Sexualität verändert sich im Laufe einer Beziehung, wird aber deswegen nicht weniger wichtig, sagt Paar- und Sexualtherapeutin Karin Feiler. Warum in Langzeitbeziehungen Erotik per mathematischer Gleichung weniger wird, Sex auf jeden Fall geplant werden soll und wie man nach einer sexlosen Phase wieder körperlich zueinander findet.

Frau Feiler, wie viel Sex braucht eine Beziehung?

Feiler: Das lässt sich quantitativ natürlich nicht so einfach festlegen. Jeder von uns hat unterschiedliche Bedürfnisse - nicht-sexueller wie auch sexueller Art. Daraus entwickelt jedes Paar eine sehr individuelle Beziehungsstruktur. So gibt es beispielsweise auch keine Vorgaben, wie viel Gesprächszeit oder wie viele "Wertschätzungseinheiten" eine Beziehung braucht. Aus meiner therapeutischen Erfahrung kann ich aber bestätigen, dass Sexualität ein wichtiger Baustein für die Beziehungsverbundenheit ist. Mit Sexualität, die sich für beide gut anfühlt, drücken wir Zugehörigkeit aus, stärken das Gefühl von Nähe, schenken einander Vertrauen. Sexualität ist so gesehen ein Teil der Beziehungskommunikation. Über Sexualität kann ich meine Wertschätzung, Liebe und Zugehörigkeit aktiv ausdrücken. Wie viel Sex in einer Beziehung also stattfindet, ist daher in meinen Augen nicht ausschlaggebend. Es geht vielmehr darum, dass jede Beziehung generell einen festen Platz für körperliche Nähe braucht. Das muss Sex nicht unbedingt miteinschließen. Sexualität ist ja weitaus mehr als nur der Geschlechtsverkehr an sich.

Sexualität verliert im Beziehungsalltag trotzdem oft an Bedeutung. Warum?