SSV Jahn Regensburg Christian Keller im Interview: "Die Menschen sollen stolz auf den Jahn sein"

Jahn-Sportchef Christian Keller. Foto: imago

Christian Keller hat derzeit viel zu tun. Neben der Kaderplanung und der Vorbereitung für die 2. Bundesliga ist für den Geschäftsführer des SSV Jahn Regensburg am vergangenen Donnerstag eine weitere Aufgabe überraschend hinzugekommen. Nach dam Abschied von Heiko Herrlich zu Bundesligist Bayer 04 Leverkusen braucht der Aufsteiger einen neuen Trainer. Im ausführlichen idowa-Interview spricht Keller über den Trainerwechsel, das Profil des neuen Coaches, die Kaderplanung und die Zukunft des SSV Jahn.

Herr Keller, für alle überraschend hat sich am vergangenen Donnerstag Trainer Heiko Herrlich von Jahn Regensburg verabschiedet. Wie beurteilen Sie diesen Wechsel?
Christian Keller: Für mich persönlich kam es unerwartet und überraschend. Rein sportlich kann ich den Schritt nachvollziehen, es ist eine große Chance für Heiko Herrlich, bei einem so ambitionierten Club tätig sein zu dürfen. Uns tut es natürlich weh, weil wir unseren zweimaligen Aufstiegstrainer verlieren. Nichtsdestotrotz muss es weitergehen und es wird gut weitergehen. Ich betrachte die aktuelle Situation auch als Chance, getreu dem Motto: Jedem Ende wohnt ein neuer Anfang inne.

Waren Sie auch persönlich enttäuscht, dass Heiko Herrlich trotz aller Treueschwüre den Verein verlassen hat?
Keller: Nein, das nicht. Ich gönne ihm diese Chance und bin dankbar für das, was er für Jahn Regensburg geleistet hat.

Beide Seiten haben immer deutlich nach außen kommuniziert, gemeinsam in die Zukunft gehen zu wollen. Warum war eine Woche nach Saisonschluss der Vertrag für die 2. Bundesliga dennoch noch nicht verlängert?
Keller: Den Vertrag hatten wir noch zu Regionalliga-Zeiten gemacht und der hätte sich in der 3. Liga automatisch verlängert. Dass die Option für die 2. Liga noch nicht drin war, kann man im Nachhinein vielleicht als nicht zu Ende gedacht betrachten. Wir wussten, dass die Option nicht im Vertrag ist und haben deshalb frühzeitig vereinbart, dass wir uns nach der Saison zusammensetzen, wenn uns der Aufstieg tatsächlich gelingen sollte. Das haben wir mit ein paar Tagen Abstand auch gemacht. Heiko ist in den Urlaub gefahren und ich habe mich mit seinem Berater Michael Meier in Dortmund getroffen. Am Dienstag haben wir einen neuen Vertrag ausgehandelt. Aber dann hat bekanntlich am späten Mittwochnachmittag Rudi Völler Heiko im Urlaub in Österreich besucht. Am Donnerstag war Heiko in Leverkusen und dann haben die Dinge ihren Lauf genommen.

Haben Sie selbst in dieser Angelegenheit Lehrgeld bezahlt?
Keller: Wenn Sie so wollen, dann habe ich schon etwas gelernt und bin an Lebenserfahrung reicher geworden. Grundsätzlich versuchen wir schon, in Verträge alle Eventualitäten einzubauen. Die 2. Bundesliga war zum Vertragsabschluss sehr, sehr weit weg, aber sie war möglich. Wir haben das damals fast Unmögliche jetzt geschafft. Vor diesem Hintergrund wäre es clever gewesen, das damals schon zu berücksichtigen.

Wie beurteilen Sie unter dem Strich die Arbeit von Heiko Herrlich in den vergangenen eineinhalb Jahren?
Keller: In diesem Fall sprechen die Ergebnisse für sich. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass man im Profifußball zwischen Leistung und Ergebnis unterscheiden muss. Unter Heiko Herrlich hat glücklicherweise beides gestimmt.

 
 
 

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