Selbstversuch Biathlet für einen Tag – Florian Wende tauscht Alpin-Ski gegen Langlauf-Ski

Aus 50 Metern Entfernung gilt es beim Biathlon fünf kleine Scheiben zu treffen – eine Herausforderung für Biathlon-Laien wie Florian Wende. Foto: Wolfgang Wende

Schwer atmend liege ich am Boden. Der Schweiß läuft mir links und rechts die Wangen herab. Meine Hände zittern leicht. Sie halten ein Gewehr in den Händen. Ich versuche mich zu konzentrieren und blicke durch das Rohr meiner Waffe. Kalte Luft weht mir ins Gesicht. Mein Brustkorb hebt und senkt sich im schnellen Takt. Ich habe mein Ziel fest im Blick, atme aus, halte die Luft an. Ein letzter Blick auf mein Ziel: Ich drücke ab.

Mein Ziel ist eine Scheibe, wenige Zentimeter groß und 50 Meter von mir entfernt. Die Kugel schießt aus dem Lauf meiner Waffe. Einen Wimpernschlag später fällt 50 Meter vor mir eine weiße Klappe. Treffer! Erleichtert atme ich wieder weiter.

Ich befinde mich im Hohenzollern-Skistadion am Großen Arber in der Nähe von Bayerisch Eisenstein. Zusammen mit 30 Mitstreitern probiere ich heute unter den Augen von Biathlon-Experte und Trainer Josef Schneider und seinem Team Biathlon aus. Meine Voraussetzungen: Seit meiner Kindheit stehe ich regelmäßig auf den Brettern und bin ein guter Skifahrer. Außerdem habe ich auf dem Volksfest schon öfter eine Rose geschossen. Ob das reicht?

Konzentriert visiere ich das letzte Ziel an. Vier weiße Scheiben sind bereits zu sehen. Zack, auch der fünfte Schuss sitzt. Erleichtert richte ich mich auf. Ich komme ohne Strafrunde aus. Mit meinen Stecken stoße ich mich ab und fahre vom Schießstand weiter. Schwung für Schwung gleite ich auf den dünnen Ski voran. Nach einer scharfen Rechtskurve geht es ein Stück bergab. Vorsichtig richte ich die Bretter unter meinen Füßen in die enge Loipe. Ich lasse die Ski laufen und genieße den Fahrtwind.

Los geht mein Selbstversuch mit dem Befestigen der Ski. Vorne an meinen Schuhen ist eine schmale Metallstange. Diese hänge ich in die Ski ein und befestige sie mit einem kleinen Hebel. Vorsichtig richte ich mich auf. Es ist ein ungewohntes Gefühl, auf Ski zu stehen, bei denen ich hinten nicht fixiert bin. Die Stimme von Patrick Mejstrik, Biathlon-Athlet und Trainer im Team von Josef Schneider, durchdringt meine Gedanken: „Nehmt bitte eure Stecken in die Hand, drückt euch damit kräftig ab und versucht ein paar Meter zu fahren!“ Es klappt erstaunlich gut und ich lege meine ersten Meter auf Langlauf-Ski zurück.

Schlittschuhlaufen auf Schnee

Es wird wieder flacher und ich werde langsamer. Vorsichtig steige ich aus der Loipe aus und ordne meine Ski. Es geht weiter und ich bewege mich in regelmäßigen Schwüngen wie beim Schlittschuhlaufen voran. Nach rund 20 Metern macht meine Strecke eine enge Rechtskurve und es geht einen Hügel hinauf. Ich schnaufe tief durch. Den kleinen Hügel auf Langlauf-Ski zu bezwingen ist für mich wie das Besteigen des Mount Everest: eine riesen Herausforderung. Mit Schwung versuche ich, den Anfang des Hügels zu erklimmen. Schnell merke ich: So geht es nicht. Ich komme kaum von der Stelle.

 

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