Staatsexamen im Ausnahmezustand Lehramtsstudenten fordern Examen ohne Durchfallen

In den vergangenen Wochen blieben an den Unis nicht nur die Hörsäle leer: Wegen der Examensvorbereitung im Corona-Ausnahmezustand fordert eine Initiative von Lehramtsstudenten jetzt ein Examen ohne Durchfallen. (Symbolbild) Foto: Sebastian Gollnow/dpa/dpa

Die Corona-Maßnahmen haben den Lehramts-Studenten, die sich derzeit aufs Examen vorbereiten, offenbar übel mitgespielt. In einem offenen Brief an das bayerische Kultusministerium fordert eine Initiative aus zukünftigen Absolventen für ihren Jahrgang eine Sonderregelung aufgrund der besonderen Umstände – sie wollen ein Examen ohne Durchfallen.

Der Brief trägt mittlerweile 550 Unterschriften, die entsprechende Facebook-Gruppe hat 1.300 Mitglieder. Auch für die Studenten in Bayern waren die vergangen Wochen Ausnahmezustand: Über Wochen nicht nur keine Lerngruppen, keine Besprechungen mit den Professoren, sondern auch alle Bibliotheken zu. Wichtige Bücher, die zur Vorbereitung bereitstehen hätten sollen: Weggeschlossen. Wegen der Kita- und Schulschließungen hatten einige der Studenten auch noch ihre Kinder zu Hause zu betreuen. Schwierige Bedingungen, um sich aufs Examen vorzubereiten. Weil die Corona-Maßnahmen außerdem sämtliche Zeitpläne durcheinandergebracht haben, sieht die Perspektive nach Ansicht der Initiative ziemlich trüb aus, wenn die Prüfung daneben geht: Der Zweitversuch könnte für die Prüflinge heißen: Fast ein Jahr warten auf den ersten Job als Referendar.

Eigentlich sollten die zukünftigen Referendare den ersten Teil ihrer Prüfungen jetzt gerade hinter sich haben und gerade in eine Erholungsphase starten, um sich nach der Theorie quasi auf die praktischen Prüfungen vorzubereiten. Doch die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus sind dazwischen gekommen. „Prüfungen wurden teilweise am Vortag abgesagt“, erzählte Jonas Schreiber. Er studiert an der LMU München auf Lehramt und macht für die Initiative die Öffentlichkeitsarbeit auf Facebook: „Vom Kultusministerium kam nur die Ansage ‚Lernen Sie mal fleißig weiter‘“. Am 29. April schließlich kam die Nachricht, dass es in zwei Wochen an den Unis wieder losgehen sollte – und für die Lehramtler direkt hinein in die Prüfungsphase.

Trotz der wohlgemeinten Empfehlung des Ministeriums sei für viele angehende Lehrkräfte in der Zeit des Corona-Stillstands an Lernen kaum zu denken gewesen, sagt Jonas Schreiber. Bei einer Regensburger Studienkollegin, die die sogenannte Corona-Krise ebenso mitten in den Examensvorbereitungen erwischt hat, klingt das ähnlich. Für sie brach durch die Maßnahmen die Unterstützung durch die Kita weg – die drei Kinder waren plötzlich 24 Stunden am Tag zu Hause: „Examensvorbereitung und Kinderbetreuung ist wie Zähneputzen und Kekse essen gleichzeitig. Meine Vorbereitung gestaltet sich schon im normalen Alltag nicht ganz einfach. Ein Examen zu schreiben bringt einen im ‚Normalzustand‘ schon fast an den Rand des Wahnsinns. Jetzt haben wir eine richtige Ausnahmesituation! Seit über sechs Wochen hängen wir in der Luft!“

Jonas Schreiber und seine Kollegen fordern in ihrem offenen Brief eine Sonderregelung für das Staatsexamen in diesem Jahr. Zunächst hatten die Studenten gefordert, dass das Kultusministerium die Durchschnittsnote der Leistungen aus den Semestern davor als Abschlussnote zählt. Von dieser Forderung hat die Initiative um Jonas Schreiber mittlerweile Abstand genommen. Sie wollen eine verpflichtende Prüfung - allerdings ohne Durchfallen. Jeder Student soll die schlechtestmögliche Note, die noch zum Bestehen reicht, garantiert bekommen: „Von der kann man sich dann nur noch durch die Prüfung verbessern.“ Heißt konkret: Durchfallen unmöglich und eine Garantie für einen Abschluss, wenn auch möglicherweise einen schlechten.

Was aber spricht dagegen, die Prüfung einfach zu schieben, einen freiwilligen Zweitversuch zu machen? Laut Jonas Schreiber ist das für die meisten keine Option. Sie würde nämlich fast ein Jahr Leerlauf bedeuten. Der Eintritt in das Referendariat ist nämlich unter der Prüfungsordnung nur einmal im Jahr im September möglich – zu Beginn eines neuen Schuljahrs. Heißt: nach dem Zweitversuch müssten die Jung-Lehrer erst einmal Monate warten. Zu lange für Studenten wie jene aus Regensburg: „Wir haben fest mit einem zweiten Gehalt ab September gerechnet und sind darauf auch angewiesen. Würde ich das Staatsexamen schieben, könnte ich erst im September 2021 ins Referendariat starten.“

Für Jonas Schreiber hat der Freistaat Bayern eigentlich gar nicht die Zeit, um auf neue Referendare noch ein Jahr zu warten: „Viele der Lehrer sind derzeit im Alter 60 Plus – fraglich, ob die sofort wieder unterrichten können und dürfen. Den angehenden Lehrern, die die Lücke füllen wollen, Steine in den Weg zu legen, finde ich nicht besonders klug. Wobei einige meiner Kollegen schon daran zweifeln, ob sie noch für den Staat arbeiten wollen – nach dem, wie das bis jetzt gelaufen ist.“

„Fair wäre es, uns den Druck etwas zu nehmen in dieser wirklich einmaligen Ausnahmesituation“, sagt Jonas Schreiber. Das Kultusministerium hat zum Anliegen der studentischen Initiative bislang nichts verlauten lassen. Der BLLV will sich in nächster Zeit dazu äußern.

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