Steigende Fallzahlen Prag rechnet mit deutscher Reisewarnung für ganz Tschechien

Zwei tschechische Polizisten kurz nach der Grenzbrücke in Folmava. Tschechien treibt die Sorge um, von Deutschland als Risikogebiet eingestuft zu werden. (Archivbild) Foto: Th. Linsmeier

Einen zweiten Lockdown will man in Tschechien um jeden Preis vermeiden. Doch die Corona-Infektionen nehmen weiter zu. Prag erwartet, dass Deutschland seine Reisewarnung auf das ganze Land ausdehnt und sucht nach einer Pendlerlösung.

Die Regierung in Prag rechnet damit, dass Deutschland in Kürze ganz Tschechien zum Corona-Risikogebiet erklären dürfte. Angesichts des Anstiegs neuer Fälle müsse man davon ausgehen, dass diese Entscheidung bereits an diesem Mittwoch fallen könnte, sagte Tschechiens Außenminister Tomas Petricek nach Angaben der Agentur CTK am Dienstag. Die Zahl der Fälle sei, bezogen auf die Einwohnerzahl, in Tschechien "deutlich höher" als in Deutschland.

Petricek sprach nach eigenen Angaben am Rande von EU-Beratungen in Brüssel mit seinem deutschen Amtskollegen Heiko Maas über das Thema. "Für uns wird es vor allem wichtig sein, dass diese Entscheidung keine negativen Auswirkungen hat auf Grenzpendler, auf Menschen, die zum Studium oder zur Arbeit nach Deutschland fahren", betonte der Sozialdemokrat. Nach Schätzungen sind mehr als 37.000 tschechische Grenzgänger in Deutschland beschäftigt, vor allem im Gesundheitswesen und in der Gastronomie.

Sorge um Pendler

Laut der EU-Behörde ECDC liegt die Anzahl der neuen Fälle in den vergangenen 14 Tagen, auf 100.000 Einwohner gerechnet, in Tschechien bei 207. In Deutschland liegt der Wert nur bei 26,3. Die Bundesregierung hatte vor kurzem bereits Prag und die angrenzende Mittelböhmische Region zum Risikogebiet erklärt und eine Reisewarnung ausgesprochen.

Wer aus einem Risikogebiet nach Deutschland einreist, muss einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist, oder sich nach Ankunft innerhalb von 72 Stunden auf eine Corona-Infektion testen lassen. Bis zum Vorliegen eines negativen Testergebnisses besteht die Pflicht zur Quarantäne.

Auf Tschechiens regionaler "Corona-Ampel" gilt derzeit für 28 Bezirke die Warnstufe Gelb, darunter auch den westlichen Verwaltungsbezirk Eger (Cheb). Gelb bedeutet eine "beginnende Übertragung innerhalb der Gemeinschaft". Die höchste Warnstufe Rot wurde bisher nur für die Hauptstadt Prag ausgerufen. Dort gibt es demnach einen "anhaltenden steigenden Trend" bei den Infektionszahlen.

Kein zweiter Lockdown geplant

Obwohl die Corona-Fälle in Tschechien deutlich zunehmen, schließt die Regierung einen zweiten Lockdown wie im Frühjahr aus. "Wir wollen keine Maßnahmen treffen, die die Wirtschaft behindern", sagte der neue Gesundheitsminister Roman Prymula am Dienstag bei seiner Amtseinführung in Prag. Der Epidemiologe hält es aber für möglich, dass Schulen geschlossen oder Veranstaltungen weiter eingeschränkt werden.

Prymula appellierte an seine Landsleute, die Pflicht zum Tragen einer Maske einzuhalten. Der Mitte Mai ausgelaufene Ausnahmezustand werde noch nicht wieder ausgerufen. Zugleich warnte er: "Die Situation kann sich im Horizont von ein bis zwei Wochen ändern." Am Montag wurden 1476 neue Corona-Fälle verzeichnet, wie die Behörden am Dienstag mitteilte. Die Zahl der aktiv Infizierten liegt bei knapp 25 000. In Tschechien starben 522 Menschen seit Beginn der Pandemie.

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