SSV Jahn Regensburg Erst Fehler, dann Siegtor: Albers' starke Reaktion

Beim Torjubel nach seinem Treffer zum 2:1 gegen Heidenheim wischt sich Jahn-Stürmer Andreas Albers den symbolisch Schweiß von der Stirn. Foto: imago

Nach einem groben Schnitzer hat Andreas Albers am Samstag das entscheidende Tor zum Heimsieg des SSV Jahn Regensburg geschossen. Der dänische Angreifer kommt immer mehr an bei den Oberpfälzern.

Bei seinem Torjubel hat sich Andreas Albers am Sonntagnachmittag symbolisch die Schweißperlen von der Stirn gewischt. Nicht, weil das Heimspiel des SSV Jahn Regensburg gegen den 1. FC Heidenheim so schweißtreibend war, das war es sicherlich auch. Die Geste symbolisierte aber vor allem seine große Erleichterung. Albers war auf dem Weg zur tragischen Figur des Spiels und war am Ende derjenige, der die Regensburger auf die Siegerstraße gebracht hat.

Es läuft die 62. Minute, der Jahn führt mit 1:0, also Albers auf Nummer Sicher gehen will. An der linken Seitenauslinie hat er den Ball und will ihn zu Torhüter Alexander Meyer zurückspielen. Was er nicht sieht: Genau darauf spekulierte Heidenheims Tim Kleindienst, dieser schnappt sich den Ball und legt ab auf Maurice Multhaupt, der zum 1:1 trifft.

Danach ist Heidenheim am Drücker, der Führung näher als die Regensburger. Bis zur 74. Minute, als wieder Albers die Hauptrolle spielt. Eine Flanke von Benedikt Saller nimmt er im Strafraum sehr gut an und trifft per Seitfallzieher zum 2:1 für den Jahn. Puh. Durchatmen. Da kann man sich schon mal den Schweiß von der Stirn wischen.

Große Erleichterung

„Da war die Erleichterung schon sehr groß und es war ein gutes Gefühl“, sagte der 1,93 Meter große Stürmer. Vor dem 1:1 sei ihm ein „großer Fehler“ unterlaufen, der eigentlich nicht passieren dürfe. Aber er ist passiert. „Persönlich und als Mannschaft muss man immer weiter arbeiten“, sagte Albers und konnte die Situation nach dem guten Ausgang auch mit einem Schmunzeln kommentieren: „Ich habe quasi eine Vorlage gegeben und ein Tor geschossen.“

Albers hat nach seinem Bock nicht aufgesteckt und damit genau das verkörpert, was die Jahn-Mannschaft seit Jahren auszeichnet. „Uns zeichnet aus, dass wir einfach nie aufgeben, auch wenn uns ein Fehler vielleicht mal zurückwirft“, sagte Kapitän Marco Grüttner. Er habe nach dem Fehler mit Albers mitgefühlt. „Denn solche Dinge sind jedem schon mal passiert.“ Also ging er zu seinem Sturmkollegen und baute ihm auf. „Ich habe zu ihm gesagt, dann machst du halt ein Tor, dann ist wieder gut.“ Und offenbar gehorcht Albers seinem Kapitän ganz gut.

"Vergiss es, weiter geht's!"

Die Szene hat auch Trainer Mersad Selimbegovic von außen gesehen. „Ich habe versucht, gleich Kontakt mit ihm aufzunehmen, ihn aufzubauen und ihm zu sagen: Vergiss es, weiter geht‘s“, erzählte der Coach. „Aber ich habe auch gesehen, da sind Jungs drin, die das verstehen. Die sind gleich zu ihm hin und haben ihn aufgemuntert, Marco vorneweg.“ Solche Situationen könnten das Team sogar zusammenschweißen. „Die wollten das wiedergutmachen“, so Selimbegovic.

Auch die Fans haben ihren Teil dazu beigetragen. Unmittelbar nach dem Ausgleich erhob sich das Stadion und unterstützte die Mannschaft. „Es hat sich entwickelt, dass die Fans ein gutes Gespür dafür haben, wenn die Jungs unten auf dem Platz einen kleinen Funken brauchen“, sagte Selimbegovic. „Wenn so etwas passiert, ist das eine brutale Hilfe für denjenigen, dem der Fehler passiert ist. Mehr Aufbau kannst du nicht kriegen.“

Albers hat die Unterstützung zurückgezahlt mit seinem bereits fünften Saisontreffer. Gegen Hamburg, Kiel und Darmstadt erzielte er jeweils den entscheidenden Treffer zum Unentschieden oder Sieg. Auch der Treffer gegen Heidenheim war am Ende der entscheidende für die Regensburger. Albers – der Mann für die wichtigen Tore!

Albers ist beim Jahn angekommen

Von einer „sehr guten Entwicklung“ spricht Selimbegovic bei seinem 29-jährigen Angreifer, der seit vier Partien Stammspieler ist. „Wir sind zufrieden, wie er sich auch außerhalb des Platzes schon integriert hat in der Mannschaft und der Stadt.“ Albers spricht sehr gut Deutsch, hat die Sprache schnell gelernt. „Das erste Mal ins Ausland zu gehen und dann gleich in der 2. Bundesliga zu spielen, ist schon eine riesige Herausforderung. Aber er macht das richtig gut“, so der Trainer. Das bestätigt auch Sturmkollege Grüttner: „Man merkt täglich, dass er den Anschluss mehr findet. Wir können uns da schwer hineinversetzen. Wenn ich irgendwo im Ausland Fußball spielen müsste, wäre das für mich auch extrem schwer. Aber er macht das mit einer Seelenruhe. Er haut sich voll rein und genau das brauchen wir.“

Mit Grüttner und Albers spielen derzeit zwei ähnliche Spielertypen gemeinsam in der Spitze. „Wir wissen, dass das ungewöhnlich ist“, sagt Selimbegovic. Wie bei allen Varianten gebe es auch hier Vor- und Nachteile. „Wir versuchen, die Vorteile, die diese Konstellation bringt, ins Spiel zu bringen und die Nachteile zu neutralisieren. Wenn wir das schaffen und die beiden so ins Spiel bringen, wie es für sie passt, dann sind sie wirklich schwer zu verteidigen.“ Das hat Albers nicht zuletzt am Sonntag beim Heimsieg gegen Heidenheim bewiesen.

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