SSV Jahn Regensburg Bastian Lerch: Via Facetime in die 3. Liga

"Inzwischen gehört der Helm zu meinem Equipment wie die Fußballschuhe. Ich möchte ihn auch nicht mehr abnehmen, er stellt für mich ein Stück weit Sicherheit dar", sagt Bastian Lerch. Foto: Sascha Janne

Nach sechs Jahren bei der SpVgg Greuther Fürth kehrt Bastian Lerch in seine Heimatstadt zurück. Er wird zweiter Torhüter beim SSV Jahn Regensburg.

Der 29. Mai dieses Jahres war der Tag, an dem der SSV Jahn Regensburg nach nur einem Jahr seine Rückkehr in die 3. Liga perfekt gemacht hat. Mit 2:0 setzte sich das Team von Trainer Heiko Herrlich im Relegations-Rückspiel gegen den VfL Wolfsburg II durch. Eine fast ausverkaufte Continental Arena bejubelte den Aufstieg, der Jahn bewegte durch diesen Erfolg ganz Fußball-Ostbayern.

An diesem Tag wusste auch Torhüter Bastian Lerch schon, dass er wahrscheinlich zum SSV Jahn Regensburg wechseln würde. Ensprechend groß war auch sein Interesse an dieser Partie. Selbst im Stadion konnte er allerdings nicht sein, er war zu dieser Zeit im Urlaub in Griechenland. Deshalb kaufte sich Lerch extra das schnellere Internet, um die Partie im Livestream zu verfolgen. Doch das Spiel war von Griechenland aus nicht zu empfangen. Also musste improvisiert werden. Lerchs Bruder schaltete in der Heimat den Fernseher ein und übertrug das Spiel via Facetime nach Griechenland. "Ein Spiel über Facetime anzuschauen – ich denke, das sagt eigentlich schon alles", sagt Lerch und lacht.

Nach sechs Jahren bei der SpVgg Greuther Fürth wechselt der 20-Jährige zurück in seine Heimatstadt, wo er mit sechs Jahren bei der SpVgg Ziegetsdorf mit dem Fußball angefangen hat. Ab der neuen Saison wird er die Nummer zwei des SSV Jahn hinter Stammtorhüter Philipp Pentke sein. "Philipp war der überragende Torhüter in der Regionalliga. Er hat die Nase ganz klar vorne, das weiß Basti aber auch", sagt Trainer Heiko Herrlich, fügt aber hinzu: "Philipp muss seine Leistung auch diese Saison wieder bringen, es gibt nichts geschenkt für Vergangenes." Lerch selbst sagt zur Situation: "Ich werde mich in die Rolle einfügen, die für mich vorgesehen ist. Dennoch will ich mich in jedem Training präsentieren." Von seinem Konkurrenten Philipp Pentke könne er vieles lernen. "Es macht Spaß, mit ihm zu arbeiten und sich täglich gegenseitig zu pushen."

Kein Strom, kein Wasser

Auch während seiner Zeit in Fürth hat Lerch die Geschehnisse rund um den SSV Jahn verfolgt. Wenn es zeitlich gepasst hat, war er auch selbst bei den Spielen. Aus der Ferne verfolgte er auch mit, wie sich der Verein in den vergangenen Jahren entwickelt hat. "Das ist – salopp formuliert – krass", sagt Lerch. Er hat in seiner ersten Zeit im Club – er spielte von der U10 bis zur U14 beim Jahn – noch ganz andere Umstände kennengelernt. "Ich habe mich noch am Trainingsgelände am Weinweg in Containern umgezogen. Wir hatten teilweise keinen Strom, kein Wasser zum Duschen", erinnert er sich. "Auch wegen solcher Sachen ist mir der Verein ans Herz gewachsen."

Nach seiner ersten Zeit beim Jahn zog es Lerch nach Franken, zur SpVgg Greuther Fürth. Beim Kleeblatt spielte er sechs Saisons. "Da habe ich natürlich von der Professionalität im Verein profitiert und persönlich den nächsten Schritt in meiner Entwicklung gemacht", sagt der junge Mann. 2013 absolvierte er mit 17 Jahren seine erste Regionalligapartie. "Ein Riesenerlebnis für mich", blickt er heute darauf zurück. Später gehörte er eineinhalb Jahre lang zum Profikader der Fürther. "Als die Nachricht kam, dass ich in den Profikader aufrücke, war ich glücklich wie ein kleines Kind", erzählt er und grinst über beide Ohren.

In Fürth erlebte Lerch aber auch den bislang schlimmsten Moment seiner Karriere. Im August vergangenen Jahres wurde er beim Regionalliga-Spiel gegen den TSV Buchbach von einem Gegenspieler mit dem Stollen am Kopf verletzt: Diagnose: Offenes Schädel-Hirn-Trauma. "Ich kann mich an alles davor und danach, nicht aber an diese Szene erinnern", sagt Lerch.

Er bezeichnet die Szene als "negativsten Moment meiner Karriere", betont aber: "Aus allem Negativen kann man auch etwas Positives ziehen." Er ist wieder zu 100 Prozent fit und hat "wieder Spaß am Fußball." Er sieht es mehr denn je als "Privileg, Fußballer sein und jeden Tag auf dem Platz stehen zu dürfen. Man sieht vieles nicht mehr als Selbstverständlichkeit an, man geht glücklicher durchs Leben." Gerade seine Familie und der enge Kern seiner Freunde unterstützten ihn in dieser Zeit. "In einer solchen Situation lernt man seine Freunde richtig kennen", sagt Lerch.

"Der Helm stellt für mich ein Stück weit Sicherheit dar"

Nach dem Foul stand Lerch noch einmal für die SpVgg im Tor, Ende März gegen Schalding-Heining. Im Training und in den Spielen trägt er seitdem einen Schutzhelm. "Der war in den ersten drei Monaten aus gesundheitlichen Gründen notwendig. Inzwischen gehört er zu meinem Equipment wie die Fußballschuhe. Ich möchte ihn auch nicht mehr abnehmen, er stellt für mich ein Stück weit Sicherheit dar", sagt der 20-Jährige.

Lerch beschreibt sich selbst als modernen Torhüter, der mitspielen will. "Aber in erster Linie ist der Torwart dafür da, Bälle zu halten." Wie Lerch hat sich auch der Jahn in den vergangenen Jahren weiterentwickelt, nicht zuletzt durch einen neuen Kunstrasenplatz und den Umzug in die Continental Arena. "Die Entwicklung des Jahn in den vergangenen Jahren ist unfassbar. Als ich nach Fürth gegangen bin, war der Unterschied zwischen den Vereinen sehr groß. Inzwischen hat sich der Jahn da deutlich angenähert", so die Einschätzung Lerchs.

Die Zukunft des jungen Torhüters liegt nun wieder in seiner Heimat in Regensburg. "Es fiel mir überhaupt nicht schwer, mich für den Jahn zu entscheiden", erläutert Lerch, der sich selbst als "lebensfreudigen, lustigen Typen" bezeichnet. Sein neuer Trainer Heiko Herrlich sagt über den Neuzugang: "Er ist sehr ehrgeizig, ein positiver Typ. Es macht einfach Spaß, wie motiviert er im Training ist. Ich bin froh, dass wir ihn dabei haben."

 
 

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