Simbach am Inn Miteinander anpacken: Not kennt keine Grenzen

Die beiden Flüchtlinge aus Syrien, Mouath (li.) und Naja Al Hassas (Mi.), helfen am Freitag in Simbach am Inn, den Schlamm von den Straßen zu räumen. Foto: Peter Kneffel/dpa

In der Stunde der Not helfen die Menschen in Simbach am Inn zusammen. Gemeinsam wird angepackt und unermüdlich Schlamm geschaufelt. Unter den Helfern sind auch 25 Flüchtlinge aus Syrien. Sie wollen den Menschen etwas für ihre Hilfsbereitschaft zurückgeben.

Naja Al Hassas steht vor den völlig verschlammten Turnschuhen. Das ehemals weiße Paar ist vom grau-braunen Schlamm verkrustet. Er steigt barfuß hinein, streift die Handschuhe über und greift sich eine Schaufel. 50 Meter von seiner Asylbewerberunterkunft in Simbach am Inn entfernt steht er mitten im Chaos, Müll- und Schlammberge türmen sich auf. Schon am Vortag hat er von 7 Uhr in der Früh bis zur Dunkelheit den betroffenen Anwohnern geholfen. Trotz riesigen Muskelkaters packt der 30-Jährige auch am Freitagmorgen wieder an.

Sein Freund Mouath, der wie insgesamt 25 Syrer unter den Helfern ist, übersetzt: „Wir haben von den Menschen in Simbach so viel Hilfe bekommen, jetzt können wir etwas zurückgeben. Das tut gut.“ Die Männer wollen Teil der Gemeinschaft werden. Mit jeder Schaufel voll Dreck, die sie aus den verschlammten Häusern bringen, haben sie das Gefühl, diesem Ziel näherzukommen. „Wir wissen, was es heißt, in einem Krisengebiet zu leben und das eigene Haus zu verlieren“, erklärt Naja Al Hassas.

„Das ist der beste Weg zur Integration. Sie lernen sogar hier ein paar Worte Deutsch“, erklärt Jana Kirchner, deren Casino von der Flutwelle am Mittwoch komplett zerstört wurde. Sie ist begeistert von den syrischen Fluthelfern. „Sie sind gut drauf und sorgen mit ihrem ständigen Lächeln für gute Stimmung.“ Und die ist nötig.

Zwar ist das schmutzige Wasser aus der Innenstadt in Simbach am Inn herausgelaufen, aber noch nimmer steht der Schlamm knöcheltief in den Straßen – in den Kellern und im Erdgeschoss der Häuser sogar knietief.

"Bin sehr froh, dass ich neben Asylbewerbern lebe"

Auch Mia G. aus Anzenkirchen, einem Ortsteil von Triftern im Landkreis Rottal-Inn, haben Asylbewerber geholfen. Bei Facebook postet die junge Mutter Fotos von einem völlig überschwemmten Haus und schreibt dazu „da drin wohnen wir eigentlich“.

Dass sie und ihr Kind sowie ihre Haustiere den Fluten entkommen konnten, haben sie auch den Flüchtlingen von nebenan zu verdanken. „Mich und Baby Bence inklusive unserer Hunde haben unsere Nachbarn, die Asylbewerber, herausgeholt“, so Mia G. Mittlerweile sei sie bei lieben Leuten untergekommen und warte nun darauf, dass sich die Wassermassen zurückziehen und die Straßen wieder passierbar sind.

In Anspielung auf die Äußerung von Alexander Gauland, niemand wolle den Fußballspieler Jérôme Boateng als Nachbarn haben, und die Weigerung der AfD, den Klimawandel als Tatsache zu akzeptieren, endet der Post mit einem besonderen Gruß: „Liebe AfD – Ja, es gibt den Klimawandel und ja, ich bin sehr froh, dass ich neben Asylbewerbern lebe.“

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