Als nahe der Grenze eine 20-Jährige spurlos verschwindet, brodelt die Gerüchteküche. Ein halbes Jahr dauert die Suche, dann greift Bayerns bester Profiler tief in die Trickkiste.

Im Wohnzimmer ist jemand. Plötzlich ist Mareike hellwach. Es raschelt und rumpelt. Die 20-Jährige liegt starr vor Angst im Bett. Dann nimmt sie ihren ganzen Mut zusammen, hievt sich hoch und schleicht hinüber. Vorsichtig blickt sie durch die Tür. Vor der Kommode erkennt sie den Umriss eines Mannes. Mareike schreit. Der Einbrecher blickt auf, einige Sekunden starren sich beide an – dann rennt der Schatten auf Mareike zu.

So stellen ein Filmteam und die Ermittler einen der spektakulärsten Kriminalfälle Ostbayerns im Fernsehen nach.

Mareike G. ist 20 Jahre alt, attraktiv und beliebt. Sie hat viele Freunde, geht gerne feiern. An ihrem Arbeitsplatz in Waldmünchen (Kreis Cham) ist die Textildesignerin eine geschätzte Kollegin.

Rund 7.500 Menschen leben in Waldmünchen. Wegen der Nähe zur tschechischen Grenze und der liberalen Drogenpolitik der Nachbarn kommen viele jugendliche Waldmünchner mit Rauschgift in Kontakt. Auch Mareike soll Drogen genommen haben, heißt es später in Berichten.

Nach einem durchzechten Wochenende telefoniert Mareike am Sonntagabend, 12. Oktober 2003, mit ihrer besten Freundin. Sie will an diesem Abend zu Hause bleiben und ausschlafen, am Montag hat sie Frühschicht. Es ist das letzte Lebenszeichen von Mareike, in die Textilfabrik kommt sie am Montagmorgen nicht. Als Mareike auch am Dienstag nicht zur Arbeit erscheint und nicht auf Anrufe reagiert, fährt Mareikes Mutter zur Wohnung der 20-Jährigen. Sie findet eine aufgeräumte Wohnung, von Mareike aber fehlt jede Spur. Sie ruft die Polizei.

Die Suche beginnt. 250 Befragungen später haben die Ermittler immer noch keine Spur. Der Grund: Viele Zeugen sagen oft nicht die ganze Wahrheit – wegen „Kleindelikten in der Rauschgiftkriminalität“, erinnert sich Stefan Halder von der Kripo Regensburg. Was die Ermittler zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen: Sie haben Mareikes Mörder schon mehrfach verhört.

Für unsere Serie „Tatort Ostbayern“ haben wir uns durch die Akten von spektakulären Kriminalfällen der Vergangenheit gewühlt. Wir sprechen mit Angehörigen, Opfern oder Ermittlern und erzählen Geschichten hinter den Verbrechen, die Ostbayern beschäftigt haben. Alle Teile der Serie lesen Sie gesammelt auf www.idowa.plus. Sie sind erstmals 2018 in den Zeitungen unserer Mediengruppe erschienen.