Weil sie (noch) keine Allgemeinärztin war, konnte Sandra Starke (43) nach dem Tod ihres Vaters dessen Praxis und Kassensitz in Geiselhöring nicht übernehmen. Ihren Bitten um eine Übergangslösung wurde zunächst kein Gehör geschenkt. In ihrer Not hat sich die Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie entschlossen, ihr Problem öffentlich zu machen - und war überwältigt von dem Rückhalt, den sie von Patienten, von Kollegen, aber auch von ihr völlig fremden Menschen erfahren hat: "Ich war geplättet."

Frau Starke, vor einem halben Jahr hat die Tatsache, dass die Schließung der Hausarztpraxis Ihres Vaters drohte, große Wellen geschlagen. Politiker, Ärzte und der Vorstand der Kreiskliniken haben sich für Sie eingesetzt. Es gab eine Patienteninitiative und eine Demonstration. Hatten Sie mit so viel Solidarität gerechnet?

Sandra Starke: Ich muss gestehen, dass meine Mutter und ich sehr lange überlegt haben, überhaupt an die Öffentlichkeit zu gehen, und bereits bei dieser Überlegung von Freunden, Bekannten und Verwandten sehr unterstützt wurden. Letztendlich fiel die Entscheidung dafür, weil es die einzige Möglichkeit war, noch etwas zu bewegen. Natürlich gab es auch hier bereits Gedanken, dass es vielleicht keinen interessiert oder eher das Gegenteil erreicht wird, nämlich dass die Patienten schnell ihre Unterlagen holen, um noch irgendwo in einer anderen Praxis unterzukommen. Umso mehr war ich von dieser enormen positiven Reaktion und Hilfsbereitschaft, auch unserer Kollegen, völlig überrollt und geplättet.

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