Stimmen aus dem Gäuboden So organisieren sich Schulen, Apotheken und der Handel

Schutzvorrichtungen aus Plexiglas sollen dazu beitragen, dass beim Kontakt zwischen Kunden und Verkäufern keine Viren übertragen werden. Foto: Christoph Aschenbrenner

Ja, sie haben weiterhin geöffnet: Die Mitarbeiter in Apotheken, Supermärkten und Metzgereien leisten in diesen Tagen Großes. Sie sorgen dafür, dass wir auch im Katastrophenfall an Lebensmittel und Medizin kommen - in dem Bewusstsein, dass das Corona-Virus möglicherweise ganz nah ist.

Um Personal und Kunden gleichermaßen zu schützen, haben die Geschäfte inzwischen Maßnahmen ergriffen. Doch auch wenn Markierungen Abstand herstellen sollen, bleiben viele Kunden den Einrichtungen aus Vorsicht ganz fern oder trauen sich nur noch selten hinein. Jeder spürt die Auswirkungen auf seine Weise - davon betroffen ist auch der Schulunterricht, der nur mehr digital stattfindet. Gäuboden aktuell hat Stimmen aus dem Schul- und Geschäftsleben eingefangen.

Max Naber, Metzgerei und Catering-Service in Straubing 

"Das Corona-Virus hat erhebliche Auswirkungen auf unseren Betrieb. Ungefähr 50 Prozent unseres Umsatzes machen wir mit dem Catering. Das ist jetzt quasi auf null reduziert. Von dem anderen Teil, den wir im Laden umsetzen, fällt auch etwa die Hälfte weg. Damit bleiben uns nur etwas über 20 Prozent vom Gesamtumsatz übrig, wir haben enorme Einbußen. Mit der Metzgerei sind wir ein Nahversorger und müssen auf jeden Fall nicht zusperren. Wir dürften zwar länger aufhaben, aber was bringt uns das, wenn keiner kommt. Wir müssen auf Krisenmodus umschalten und Kosten und Personal zurückfahren, sonst werden wir das nicht überstehen. Die Leute werden lernen müssen, dass es jetzt nicht mehr alles gibt, weil man nicht alles bevorraten kann. Ich sage aber auch, dass andere Gewerbe noch mehr leiden werden. Es ist wichtig, die Straubinger dazu zu animieren, ihre Kaufentscheidungen zu überdenken. Unsere Einkäufe machen wir nur lokal, diese Einstellung verbreite ich unter dem Hashtag #regionalundloyal. Es wird der Tag kommen, an dem die hiesigen Einzelhändler und Gaststätten unterstützt werden müssen. Wir selbst versuchen, die sozialen Kontakte soweit wie möglich einzuschränken. Angst vor dem Virus habe ich nicht. Ich habe eher Bedenken, dass wir unsere Großeltern anstecken könnten."

Hans-Jürgen Honner, Geschäftsleitung Edeka Stadler und Honner 

"Die wenigsten Kunden wissen vermutlich, wie hoch die Hygiene im Lebensmittelhandel ist. Regelmäßiges Händewaschen und Desinfizieren sind Standard bei unseren Mitarbeitern. Das passiert nicht immer vor den Kunden, sondern im Vorbereitungsraum. Jetzt haben wir zusätzlich überall in unseren Filialen Plexiglasscheiben an den Kassen anbringen lassen. Wir bitten die Kunden darum, dass sie einen Abstand von 1,50 Meter aus eigenem Interesse, zum Schutz anderer Kunden und unserer Mitarbeiter einhalten. Zur besseren Orientierung haben wir Abstandsmarkierungen angebracht. Wir bitten unsere Kunden außerdem, wenn möglich, bargeldlos zu bezahlen. Darüber hinaus achten die Mitarbeiter darauf, dass nur zu zweit gearbeitet wird und das nicht länger als 15 Minuten. Hamsterkäufe, die auch bei uns stattgefunden haben, sind mittlerweile vorbei. Lediglich beim Toilettenpapier begrenzen wir derzeit den Kauf noch auf eine Packung pro Kunde. Daneben werden Mehl und Nudeln stark nachgefragt. Sollten Produkte ausverkauft sein, bekommen wir in der Regel am nächsten Tag Nachschub. Es gibt keinen Engpass. Der Durchschnittseinkauf ist höher geworden, die Kunden sollten aber nur für ihren Bedarf einkaufen. Es liegt an jedem Einzelnen, sich in der aktuellen Situation richtig zu verhalten. Die meisten unserer Kunden tun das vorbildlich. Manche bedanken sich auch bei unseren Mitarbeitern für ihren Einsatz. Darüber freuen wir uns natürlich sehr. Vielfach ist auch von Helden zu hören und zu lesen. Aber das wollen wir gar nicht sein. Wir wünschen uns, dass die Anerkennung für unsere Arbeit auch nach der Corona-Krise in der Gesellschaft anhält."

Tobias Schmid, Bären-Apotheke Straubing 

"Wir haben ganz normal geöffnet. Wenn wir länger öffnen würden, was erlaubt ist, hätten wir ein personelles Problem. Unser Geschäft ist groß genug, damit der Abstand eingehalten werden kann. Zudem haben wir Abstandssymbole aufgeklebt. Die Leute sind sehr diszipliniert und halten sich daran. Komplett verbarrikadiert haben wir uns aber nicht, weil wir ja Kontakt zu den Kunden herstellen müssen. Wir tragen im Team einen Mundschutz, wenn wir bei Besprechungen sehr nah zusammen sind. Bei der Beratung ist der Abstand durch den Tresen gewahrt. Desinfektionsmittel sind seit Mitte vergangener Woche wieder genügend da. Hamsterkäufe hätte es auch bei uns gegeben, das haben wir aber nicht zugelassen und es verweigert. Das ging so weit, dass sich manche Rezepte für etwas provisorisch besorgt haben, das vielleicht gegen das Virus helfen könnte. Teilweise gab es Unverständnis, aber da machen wir nicht mit, denn das Risiko ist größer als der Nutzen. Wir begrenzen die Stückzahlen nicht, sondern machen das von der individuellen Situation abhängig. Familieneinkäufer versorgen zum Beispiel auch andere mit. Paracetamolsaft gibt es in den meisten Apotheken nur noch als Reserven, da lassen wir keinen Hamsterkauf zu. Abgesehen davon gibt es keinen Mangel, auch wenn Handschuhe sehr gefragt sind. Die können wir teilweise in den Mengen nicht so schnell organisieren. Wir hätten auch gerne Schutzkittel und -kleidungen, aber die gibt es im Moment nicht. In dieser Situation sehe ich mich gefordert, denn das ist unsere Aufgabe. Dafür haben wir das gelernt, dafür machen wir das. Wir spielen das nicht runter, haben aber eine realistische Betrachtungsweise und sorgen dafür, dass die Patienten gut versorgt sind."

Klaus Wolf, Schulleiter Grund- und Mittelschule Schwarzach (digitale Schule)

"Wir haben verschiedene Systeme, die die Schüler versorgen. Die Jahrgangsstufen eins bis sechs nutzen ein offenes Cloudsystem, das per Link oder QR-Code erreichbar ist. Dort stellen Lehrer in Ordner Materialien ein. In den oberen Klassen nutzen wir unter anderem das bayerische System Mebis und eine eigene Schüler-Cloud, über die Aufgaben gestellt und eingesammelt werden. Um Kontakt zu halten und miteinander zu kommunizieren gibt es den Schülerchat, das Messengersystem von Schulmanager online oder es geht per E-Mail. Mit den hausinternen Cloudsystemen gab es bisher keine Probleme, nur bei Mebis anfangs. Bei uns sind das Sekretariat, der Rektor und Konrektor täglich da und außerdem auch zwei Lehrer für die Notbetreuung, die aber noch nicht in Anspruch genommen wurde. Der Großteil der Lehrer arbeitet von zuhause aus, von wo aus sie Zugriff auf alle Systeme haben. Deswegen ist es nicht erforderlich, dass sie in die Schule kommen. Von der siebten bis zur zehnten Klasse ist die Kontrolle sehr gut möglich, denn die Aufgaben in den Ordnern müssen fristgerecht erledigt werden. Etwas schwieriger ist es bis zur sechsten Jahrgangsstufe, da werden die Aufgaben bisher per Mail eingereicht oder von den Eltern bestätigt, was erledigt wurde. Wenn die Situation über Ostern hinausgehen sollte, haben wir uns bereits eine Alternative zurechtgelegt. Dann führen wir moderierten Unterricht ein. Ähnlich wie bei Skype soll es dann täglich bei zwei Stunden Face-to-Face die Möglichkeit geben, neue Inhalte zu transportieren und für Fragen direkt zur Verfügung zu stehen. Wir haben aber die Möglichkeit, einige Themenbereiche knapper zu halten. Das Übertrittszeugnis in abgespeckter Version gibt es eine Woche später, also am 11. Mai, der Weg dahin wird aber anders aussehen. Es werden nur noch drei Probearbeiten in den vierten Klassen geschrieben und man kann entscheiden, ob man die mitschreiben möchte und anschließend gewertet haben will. Man kann sich aber nicht mehr verschlechtern, sondern nur noch verbessern. Alle Noten, die bis zum 13. März erzielt wurden, zählen aber. Die Übertrittstermine verschieben sich etwas. Die Anmeldung für den Besuch einer Realschule oder eines Gymnasiums erfolgt im Zeitraum vom 18. bis 22. Mai. Der Probeunterricht an Realschulen und Gymnasien findet vom 26. bis 28. Mai statt. Das alles gilt nur, wenn der Unterricht am 20. April wieder beginnt."

Marita Fornoff, stellvertretende Schulleiterin Ursulinen-Gymnasium Straubing 

"Wir haben glücklicherweise eine sehr moderne Ausstattung an der Schule. Daher sind die Lehrer und Schülerinnen es gewohnt, mit digitalen Medien und dazugehörigen Unterrichtsformen zu arbeiten. Wir konnten gleich am ersten Tag auf online umstellen und haben sehr viel über E-Mails, das Elternportal und die Schul-Cloud geregelt. Die Lehrer halten auch Videokonferenzen. Die technische Voraussetzung war dafür schon gegeben und man musste sich nicht erst in das digitale Material einarbeiten, das ist unser Vorteil. Die Kommunikation zwischen den Lehrern und den Schülerinnen klappt ganz hervorragend. Die große Herausforderung ist jetzt die richtige Dosierung des Unterrichtsstoffes. Den Stoff selber zu erarbeiten kostet sehr viel Zeit. Die einen brauchen dafür weniger lang als die anderen, aber im Gespräch bei Videokonferenzen kann man das inzwischen recht gut lösen. Ein weiteres Problem war der strukturierte Tagesablauf. Die Schülerinnen haben sich selber organisieren müssen, gemeinsam mit den Eltern. Das klappt aber immer besser. Die Lehrer, die alle von daheim arbeiten, schreiben dann beispielsweise, dass eine Aufgabe bis Dienstag in der zweiten Stunde erledigt sein muss. Das Material wird bis dahin zurückgeschickt, korrigiert und wieder an die Schülerinnen gegeben. Natürlich können die Lehrer nicht den ganzen Tag online sein, denn auch sie brauchen Zeit zum Erholen. Es ist für uns alle eine ungewohnte Situation und eine große Herausforderung, sowohl für die Eltern, die Schülerinnen und die Lehrer. Aber wir müssen das miteinander meistern."

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