SSV Jahn Regensburg Oli Heins emotionale Rückkehr auf den Platz

Freute sich über seine Rückkehr auf den Platz: Oli Hein (Mitte). Foto: Sascha Janne

Publikumsliebling und Identifikationsfigur Oli Hein gab nach über einem Jahr am Samstag sein Comeback im Trikot des SSV Jahn Regensburg. Von den Fans wurde er mit einer tollen Choreographie empfangen.

Oli Hein hatte schon den halben Weg in Richtung Auswechselbank des SSV Jahn Regensburg zurückgelegt, da erblickte er im Augenwinkel ein Gesicht und dachte sich: "Den kenn ich doch." Natürlich kannte er ihn, denn es war Hein selbst. Die Fans hatten vor dem Heimspiel gegen den FC St. Pauli eine Choreographie für ihn entworfen. Als Hein seinen Blick nach links richtete, las er im Fanblock Plakate mit der Aufschrift: "Egal ob Liga 2 oder 4, einer blieb immer hier. Danke Oli Hein – Willkommen zurück!" Es war die Würdigung für einen Spieler, der seit dem Nachwuchs nur für den Jahn auflief, der von der Regionalliga bis zur zweiten Liga alles mitgemacht hat und der für die Werte des Jahn steht wie kaum ein Zweiter.

"Für mich war und ist es immer etwas Besonderes, für diesen Verein auflaufen zu dürfen", sagte Hein im Anschluss. Er wurde kurz vor Schluss eingewechselt und mit riesigem Applaus von den Fans empfangen. Es sei ein "Wahnsinns-Gefühl" gewesen, so von den Fans begrüßt worden zu sein: "Das ist etwas ganz Besonderes. Dieses Privileg haben nicht viele Spieler und ich bin dafür einfach nur dankbar und demütig."

Tränen in den Augen

Dass er von den Fans außerordentlich gewürdigt wurde, hat sich der gebürtige Straubinger hart erarbeitet. Der 28-Jährige trägt inzwischen in seiner elften Saison das Jahn-Trikot, er hat mit dem Verein Höhen und Tiefen erlebt. Er machte den Gang von der zweiten in die vierte Liga und zurück mit. "Als ich die Choreographie gesehen habe, sind viele Erinnerungen hochgekommen", berichtete Hein. "Da hatte ich auch Tränen in den Augen."

Die langjährige Treue zu einem Verein ist im heutigen Fußballgeschäft alles andere als normal. Oli Hein lebt genau diese Treue zum Jahn und wurde dadurch zur Identifikationsfigur für die Fans. "Es ist sicherlich keine Selbstverständlichkeit mehr, so lange bei einem Verein zu bleiben. Aber auch ich habe dem Jahn sehr viel zu verdanken. Das ist keine Einbahnstraße, sondern es sind immer zwei Richtungen, die von der gemeinsamen Arbeit profitieren. Ich bin froh und glücklich, dass ich ein Teil vom Weg des Jahn sein darf und dass ich einen Teil der Geschichte des Vereins mitschreiben darf", sagte Hein.

Über ein Jahr lang fehlte der Außenverteidiger nun verletzt. Luxation der Kniescheibe lautete die Diagnose im Februar 2017. Hein hat sich rangekämpft, hat Rückschläge erlitten und musste wieder von vorne anfangen. "So etwas geht schon sehr an die Substanz", erzählte er. Deshalb sei er froh, so ein "gefestigtes und gutes Team" beim Jahn zu haben, das ihn immer wieder aufgefangen und neu motiviert hätte. Dazu kam die Eigenmotivation Heins. "Dass man an Tagen wie heute wieder im Stadion und auf dem Rasen stehen kann, das treibt dich bei Rückschlägen immer wieder an."

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In der langen Verletzungszeit hat Hein von draußen verfolgt, wie die Mannschaft erst den Aufstieg in Liga zwei realisierte und nun eine herausragende Saison spielt. Er sei immer nah dran gewesen in der täglichen Arbeit, sagt Hein – und freute sich – ganz der Teamplayer – natürlich über die Erfolge der Mannschaft. Ihm sei nun aber auch ein riesiger Stein vom Herzen gefallen, nach so langer Verletzungspause, nach vielen Spielen auf der Tribüne, vielen Stunden im Kraft- und Fitnessraum oder auf dem Trainingsplatz endlich wieder auf dem Platz stehen zu dürfen.

"Oli gibt es nur mit 100 Prozent"

Schon im Training konnte man in den vergangenen Wochen den unglaublichen Ehrgeiz Heins spüren. "Das ist meine Mentalität, das hat mich immer ausgemacht. Ein Motto von mir ist, dass man immer alles aus sich herausholt und immer das Beste versucht. So gehe ich auch jedes Training an." Die Mitspieler freut's. "Oli gibt es nur mit 100 Prozent", sagte Kapitän Marco Grüttner. "Der fegt im Training genauso rein. Man kennt ihn, er ist unser Krieger und so wollen wir ihn auch haben und so brauchen wir ihn."

Und so freute sich auch der Kapitän über die Choreographie der Fans für ihren Oli Hein. "Einfach weltklasse", sagte Grüttner. "Oli ist der Spieler, der am längsten im Verein ist. Er war in guten und in schlechten Zeiten hier, hat nie aufgesteckt. Das war eine Mega-Choreographie, die er sich einfach verdient hat." Als Hein eingewechselt wurde, hatte auch der Kapitän Gänsehaut: "Für solche Momente spielt man einfach Fußball."

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Bei 100 Prozent sei er natürlich noch nicht, sagte Hein. Aber er komme jede Woche weiter und wichtig sei, dass es vorangehe. Hein will nun seine Qualitäten auch wieder auf dem Platz zeigen, stellt sich dabei aber keinesfalls in den Vordergrund. "Der Erfolg des Teams steht über allem, das kann ich schon ganz gut einordnen. Es ist kein Muss, dass ich noch ein paar Spiele mache, es geht nur um den Mannschaftserfolg. Wenn der Trainer der Meinung ist, dass ich meinen Teil dazu beitragen kann, dann spiele ich natürlich gerne und versuche, mein Bestes zu geben. Wenn jemand anderes bessere Argumente bringt, dann soll der spielen. Genau das zeichnet und als Mannschaft aus."

Apropos Mannschaft: die darf nach dem Heimsieg gegen den FC St. Pauli weiter von Relegationsplatz drei träumen. "Wir konzentrieren uns nur auf uns, wollen unsere Hausaufgaben machen und jedes Spiel so angehen wie gegen St. Pauli. Voller Leidenschaft und mit einer Power, die für jeden Gegner sehr unangenehm ist. Wir haben eine unglaubliche Mentalität in unserem Team. Diese Mentalität zu schlagen, das wird nicht einfach werden", sagte Hein. Mit seiner Rückkehr kommt nochmals eine Menge Mentalität obendrauf.

 

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