Standpunkte Die Pros und Kontras einer Fußball-WM in Katar

Der Bayern-Präsident Herbert Hainer (l.) und der Grünen-Politiker Toni Schuberl vertreten beim Thema Katar recht unterschiedliche Standpunkte. Foto: Sven Hoppe/Tobias Hase/dpa, Collage: idowa

Kaum eine Weltmeisterschaft hat je so polarisiert wie die WM in Katar. Während der Weltverband FIFA für das Land als Austragungsort wirbt, schlagen Menschenrechtsorganisationen Alarm. Der FC-Bayern-Präsident Herbert Hainer und der Grünen-Landtagsabgeordnete Toni Schuberl nehmen dazu Stellung.

„Rund 80 Prozent der Einwohner sind Ausländer. Entsprechend gut ist das Land auf den Besuch von Fans aus aller Welt vorbereitet“, so die FIFA auf ihrer Website. „Katar hat in den vergangenen Jahren einige der umweltfreundlichsten, modernsten und architektonisch bemerkenswertesten Sportstätten errichtet, die die Welt je gesehen hat. Dies alles wird zu erleben sein, wenn eine der größten Sportveranstaltungen der Welt erstmals im Nahen Osten stattfindet.“

Markus N. Beeko, Generalsekretär von Amnesty International zeichnete auf der DFB-Konferenz "Menschenrechte: Vor, während und nach der WM in Katar" am 19. September ein ganz anderes Bild: „Die strukturellen Verletzungen der Rechte von Frauen, LGBTQI und Arbeitsmigrant*innen waren bei der WM-Vergabe an Katar durch die FIFA hinlänglich bekannt. Es war kein Geheimnis, dass in Katar die Meinungs- und Versammlungsfreiheit eingeschränkt ist; kein Geheimnis, dass man nicht lieben darf, wen man will; das Frauenrechte durch Vormundschaft eingeschränkt werden und das ausländische Arbeitnehmer*innen das Recht Gewerkschaften zu gründen, verwehrt wird; und auch, dass das Recht selbstbestimmt das Land zu verlassen und ins eigene zurück zu kehren für Hunderttausende von Arbeitsmigrant*innen nicht selbstverständlich war“, so Beeko in seiner Rede. „Dennoch wurde die WM-Vergabe an Katar an keinerlei Bedingungen zum Schutz der Menschenrechte geknüpft.“

Zwei völlig unterschiedliche Sichtweisen des gleichen Events. Die WM polarisiert. Auch in Bayern gibt es sowohl prominente Befürworter als auch Kritiker. Wir lassen zwei davon zu Wort kommen.

Für eine Fußball-WM in Katar: FC Bayern München Präsident Herbert Hainer

Sowohl in der Jahreshauptversammlung, als auch danach in verschiedenen Dialogformen, hat der FC Bayern zur Thematik „Weltmeisterschaft in Katar“ mit Fans sowie Vertretern von Politik und Menschenrechtsorganisationen diskutiert. Präsident Herbert Hainer hat uns seinen Standpunkt dazu im Interview verraten:

„Ich persönlich bin der Meinung, dass nur durch Dialog und durch Gesprächsbereitschaft Dinge auch verändert werden. Und es wurde auch allgemein bestätigt, dass sich Katar nach vorne bewegt. Schneller als alle anderen Staaten in den Emiraten. Geht es so schnell wie wir das gerne hätten? Nein. Natürlich könnte es noch schneller gehen. Aber Deutschland wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Und wir haben hier lange für die Demokratie gekämpft und hingearbeitet.

Ich bin der festen Überzeugung, dass sich durch die Aktivitäten – auch die, die der FC Bayern macht – die Dinge in Katar verbessern. Das Frauentrainingslager etwa, das wir in Katar veranstalten, war in der Region überhaupt keine Selbstverständlichkeit. Manche sehen das anders und sagen, es geht nicht schnell genug. Nur ich bin halt der Meinung, dass man alleine durch Sanktionen und Abschotten keine Verbesserungen erzielt.“

Kontraposition: Toni Schuberl, Landtagsabgeordneter der Grünen

Toni Schuberl, Landtagsabgeordneter rechtspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, hat sich mit dem Thema ebenfalls intensiv auseinandergesetzt. Sein Standpunkt zur Wahl des Austragungsortes:

„Tausende tote Arbeiter, das ist die Bilanz der Baustellen in Katar seit der Vergabe der WM. Vermutlich starben viele auf den Stadien-Baustellen. Auch wenn sich die Situation der ausländischen Arbeiternehmer in Katar mittlerweile verbessert hat, macht das diese vielen Menschen auch nicht mehr lebendig. Ich kann mir nicht vorstellen, mich in ein Stadion zu setzen, das unter diesen Bedingungen gebaut worden ist. Ja, es macht großen Spaß, unsere Nationalmannschaft anzufeuern. Aber dieses Mal sollte es besser vor dem Fernseher sein. Zumal in Katar auch nicht alle Fans willkommen sind: Queeren Menschen drohen lange Haftstrafen und die Rechte von Frauen sind massiv eingeschränkt.

Wir müssen den Austausch mit Katar aufrechterhalten und dafür sorgen, dass die gemachten Fortschritte nach der WM nicht verschwinden. Aber zu viel ist schon schiefgelaufen, um diese WM wie jede andere zu behandeln. Die FIFA muss jetzt für die Angehörigen der Verstorbenen einen Unterstützungsfonds einrichten und für zukünftige WM-Vergaben Kriterien entwickeln, die die Menschenrechte von Anfang an fördern. Nur dann kann Fußball seinen Beitrag zum globalen Miteinander leisten.“

Dieser Artikel stammt aus dem NIEDERBAYERN TV Magazin, Ausgabe 13.

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