Sprayer in Regensburg Mehr Freiflächen für Graffiti? Die Stadt ist skeptisch

Viele der Regensburger Sprayer wollen unerkannt bleiben, weil sie nach eigener Aussage auch als "legale Sprayer" immer wieder Probleme mit der Polizei haben. Foto: Alexander Niebler

(Il-)legale Kunst: Die Grünen fordern mehr Freiflächen für Sprayer - die sind ebenfalls dafür. Die Stadt scheint weniger euphorisch.

Die Regensburger Sprayer freuen sich über den Antrag: Die Grünen forderten im vergangenen Jugendhilfeausschuss "Legales Graffiti: Mehr Flächen zur Gestaltung". Warum der Antrag auf Prüfung eventueller Möglichkeiten gerade jetzt auf der Agenda steht, da zuckt ein Sprayer aus der Szene, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, mit den Schultern und sagt: "Ist halt Wahlkampf."

Trotzdem finden er und seine Künstlerkollegen die Idee gut. "Wir würden uns über mehr Platz freuen, auf dem wir malen können", sagt der 33-Jährige. Er will anonym bleiben, weil Freunde von ihm schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht haben, wenn ihre Namen bekanntwurden und sie dadurch verdächtigt wurden, illegal zu sprühen.

Denn wenn Wände, Züge und Brücken mit einer Spraydose bemalt werden, ist das selten legal. In Regensburg gibt es mehrere Freiflächen für Graffiti-Sprüher - dort dürfen sie ganz legal ihrer Kunst nachgehen. In der Szene spricht man von vier Spots, also Plätzen, die legal besprüht werden können. Die Weiteren seien zu klein oder ungeeignet.

Die Szene hat sich während der Pandemie vergrößert

Die Szene in Regensburg sei im Verhältnis zu anderen Städten gut aufgestellt, miteinander verbandelt, zwischen den einzelnen Crews - also Gruppen - gebe es keine Streitereien. In den vergangenen Jahren sei die Szene größer geworden, vielen Neuzugänge habe es gegeben, erzählt der gebürtige Regensburger, der seit seiner frühen Jugend mit der Dose loszieht und malt. "Ich denke, durch die Pandemie haben viele nach Möglichkeiten gesucht, sich individuell zu beschäftigen. Sprayen ist da eine gute Möglichkeit." Die Szene sei bunt gemischt: "Jung, alt, Lehrer, Schüler, Grafikdesigner", zählt der 33-Jährige auf.

Neben einem Gemeinschaftsgefühl und künstlerischer Freiheit verbindet die Sprayer auch eine Art Kodex: So gehört es sich für einen Anfänger in der Szene nicht, einfach das Bild eines erfahrenen Kollegen zu übermalen. "Aber auch die Neuzugänge müssen üben", sagt der 33-jährige Sprayer. Deshalb wäre es so wichtig, dass es weitere Freiflächen gibt, auf denen die Sprayer ihrer Kunst nachgehen können - ohne in die Illegalität abzurutschen.

"Kunst aus der Illegalität holen"

Stefan Christoph, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat, sagt: "Graffiti ist Kunst. Und Kunst gehört auch zum öffentlichen Raum. Deshalb halten wir weitere Freiflächen für wichtig."

Das sieht auch Joachim Wolbergs, Fraktionsvorsitzender der Brücke und Mitglied im Jugendhilfeausschuss so: "Es ist sinnvoll, hierfür mehr Flächen bereitzustellen. Es handelt sich bei Graffiti um eine tolle Kunstform. Mit Freiflächen schafft man es, diese Kunst aus der Illegalität zu holen", sagt Wolbergs.

Die Stadt hingegen scheint weniger euphorisch. Auf die Anfrage der Grünen, ob beispielsweise neben der 24-Stunden-Galerie am Dultplatz weitere Betonwände an geeigneten Orten im Stadtgebiet für legales Graffiti aufgestellt werden können, lautet die Antwort der Stadt: "Aktuell ist dies in dem Umfang nicht geplant, da solche Betonwände auch an den Ort passen müssen."

Allerdings soll es beim Jugend- und Begegnungszentrum Guericke im Zuge der Gestaltung des Außenbereiches eine neue Wand und das Objekt "Kultur am Bau" geben. Im Sommer soll außerdem eine Wand an einem Spielplatz eine weitere Möglichkeit zum Sprühen bieten.

Beton könne wegen Farbe nicht mehr "atmen"

Auf die Frage, ob weitere Brückenpfeiler der Oberpfalzbrücke für legales Graffiti freigegeben werden können, heißt die Antwort der Stadt klar: nein. Die Begründung: Wasserwirtschaftsamt, Autobahndirektion und Tiefbauamt wollen das nicht. Der Beton könne durch die Farbe nicht mehr "atmen", was zu Schäden führen könnte.

Trotz dieser Antworten ist Theresa Eberlein, Stadträtin der Grünen und Mitglied im Jugendhilfeausschuss, mit dem Ergebnis nicht unglücklich. "Alle hatten ein offenes Ohr und ich denke, wir haben die Thematik ins Bewusstsein rücken können - obwohl die Stadt in der Flächenvergabe durchaus noch großzügiger sein könnte."

Dies ist ein Artikel aus unserer Redaktion am Haidplatz in Regensburg, erschienen in der neuen Regensburger Zeitung. Abonnieren Sie die Zeitung doch im Epaper oder im idowa.plus-Abo!

Weitere Artikel

 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading