Statistik zu "Nesthockern" Mit 25 noch im "Hotel Mama"? Gar nicht selten!

Besonders junge Männer bleiben gerne möglichst lange im "Hotel Mama". (Symbolbild) Foto: Silvia Marks/dpa

Schweden suchen sich schon vor dem 18. Geburtstag eine eigene Wohnung, Kroaten wohnen bis 32 bei den Eltern. Die Bayern liegen im Mittelfeld. Auffällig ist, wie unterschiedlich Männer und Frauen sind, wenn es um das Streben nach Selbstständigkeit geht.

Daheim ist es immer noch am schönsten. Das denken sich nicht wenig junge Erwachsene. Mehr als jeder vierte in Deutschland lebt auch noch mit 25 Jahren bei seinen Eltern. Das geht aus einer Statistik hervor, die das Statistische Bundesamt (Destatis) am Mittwoch veröffentlicht hat. Demnach wohnten im vergangenen Jahr 28 Prozent aller 25-Jährigen noch zuhause. Vor allem Söhne haben es mit dem Auszug offenbar nicht eilig: Bei ihnen waren es sogar 34 Prozent, die noch im Elternhaus leben. Bei den Töchtern waren es mit 21 Prozent deutlich weniger. Dieser Unterschied lässt sich auch im höheren Alter beobachten. Mit 30 Jahren wohnten immerhin noch 13 Prozent aller Männer bei ihren Eltern, aber nur fünf Prozent aller Frauen.

Der Jugendforscher Klaus Hurrelmann sieht darin einen Beleg, "dass die Emanzipation der Männer ins Stocken geraten ist". Auch Untersuchungen wie die Shell Jugendstudie belegten diesen Trend, sagte er der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Um das 20. Lebensjahr herum geht die Schere auseinander."

Vor allem Männer genießen das "Hotel Mama"

"Die jungen Frauen erzielen die besseren Bildungsergebnisse. Sie sind agiler im Umgang mit ihren Lebensherausforderungen. Sie sind selbstständiger und selbstbewusster und wollen sich deswegen früher von ihren Eltern lösen", sagt Hurrelmann. Bei jungen Männer sei eher der gegenteilige Trend zu beobachten: "Sie genießen das Hotel Mama so lange sie können. Das ist angenehm, das ist bequem. Sie wollen in Deckung bleiben, so lange es geht." Dass Männer so spät von zu Hause ausziehen, ist für Hurrelmann "auch ein Zeichen von Irritation, dass Frauen so stark sind".

Dieser deutliche Unterschied zwischen den Geschlechtern ist laut destatis aber kein typisch deutsches Phänomen: Auch in allen anderen EU-Staaten zogen Frauen tendenziell früher als Männer aus ihrem Elternhaus aus. Die einzige Ausnahme bildet Luxemburg – hier ist es genau anders herum.

Wann Kinder ausziehen, ist in Europa dagegen sehr unterschiedlich: Besonders früh werden Skandinavier flügge. Mit 17,8 Jahren hatte Schweden 2019 das niedrigste Auszugsalter. Auch in Dänemark (21,1 Jahre) und Finnland (21,8 Jahre) verlassen Kinder das Elternhaus vergleichsweise früh. Anders in den süd- und osteuropäischen Ländern: Am spätesten zogen Kinder mit 31,8 Jahren in Kroatien aus. Danach folgen Slowakei (30,9), Italien (30,1) und Bulgarien (30,0). Deutschland liegt hier mit 23,7 Jahren etwas unter dem EU-Durchschnitt.

Wer auf dem Land lebt, wohnt länger daheim

Auch innerhalb der Bundesrepublik gibt es deutliche Unterschiede: So wohnt in Niedersachsen und Brandenburg sogar fast jeder zweite 25-Jährige (47 Prozent) noch bei seinen Eltern. In Bayern war es immerhin jeder Dritte (33,4 Prozent). Auch im Freistaat lässt sich ein großer Unterschied zwischen den Geschlechtern beobachten: Während 38 Prozent aller Männer mit 25 noch im "Hotel Mama" wohnten, waren es bei den Frauen im gleichen Alter nur 27,6 Prozent. Und noch etwas fällt auf: "In den ländlichen Gebieten ist der Anteil der 20- bis 25-Jährigen, die noch bei den Eltern leben, deutlich höher als in den Städten", berichtet das Bundesamt.

Hurrelmann findet das "überraschend": Zu erwarten wäre, dass hohe Mieten und ein angespannter Wohnungsmarkt Jugendliche in der Stadt dazu bewegen, zu Hause wohnen zu bleiben. Die Forschung habe keine Befunde dazu, sagt Hurrelmann. Eine mögliche Erklärung sei, "dass Bindungen und Gewohnheiten eventuell auf dem Land stärker sind".

Neu ist das Thema nicht: In Frankreich – wo Kinder im Schnitt mit 23,7 Jahren ausziehen – wurde 2001 "Tanguy - der Nesthocker" zum Kassenschlager. Ein Elternpaar versucht darin mit allen möglichen, oft fiesen Mitteln, ihren Sohn aus der Wohnung zu vergraulen. Die Familienkomödie trifft wohl einen Nerv in unserer Zeit – nicht nur in Frankreich, sondern auch in Bayern.

 
 
 

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