Dominik Kubatschka ist damals als Erster bei ihr. Sie hat noch beide Hände am Lenkrad, ihre Augen sind geschlossen. Sie zittert. Sie keucht. Sie ist nicht wach, sie ist nicht bewusstlos, sie ist irgendwo dazwischen. In ihren Armen und Beinen ist kein Puls mehr zu fühlen, nur noch im Zentrum des Körpers. Es sieht schlimm aus. Aber Birgit Tumat lebt. Auf der Autobahn A3 bei Rosenhof (Kreis Regensburg) beginnt am Morgen des 20. Februar vergangenen Jahres ein Kampf gegen den Tod.

Dominik Kubatschka ist in der Ersthelfer-Gruppe der Freiwilligen Feuerwehr Barbing, genau für solche Fälle trainieren sie. Er hat einen Sanitätsrucksack dabei, ein Beatmungsgerät, die Ersthelfer legen sofort los. Atmung in Gang halten, Kreislauf stabilisieren. Recht viel mehr geht nicht, die Frau am Steuer ist schwerst eingeklemmt.

Kurz darauf trifft Notarzt Michael Bunz von der Kreisklinik Wörth ein, er erkennt sofort, dass ein Polytrauma vorliegt. "Mehrere Verletzungen, die einzeln oder in Summe potenziell tödlich sind", lautet die Definition. "Dass sie das ohne Schaden übersteht, war aus medizinischer Sicht äußerst unwahrscheinlich", sagt Bunz heute.

Birgit Tumats Gesicht ist damals im mittleren Bereich regelrecht zertrümmert. Die Augenhöhlen: kaputt. Die linke Schulter: gebrochen. Das Knie: zersplittert. Mehrere Finger: fast abgetrennt. "Nur noch Matsch", so sagt es Tumat selbst.

Sie sagt das vor Kurzem im Feuerwehrhaus Barbing. Eine ganz normale Frau, 43 Jahre alt, die ganz normal steht und geht, die viel lächelt, lacht und redet. Pinkes Poloshirt, blonde Haare, hellblaue Augen. Erst auf den zweiten Blick sind die kleinen Narben an ihren Armen und auf ihrer linken Wange zu erkennen.