Sophias MUT Leander rettet Insekten am eigenen Balkon

Auf dem Ochsenauge auf Leanders Balkon sitzt eine „Megachile sp.“ auch bekannt als Blattschneiderbiene. Foto: Leander Bertsch

Leander Bertsch weiß, was er tut. Mit seinem Wissen über Wildbienen und andere Insekten hat sich der 16-Jährige ein Blühparadies auf seinem Balkon mit über 40 Pflanzenarten geschaffen. Und in der ersten Saison einen bundesweiten Preis gewonnen. Im zweiten Jahr blüht es dank seines Wissens noch bunter. Im Gespräch gibt Leander Tipps, wie auch du heimische Insekten schützen kannst.

Der Händedruck von Leander Bertsch ist fest. Ein Zeichen für Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen, sagt der Volksmund. Auf Leander scheint das zuzutreffen. Nicht umsonst hat der 16-Jährige aus Aiterhofen im Landkreis Straubing-Bogen im vergangenen Sommer den ersten Preis in der Kategorie "Balkone, Terrassen, Dachbegrünung, vertikale Gärten" beim bundesweiten Wettbewerb der Initiative "Deutschland summt!" gewonnen. Sein Projekt: ein Wildbienen-Paradies auf einer ungenutzten Fläche. Über 40 Pflanzenarten wachsen auf dem Balkon zuhause.

Auch in der zweiten Saison sieht man grün, wenn man Leanders rund elf Quadratmeter großen Schaffensbereich betritt. Dazwischen: Blüten in lila, gelb und weiß. In den Blumenkästen, die am Geländer hängen, stecken kleine Schilder mit dem Namen der Pflanzen. "Anthemis tinctoria" zum Beispiel, "Färberkamille" auf Deutsch. Auf dem Boden Topf an Topf: Nickende Distel, Flockenblumen, Wilde Möhre, Nelken-Leimkraut.

Tiere und Pflanzen sind aufeinander abgestimmt

"Mein Fokus liegt auf heimischen Wildpflanzen", sagt Leander. Die sind Nahrungsquellen für viele Insekten. Mehrjährig sollen sie auch sein. Und möglichst viele Monate blühen.

Leander will vor allem die Wildbienen schützen. Die Tiere leben im Gegensatz zu den Honigbienen überwiegend als Einsiedler und nisten oft unter der Erde. Rund 550 Wildbienenarten gibt es in Deutschland. Viele davon stehen auf der Roten Liste. "Den Wildbienen nutzen Pflanzenmischungen aus dem Baumarkt gar nichts. Das sind oft Gattungen aus anderen Ländern und weniger unsere Wiesen- und Feldpflanzen", sagt Leander. Tiere und Pflanzen seien immer aufeinander abgestimmt. Es gebe zwar vereinzelt gute Mischungen, aber "was man so hinterhergeworfen kriegt, ist in der Regel relativ sinnfrei." Der Schüler kauft seine Pflanzen in speziellen Wildpflanzen-Gärtnereien.

12 bis 13 Wildbienenarten hat Leander bisher beobachtet. "Das sind allerdings keine stark bedrohten Arten, die kommen hier in der Gegend gar nicht mehr vor." Aber der 16-Jährige will auch Populationen unterstützen, die schon da sind. "Und mit der Zeit können auch seltenere Arten kommen." Aber nicht nur Wildbienen finden bei Leander Nahrung. Auch Falter, Schmetterlinge, Wespen und Fliegen besuchen den Balkon.

Nisthilfen aus dem Baumarkt sind selten sinnvoll

Wenn Leander erzählt, fällt schnell auf, wie viel er weiß. Sein Wissen hat er aus Büchern und aus Recherchen im Internet. Über das Thema "Wildbienen" ist Leander vor etwa zwei Jahren zufällig in einem Buchladen gestolpert.

Auch beim diskutierten Thema "Insektenhotels und Nisthilfen" weiß er Rat. "Hier ist es wie mit den Blumenmischungen: Von dem, was man im Baumarkt kriegt, ist der kleinste Teil sinnvoll."

Wenn man ein paar Dinge beachtet, seien künstliche Nisthilfen durchaus eine gute Sache. "Aber da reicht oft ein altes präpariertes Regal. Ich habe auf meinem Balkon zum Beispiel angebohrte Hartholzblöcke, Totholzstämme, Naturstrohhalme, künstlich angelegte Steilwände (mit Sand-Lehm-Gemisch befüllte Kisten) und Nisthölzer." Löcher im Holz sind für Hohlraumbewohner, wie Mauerbienen, praktisch. Leander zeigt auf eine bewohnte und daher mit lehmiger Erde gefüllte Öffnung: "Die Löcher sollten einen Durchmesser von rund drei bis neun Millimeter haben und sieben bis zehn Zentimeter tief sein." Wichtig ist, dass die Bohrungen nicht ausfransen. "Aber hier gilt wieder: Hauptsache Vielfalt."

An Bambusstäbchen aus dem Baumarkt erklärt Leander, warum die in der Praxis oft funktionslos sind. "Gekaufte Bambusstäbchen sind oft verschlossen, zu eng oder zersplittert. Da machen sich die Bienen ihre Flügel kaputt." Manchmal seien auch Materialien in den Röhrchen, die eher als Abfallstoffe gelten, zum Beispiel Tannenzapfenreste. "Da weiß man dann auch nicht, was das soll."

Hauptsache, das "Drumherum" stimmt

Retten wird man alleine mit Nisthilfen nichts, sagt Leander. Selbst wenn viele Wildbienenarten im Garten fliegen, niste nur ein kleiner Prozentsatz in den angebotenen Unterschlüpfen. Das Fazit des Schülers: "Das Drumherum ist wichtiger."

Mittlerweile werden immer mehr Menschen auf Leander aufmerksam. Anfang August war er Teil der Sendung "Querbeet" des Bayerischen Rundfunks, seit Anfang des Jahres ist er Mitglied einer Jury, die in Parkstetten im Landkreis Straubing-Bogen naturnahe Gartengestaltung auszeichnet.

Aufhören will und wird der Schüler noch lange nicht. Durchsetzungsvermögen eben.

Auch seine Eltern und Großeltern achten immer stärker darauf, ob bestimmte Pflanzen gut für die Bienen sind. "Das hat sich durchgesetzt", sagt Leander. Er lächelt, während er den Topf der Nickenden Distel wieder an die richtige Stelle rückt.

Hier findest du weitere Teile von Sophias MUT.

Weitere Artikel

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading