Straubing Anti-AfD-Brief: Jetzt reden die Wirtsleute vom „Löwen“

Der "Bayerische Löwe" am Ludwigsplatz und seine Betreiber fanden sich plötzlich inmitten einer politischen Auseinandersetzung wieder. Foto: Stefan Karl

Die halbe Stadt diskutiert zurzeit über einen Brief des „Jugendbündnis Straubing“. Adressiert war er an die Wirtsleute Petra Bittner und Julius Rajkai vom „Bayerischen Löwen“. Dem Bündnis passte es nicht, dass der Stammtisch der Straubinger AfD im „Löwen“ seine Zelte aufgeschlagen hatte und forderte den Rauswurf der Partei.

Mittlerweile sind die Wirtsleute der Forderung nachgekommen. Sie wollten aus der Schusslinie – zu groß war das Risiko, dass der „Löwe“, ihr gemeinsames Projekt, Schaden nehmen könnte. Dennoch verstehen Petra Bittner und Julius Rajkai die Welt nicht mehr. Im Interview mit idowa erzählen die beiden, wie sie die vergangenen Tage erlebt haben.

Sie sind beide „Gastwirte aus Leidenschaft“. Hätten Sie jemals gedacht, dass sie mit dieser Arbeit einmal direkt in eine politische Auseinandersetzung geraten?

Petra Bittner: Nein. „Politisch“ bewertet man als Gastwirt seine Gäste auch nicht. Wichtig ist, dass sie sich nicht danebenbenehmen und – natürlich – ihre Rechnung zahlen. Was sie für eine Gesinnung haben oder was für Interessen – das interessiert dich doch als Gastwirt nicht.

Was war die erste Reaktion, als dieser Brief ins Haus kam?

Bittner: Ich hab die Welt nicht mehr verstanden. Im ersten Moment wusste ich nicht mal, an wen ich mich damit wenden soll. Ich hab dann Kollegen, also andere Gastwirte, angerufen und ihnen den Brief gezeigt. Die haben sofort gesagt: „Du musst zur Polizei gehen.“

"Es waren schon alle möglichen Parteien da"

Wie war das dann bei der Polizei?

Bittner: Die waren zuerst sehr zurückhaltend und haben erst mal gezweifelt, ob der Brief wirklich als Drohung zu verstehen ist. Ich hab dann gesagt: Ich seh das als Bedrohung. Weil ich keine Aufmärsche vor meinem Wirtshaus brauchen kann. Irgendwann trauen sich die Gäste nicht mehr rein.

Auch in den Sozialen Medien wurde ziemlich Stimmung gemacht…

Bittner: ... es wurden auch glatte Lügen verbreitet. Da kamen Aussagen wie „die Salmonellen-Schleuder werden sie eh bald zumachen“. Die Leute wissen nicht, was sie damit anrichten. Viele von ihnen wissen auch nicht, was es heißt, einen solchen Betrieb zu führen, an dem 18 Arbeitsplätze dranhängen. Ich muss allerdings auch sagen, dass die Leute, die sowas gepostet haben, dann auch ziemlich viel Gegenwind bekommen haben. Also, die Leute haben uns schon verteidigt. Viele Leute haben auch angerufen und gesagt: „Macht’s Euch keine Sorgen, wir stehen voll hinter Euch.“ Allerdings sagt sich das so leicht. Für uns geht’s um unsere Existenz. Wir haben in das Lokal viel Geld investiert.

Julius Rajkai: … ich versteh auch nicht, warum Politik hier bei uns auf einmal eine Rolle spielen soll. Ich habe hier schon die CSU, FDP, SPD – eigentlich alle dagehabt. Außer der Linken, aber das hat auch keine politischen Gründe, dass die noch nicht da waren. Mich interessiert’s wirklich überhaupt nicht, was meine Gäste für Ansichten haben. Mich interessiert eher, ob ich meinen 18 Angestellten am Ende des Monats ihr Gehalt zahlen kann. Auch bei denen interessieren mich übrigens die politischen Ansichten nicht. In einer Demokratie sollte jeder seine Meinung haben dürfen.

Wie die Wirtin selbst auf den Brief reagieren wollte und was weiter passierte, lesen Sie im zweiten Teil des Interviews!

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