Sexualisierte Gewalt Fall Priester H.: Missbrauchsopfer enthüllen Gedenkstein

Zwei Missbrauchsopfer des in Bayern rückfällig gewordenen Priesters H. wollen vor einer Kirche im nordrhein-westfälischen Bottrop einen Gedenkstein enthüllen. "In dieser Kirche hat der jahrzehntelange Missbrauch durch den Priester begonnen", sagte der 56-jährige Initiator Markus Elstner aus Bottrop der Deutschen Presse-Agentur. Der Stein solle an alle erinnern, deren Leben durch Missbrauch im kirchlichen Bereich zerstört wurde. An der Enthüllung will auch ein Kirchenvertreter des Bistums Essen teilnehmen. Die "WAZ" hatte zunächst über die für diesen Donnerstag geplante Enthüllung berichtet.

Der Fall H. war der zentrale in dem Gutachten zu sexuellem Missbrauch im Erzbistum München und Freising, das im Januar Schlagzeilen machte. H. wurde nämlich - nachdem er schon im Bistum Essen Kinder missbraucht hatte - aus dem Ruhrgebiet nach Bayern versetzt und dort erneut mehrfach zum Täter. Er wurde sogar noch weiter in der Seelsorge eingesetzt, nachdem er rechtskräftig wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden war.

Brisant ist der Fall vor allem, weil die Versetzung des Priesters von Nordrhein-Westfalen in das Erzbistum München und Freising in die Zeit fiel, in der der spätere Papst Benedikt XVI., Kardinal Joseph Ratzinger, dort Erzbischof war. Dass er über seine Teilnahme an einer Sitzung, in der es um die Versetzung des Geistlichen aus dem Bistum Essen nach Bayern ging, den Gutachtern gegenüber zunächst die Unwahrheit sagte, nannte der emeritierte Papst später ein Missverständnis.

Elstner, der Initiator des Gedenksteins, der vor der Bottroper St. Cyriakus-Kirche enthüllt werden soll, war als Junge in den 1970er Jahren in Bottrop von dem Kaplan missbraucht worden, wie das Bistum Essen einräumt. Er hat inzwischen Anerkennungszahlungen vom Bistum erhalten und ist Mitglied in einem Betroffenenbeirat zur Aufarbeitung der Geschehnisse. Der Kaplan wurde später nach Essen versetzt, wo er ebenfalls durch Missbrauch auffiel, wie ein Bistumssprecher berichtete. Ein weiteres Opfer aus der Essener Zeit ist Mitinitiator der Gedenksteinaktion.

Insgesamt seien mindestens 28 Menschen - in der Regel Kinder und Jugendliche - von den Missbrauchsfällen betroffen, sagte der Bistumssprecher. Die Initiatoren wollen den Gedenkstein wandern lassen und ihn jeweils für einige Wochen an allen ehemaligen Wirkungsstätten des Geistlichen aufstellen, wie Elstner ankündigte.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

 
 
 

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