Spieleentwickler aus Regensburg CipSoft-Chef: "Was gscheits" machen oder Online-Spiele?

Stephan Vogler hat zusammen mit alten Schulfreunden eine Spieleentwicklerfirma gegründet. CipSoft gibt es seit 2001 in Regensburg. Vor Kurzem hat die Firma um Vogler ein neues Spiel herausgebracht. Foto: CipSoft/idowa

Seine Anfänge erinnern ein bisschen an die von Mark Zuckerberg: Der Regensburger Stephan Vogler hat in den frühen 2000er-Jahren aus einem Internetprojekt an der Universität ein Unternehmen gemacht. Anstelle eines sozialen Netzwerks waren es bei ihm Online-Spiele, die mittlerweile bis zu einer Viertelmillion Menschen an den PC locken. Im Interview verrät der 44-jährige Geschäftsführer und Gründer von CipSoft, was seine Eltern am Anfang von seinem Beruf gehalten haben, wie lange seine Firma ein Spiel entwickelt und was ein gutes Online-Spiel heutzutage haben muss. 

Herr Vogler, was macht Ihre Firma CipSoft genau?

Stephan Vogler: Wir entwickeln und betreiben Online-Spiele. Spiele, die man in erster Linie zusammenspielen kann. Unsere Firma ist insbesondere für "Tibia" bekannt. Ein Fantasy-Online-Spiel, das man auf dem PC spielt. Der Spieler übernimmt eine Rolle in einer Fantasywelt wie bei "Herr der Ringe". Es ist unser erfolgreichstes Spiel. Davon gibt es auch ein Spinoff als mobile Version, die man auf dem Smartphone oder Tablet spielt. "Tibia" ist 1997 auf den Markt gekommen, damals gab es nichts Vergleichbares. Das Spiel läuft immer noch, selbst nach über 20 Jahren. Letzte Woche haben wir nach längerer Zeit wieder ein neues Spiel, "LiteBringer", gestartet. Hier haben wir auch versucht, ein für heutige Verhältnisse neuartiges Spiel zu entwickeln. 

"Haben Spiel einfach auf Uni-Computern laufen lassen"

Wann haben Sie CipSoft gegründet und wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Vogler: Meine Mitgründer und ich kennen uns noch aus der Schulzeit in Regensburg. Am Anfang haben wir eigentlich nur zusammen Computer gespielt, bis uns interessiert hat, wie man solche Spiele eigentlich entwickelt. An der Uni in Regensburg sind wir das erste Mal mit dem Internet in Berührung gekommen. Das war 1995. Weil es damals nur wenig Online-Spiele gab, haben wir noch während des Studiums angefangen, "Tibia" zu entwickeln. 1997 haben wir dann unser Spiel auf Uni-Computern laufen lassen und gleichzeitig weiterentwickelt. Als wir mit dem Studium fertig waren, waren schon einige hundert Leute auf den Servern online. Dann hatten wir die Wahl: "Was gscheits" machen, zum Beispiel bei Siemens anfangen, wie unsere Eltern das gerne gewollt hätten oder mit unserem Spiel weiterzumachen. 2001 haben wir uns schließlich für die Gründung von CipSoft entschieden. 

Wie haben Sie aus CipSoft ein Business gemacht?

Vogler: Wir mussten "Tibia" in eine Form bringen, sodass wir auch Geld damit verdienen konnten. Wir mussten also ein neues Geschäftsmodell entwickeln. Das sah vor, dass alles was bis zur Gründung kostenlos war, auch kostenlos geblieben ist. Wir wollten ja die Spieler, die wir damals schon hatten, nicht verlieren. Alles was ab dem Zeitpunkt bei "Tibia" hinzugefügt wurde oder wird, kostet dafür eine Abogebühr. Das Spiel hat also ein "Freemium"-Modell. Die Spieler können grundsätzlich kostenlos spielen, aber nicht alles nutzen. Das Spiel in vollem Umfang gibt es dann nur mit der Gebühr. Andere User wiederum kaufen "Tibia Coins", mit denen man im Spiel zusätzlich Features freischalten kann. Unser Geschäftsmodell von damals funktioniert bis heute. Wir sind unabhängig, mussten nie einen Kredit aufnehmen und hatten auch nie einen Durchhänger. Das lag und liegt an "Tibia". In der Anfangszeit wurden wir von unseren Eltern unterstützt. Nach einem Jahr konnten wir uns dann schließlich die ersten vollen Gehälter auszahlen. 

Lesen Sie auf der nächsten Seite unter anderem, wie lange CipSoft Online-Spiele entwickelt und was es mit "Blockchain" auf sich hat.

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