Hier rollt die Blechlawine Verkehrsinfarkt Straßkirchen - Ortsumgehung in Sicht?

Mehr als 13.000 Fahrzeuge schieben sich laut Erhebungen der Gemeinde jeden Tag durch Straßkirchen. Kommt die Gemeinde an der B8 der lang ersehnten Ortsumgehung nun endlich näher? Foto: Stefan Karl

Seit Jahren regen sich die Straßkirchner auf über die Verkehrslawine, die Tag für Tag mitten durch den Ort rollt. Mindestens ebenso lang kämpfen die politischen Vertreter der Gemeinde um eine Umgehungsstraße. Wie ist der derzeitige Stand?

Einerseits ist Wallersdorf nun zum Logistik-Knoten von BMW geworden. Nachdem im Regensburger Südzucker-Werk die Lichter ausgingen, dürfte andererseits ein großer Teil der Zuckerrübenlaster Plattling als neues Ziel haben – Fahrtroute B8 durch Straßkirchen. Die Verkehrszahlen sind laut Bürgermeister Christian Hirtreiter explodiert. Augenscheinlich ein Argument, das Projekt „Ortsumgehung“ nun endlich anzugehen. Hirtreiter ist zuversichtlich – auch wenn die Antworten des Ministeriums nicht gerade nach einem baldigen Baubeginn klingen.

„Hier geht‘s aber ganz schön zu“, ist regelmäßig von Besuchern der Gemeinde Straßkirchen zu hören – und gemeint sind in der Regel die zahllosen Lkw, die sich Stoßstange an Stoßstange durch den Ortskern schieben. Von über 9.000 Fahrzeugen pro Tag war die Rede bei einer Verkehrszählung im Jahr 2013. 2015 hat die Gemeinde selbst noch ein Gutachten in Auftrag gegeben, das auf 13.500 kommt – und zwischenzeitlich ist da auch noch ein neues Logistikzentrum von BMW in Wallersdorf eröffnet worden.

Abkürzung zur B8 hat sich rumgesprochen

Nicht erst seit der Einrichtung des großen Ersatzteilbahnhofs hat sich offenkundig unter Truckern die Strecke Wallersdorf – Altenbuch – Straßkirchen als Abkürzung zur B8 rumgesprochen. Auch zahlreiche Speditionen aus den Landkreisen Dingolfing-Landau und Landshut nutzen sie nach wie vor. Das Innenministerium schreibt dazu auf Anfrage von idowa: „Die Nutzung der Abkürzung über Straubing, Straßkirchen und Altenbuch war nie vorgesehen. Auf die Einhaltung dieses An- und Abfahrtskonzepts wurde immer wieder gedrängt, so dass davon auszugehen ist, dass das neue BMW-Logistikzentrum in Wallersdorf [...] keine Steigerung des Lkw-Anteils auf der B8 zur Folge hatte.“ Nie vorgesehen? Gedrängt? Ein Verbot ist das nicht.

Auch klingt es in der Antwort des Bayerischen Innenministeriums auf unsere Anfrage nicht, als ob Straßkirchen ein Fall mit akutem Handlungsbedarf sei. Dort heißt es: „Die […] offiziell ermittelten Zahlen im Bereich Straßkirchen liegen bei rund 8.000 Fahrzeugen pro Tag (der bayernweite Durchschnitt für Bundesstraßen beträgt knapp 10.000 Kfz/Tag).“ Im Zehnjahrestrend habe der Verkehr auch nicht merklich zugenommen. Allerdings: die Zahlen, die das Minsterium anführt, stammen aus dem Jahr 2015 – also aus der Zeit vor BMW in Wallersdorf und vor der Schließung des Regensburger Südzucker-Werks.

Wenig verwunderlich, dass der Straßkirchner Bürgermeister Christian Hirtreiter diese Zahlen nicht gelten lässt: „Erst Ende Januar ist die Zuckerrübenkampagne zu Ende gegangen. Seitdem schnaufen wir ein klein wenig durch. Der Schwerlastverkehr in der Summe ist das Problematische. Unsere Befürchtung ist, dass es jetzt aufgrund der geplanten Erweiterungen in Wallersdorf einen noch stärkeren Zuwachs an Verkehr gibt. Das ist wirklich nicht mehr hinnehmbar.“

Hinzu komme die Kartoffelernte und der Pendlerverkehr zum neuen Logistikzentrum - für den muss mittlerweile sogar auf dem Firmengelände in Wallersdorf der Parkplatz erweitert werden. Alles zusammen bedeutet: Verkehrsinfarkt nahezu das gesamte Jahr über: Die Kartoffelbauern fahren vermehrt von Juni bis Oktober zur Stärkefabrik nach Sünching - die Zuckerrübenbauern von Mitte September bis Mitte Januar.

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