Seltener Fund Dachboden-Schatz kommt ins Regensburger Stadtarchiv

Der auf einem Dachboden gefundene Koffer, der nun ins Regensburger Stadtarchiv wandert. Foto: Stefan Effenhauser/Stadt Regensburg

Das Regensburger Stadtarchiv ist seit kurzem um einen Schatz reicher: Auf einem Dachboden in Hauzenberg ist ein Koffer mit Unterlagen gefunden worden, der zwei jüdischen Familien aus Regensburg gehörte. 

Die Familien Brandis und Holzinger wurden während der NS-Zeit enteignet und 1942 ins polnische Ghetto Piaski gebracht, schreibt die Stadt in ihrer Mitteilung zu dem kostbaren Fund. Vor ihrer Deportation hinterlegten die Familien den großen Lederkoffer mit Familien- und Geschäftsdokumenten offenbar bei einer Angestellten. Doch zu einer Rückgabe sollte es nie kommen: Alle Familienmitglieder fanden nach der Deportation den Tod. 

Der Koffer mit dem historisch wertvollen Inhalt überdauerte dagegen den Krieg und lag schließlich fast 70 Jahre unbeachtet auf einem Dachboden in Hauzenberg. Dort machte ihn ein Journalist des Bayerischen Rundfunks schließlich nach längerer Recherche ausfindig. Er einigte sich mit der heutigen Eigentümerin - einer Nichte der Angestellten, die den Koffer einst übernahm - darauf, ihn dem Regensburger Stadtarchiv zu übergeben, um die Dokumente für künftige Generationen zu erhalten. 

Neben Geschäftsunterlagen, Briefen, Postkarten und Fotos befanden sich in dem Koffer auch persönliche Schreiben. In diesen bat Alice Brandis ihre Angestellte, den Familien Lebensmittel, Wäsche und Zahncreme ins Ghetto zu schicken. „Solche Unterlagen aus privater Hand, die überraschend zu uns kommen, sind für das Stadtarchiv ein echter Glücksfall. Sie ergänzen auf geradezu ideale Weise das bereits digitalisierte Archiv der jüdischen Gemeinde“, sagte Archivleiter Lorenz Baibl. Geplant ist, den Koffer samt Inhalt aufzubereiten und künftig in der Archivpädagogik und historischen Bildungsarbeit einzusetzen.

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