Karam trieb zwei Tage ohne Sprit vor Samos im Mittelmeer. Als einer Hilfe holen will und nicht zurückkommt, denkt der junge Syrer an den Tod. Am Freitag bekommt er sein Abi-Zeugnis.

Die Lichter der griechischen Insel haben die sieben im Boot schon aus der Ferne erkennen können, erzählt Karam. "Irgendwer kommt schon und holt uns", habe er gedacht. Aber niemand kam. Am zweiten Tag ohne Sprit im Mittelmeer, die Wellen mittlerweile harsch, die sieben aufgebrannt von der Sonne, habe sich einer geopfert. Der Mann, um die 50 Jahre alt, habe sich von seinen drei kleinen Kindern im Boot verabschiedet und sei losgeschwommen. Drei Stunden war er weg. Da habe er, erzählt Karam, das erste Mal in seinem Leben an den Tod gedacht. Der junge Syrer schlief ein, kaputt vom Seegang und der Sonne. Er erwachte, als ein großes Boot mit der Aufschrift "Police" auf sie zufuhr. Der Mann, losgeschwommen und von Fischern aufgelesen, wartete auf Samos auf sie und seine Kinder. Heute lebt er in Niederwinkling, erzählt Karam.