SSV Jahn Regensburg Spaß und Arbeit: Babis Makridis' Weg in den Profifußball

Neuzugang beim SSV Jahn Regensburg: Charalambos "Babis" Makridis. Foto: Fabian Roßmann

Babis Makridis durfte in den vergangenen Monaten im Training bei Borussia Mönchengladbach Profiluft schnuppern. Nun will er sich beim SSV Jahn Regensburg in der 2. Liga durchbeißen.

Wenn’s um Fußball geht, dann ist Babis Makridis ein Gefühlsmensch. „Für mich ist Fußball keine Mathematik“, sagt er. „Wenn ich bei einer Mannschaft ein gutes Gefühl habe, dann möchte ich da einfach spielen.“ Dieses gute Gefühl hatte Makridis in diesem Winter, als es um den SSV Jahn Regensburg ging. Also musste er gar nicht lange überlegen. „Top“ seien die Gespräche mit Geschäftsführer Christian Keller und Trainer Mersad Selimbegovic gewesen, sagt er. Und: „Ich hatte von der ersten Minute an ein tolles Gefühl.“ Klar, umgehört hat er sich auch – zum Beispiel beim Ex-Regensburger Hamadi Al Ghaddioui, der seit Sommer für den VfB Stuttgart spielt. Als auch hier positives Feedback kam, war für ihn klar: Babis Makridis und Jahn Regensburg – das könnte passen.

Makridis, der eigentlich Charalambos mit Vornamen heißt, der Einfachheit wegen aber auf den Spitznamen Babis zurückgreift, hat kürzlich einen Dreieinhalbjahresvertrag in der Oberpfalz unterschrieben. Er habe Blut geleckt, verrät er im Gespräch. Denn rund vier Monate durfte er zuletzt bei der Profimannschaft des Bundesligisten Borussia Mönchengladbach mittrainieren. Eigentlich stand er dort im Kader der zweiten Mannschaft, für die er auch spielte. Deshalb ist der Wechsel für ihn jetzt auch kein Schritt zurück: „Klar habe ich in der Erstliga-Mannschaft trainiert, aber gespielt habe ich in der U23 in der Regionalliga. Deshalb ist es für mich ein Schritt nach vorne.“

Weil Makridis in seiner Freizeit nur sehr wenig Fußball schaut, hatte er keinen genauen Einblick beim Jahn. „Aber ein gewisses Bild hatte ich natürlich“, sagt er. Der Jahn war für ihn von außen „ein Verein, der vielleicht nicht so einen großen Namen hat wie andere Zweitligisten, in den vergangenen Jahren aber eine sehr gute Arbeit gemacht hat und nie in einer bedrohlichen Situation war.“ Zudem hatte er das Gefühl, „dass kein Gegner gerne gegen Regensburg spielt.“

Es ist nur Fußball

Zukünftig will Makridis seinen Teil dazu beitragen, dass es unangenehm bleibt, gegen den Jahn spielen zu müssen. Dass er einmal in der 2. Liga landen würde, war dabei in seiner Karriere nicht immer vorherzusehen. Den Traum, einmal Profifußballer zu werden, hatte Makridis zwar immer. Aber bis zur U19 spielte er bei Union Minden und beim SV Kutenhausen-Todtenhausen nur in kleinen Vereinen. Dann wusste er: Will ich es noch packen, muss ich höherklassig angreifen. Folglich trainierte er zur Probe beim Regionalligisten SC Verl und wurde genommen. „Es war schon ein Niveauunterschied“, blickt er zurück und fügt augenzwinkernd hinzu: „Aber letztlich musste ich auch dort nur Fußball spielen und keine akrobatischen Übungen machen.“ Nachdem es in der Jugend dort gut lief, musste er vor dem Wechsel in den Herrenbereich am Meniskus operiert werden. Seine ersten Schritte im Herrenfußball ging er deshalb nicht in der Regionalliga, sondern bei der zweiten Mannschaft in der Landesliga. Erst nach einem Jahr wurde er hochgezogen.

Als er im zweiten Jahr in Verl Stammspieler in der Regionalliga war, wurde die Gladbacher Borussia aufmerksam auf den gebürtigen Mindener (Ostwestfalen). Für Makridis war es keine Frage, diese Chance ergreifen zu wollen. Es war gleichzeitig aber auch eine ganz andere Welt für ihn: „Von meiner Kindheit bis zur ersten Mannschaft in Verl hatte sich an meinem Denken eigentlich nie etwas geändert“, sagt er. Der Spaß am Fußball stand immer im Vordergrund, neben dem Vereinstraining wurde auch regelmäßig noch auf dem Bolzplatz gekickt.

„In Gladbach habe ich dann eine andere Seite des Fußballs, ein professionelleres Arbeiten, kennengelernt“, erzählt er. „Profifußball ist nicht, wie auf dem Bolzplatz, einfach nur Fußball zu spielen und Spaß zu haben. Es gehört täglich harte Arbeit dazu, man muss auf die Ernährung und auf seinen Körper schauen. Vor dem Wechsel nach Gladbach habe ich auf das alles nicht geachtet, einfach nur gekickt und Spaß gehabt.“

Ohne NLZ nach oben

Makridis war nie in einem Nachwuchsleistungszentrum. Missen möchte er seinen Weg aber auf keinen Fall. „Beide Wege haben ihre Vorteile“, sagt er. Er habe es genossen, ein bisschen mehr Freiheiten zu haben. „Ich war irgendwo immer ein bisschen mehr auf mich alleine gestellt, hatte aber vielleicht auch den Faktor Spaß viel mehr in meinem Leben“, sagt er. Dies habe ihm sicher auch in puncto Kreativität geholfen. „Ich weiß auch nicht“, fügt er an, „ob die strengere Linie in einem NLZ zu mir gepasst hätte. Man ist ja auch noch in einem Alter, in dem man abseits des Fußballs ein paar Sachen erleben möchte.“ Und so hat Makridis letztlich aus beiden Welten etwas mitgenommen. „Wie bei einem Sieb konnte ich von beiden Seiten das Beste für mich rausnehmen“, sagt er.

Neben dem professionelleren Arbeiten hat Makridis in Mönchengladbach auch fußballerisch vieles mitgenommen. Vor allem im Training mit den Profis und unter Marco Rose. „Am Anfang war es sehr aufregend, da ist man fast schon übermotiviert“, sagt er. Man wolle sich präsentieren und keine Fehler machen. „Es war für mich schon eine große Umstellung, was das Tempo angeht. Da sind lauter Top-Spieler, du kannst dich keine Sekunde ausruhen und musst vor allem im Kopf sehr schnell sein.“ Auch die größere Aufmerksamkeit war für ihn gewöhnungsbedürftig: „In der U23 haben wir vielleicht vor 200 Zuschauern gespielt – und dann bist du plötzlich in einem Bundesliga-Stadion. Ich musste nur auf der Bank sitzen – das ist ja nicht so schwer. Trotzdem war ich anfangs selbst dabei nervös.“ Mit der Zeit sei er aber lockerer geworden.

Nun will er beim Jahn einbringen, was er bei den Gladbach-Profis gelernt hat. Der Fußball von Gladbachs erster Mannschaft und dem Jahn ähneln sich, wie auch Makridis einschätzt. Früher, gibt der 23-Jährige zu, habe er noch anders Fußball gespielt. „Ich war eher der Fußballer, der vorne rumstand, nicht wirklich verteidigt hat und einfach den Ball haben und schön spielen wollte“, sagt er. Auch in der Gladbacher U23 lag der Fokus auf dem Spiel mit dem Ball. Deshalb habe er anfangs selbst Zweifel gehabt, ob das neue Gladbacher Spiel mit hohem Pressing, aggressiver Spielweise und schnellem Umschaltspiel wirklich zu ihm passt. „Aber im Endeffekt ist Fußball ein Mannschaftssport und es geht darum, dass ich mich mit meinem Stil an die Mannschaftstaktik anpasse“, sagt er. „Niemand ist für einen besonderen Spielstil geboren. Wenn man will, kann man jedes System spielen. Ich habe schnell gemerkt, dass das eigentlich nur eine Kopfsache ist.“

Privat auch mal für Blödsinn zu haben

Laut Geschäftsführer Christian Keller gewinnt der Jahn durch Makridis „weitere Flexibilität und Qualität“ für seine Offensive. Der Neuzugang sei „technisch versiert, hat Mut und Lösungen in Eins-gegen-Eins-Situationen und zudem einen sehr guten Torabschluss.“ So sieht sich auch der Offensivmann, der sich neben dem Platz als „sehr entspannter Junge“ bezeichnet und „privat gerne auch mal Blödsinn macht“, selbst: „Ich habe früher oft Mittelstürmer gespielt, bin aber kein klassischer Mittelstürmer, der über seine körperliche Präsenz kommt und Bälle festmacht.“ Er sieht seine Stärken im Eins-gegen-Eins und seinem beidfüßig starken Abschluss. Zwölf Tore in 15 Regionalliga-Spielen in der bisherigen Saison sprechen für sich. In der Offensive sei er flexibel einsetzbar, sagt er. „Ich spiele schon gerne aus dem Zentrum heraus, kann aber genauso auf dem Flügel spielen. Ich fühle mich überall wohl, solange ich in der Nähe des Tors bin.“

Im letzten Spiel gegen Greuther Fürth war Makridis bereits im Jahn-Kader. Ob er noch Zeit brauche, um sich ans Niveau anzupassen, kann er selbst nicht beurteilen. „Ich bin jemand, der auch gerne einfach ins kalte Wasser geworfen wird“, sagt er. Am Sonntag sind die Regensburger zu Gast bei Tabellenführer Bielefeld. „Wir wollen mutig auftreten und keine Angst haben – auch nicht vor dem Tabellenführer“, sagt Makridis. Er könnte auf der Bielefelder Alm sein Debüt im Jahn-Trikot feiern. „Es geht für uns darum, unser Spiel durchzuziehen. Was dabei herauskommt, wissen wir nicht. Aber wenn wir 100 Prozent geben, können wir uns nachher auf jeden Fall nie etwas vorwerfen“, blickt er voraus. Die Jahn-Mentalität hat er also offenbar in kurzer Zeit schon ganz gut verinnerlicht.

 

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