagt Stögbauer. Am Ende des Hanges stehen zwei Waldarbeiter. Die Kettensäge heult auf, eine weitere tote Fichte geht zu Boden.

Das kennt auch Thomas Reger aus Irrn bei Bogen: "I hob ma imma dacht, der Borkenkäfer, der betrifft mi ned. Oba des is a großes Thema heuer." Jede Woche ist er im Wald auf Borkenkäfersuche. Zehn Bäume haben die Käfer diesmal wieder gekapert.

Dabei hat Reger noch "Glück". Er ist nur ein kleiner Waldbesitzer, der seinen Wald selbst bewirtschaften kann. Für die Aufarbeitung ganzer Käfernester braucht es Waldarbeiter und/oder einer Harvester. Die schaffen zehn Festmeter in der Stunde, ein einzelner Waldbesitzer nur zwei, sagt Stögbauer.

Reger stinkt es ganz besonders, wenn andere Waldbesitzer ihre Käferbäume nicht sofort entfernen; läuft man doch Gefahr, dass sich die Viecher weiter verbreiten. Und man habe auch Verantwortung dem Nachbarn gegenüber. "Der Käfer kennt koa Grenz. Der fliegt einfach", sagt er.

"De Baam ham me greit! I hob mei Bauholz kafft"

Bis vor etwa fünf Jahren hat Reger in seinem Wald keine Bäume gefällt - außer sie standen zu nah aneinander und haben sich gegenseitig bedrängt. Auch für einen neuen Hackschnitzelschupfen musste keiner der teilweise über 100 Jahre alten Riesen weichen. "De Baam ham me greit", erzählt er. Stattdessen hat er sich das Bauholz für den Schupfen gekauft.

"Der Woid und de Baama ham mir immer a Freid gmocht. De letztn zwoa Jahr holt se de Freid oba in Grenzn", sagt er. Denn nicht nur die Borkenkäfer verderben Reger die Freude am Wald, sondern auch die inzwischen vermehrt auftretenden Stürme und Unwetter. Sie brechen ihm regelmäßig die Gipfel der oben aus dem Walddach schauenden Fichten ab.

Auch diese Bäume sind dann verloren, da sie zum einen weiteres Fraßmaterial für den Borkenkäfer liefern und zum anderen faulen und nicht weiterwachsen. Eine Geldanlage sei ein Wald schon lange nicht mehr. "Weil wenn der Sturm kimmd oder der Käfer, na is des Geld glei futsch."

Aus seinem dreiviertel Hektar großen Wald musste Reger mittlerweile knapp die Hälfte des Fichtenbestandes herausschneiden. Dadurch sei ihm der Wald "ziemlich instabil" geworden, wie er sagt. Früher hätten sich seine Bäume gegenseitig gestützt.

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