Sehr sehenswert! Kritik zum Jubiläums-Doppel-"Tatort: In der Familie

Es kracht mal wieder in Dortmund - wie so oft, wenn Peter Faber (Jörg Hartmann, links) involviert ist. Nora Dalay (Aylin Tezel) fühlt sich für die Frau eines Gangsters verantwortlich. Die Münchner Kollegen Ivo Batic (Miroslav Nemec, Zweiter von links) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) dürfen in diesem Film die abgeklärten Profis aus München spielen. Foto: Frank Dicks/WDR

Zum 50-jährigen Jubiläum des "Tatort" kommen zwei Ermittler-Teams und zwei Schauplätze zusammen. Der Auftakt von "In der Familie" macht Lust auf Teil zwei.

Achtung, Spoiler! Diese TV-Kritik gibt mehr oder weniger konkrete Hinweise auf die Handlung und das Ende dieses "Tatorts". Wenn Sie nichts verraten bekommen wollen, warten Sie mit der Lektüre des Textes, bis Sie den Film gesehen haben (Das Erste, 29.11.2020, 20.15 - 21.45 Uhr und in der ARD-Mediathek).

Stell dir vor, da kommt ein großer Mafia-Fisch (und - Ehrensache - Mörder) nach Dortmund und übernimmt das Kommando in deiner Pizzeria, die du seit vielen Jahren gemeinsam mit deinem Mann betreibst - und als Verteilzentrum für Mafia-Kokain nutzt.

Das ist die bedrückende Konstellation zu Beginn von "In der Familie", dem ersten Teil der Doppelfolge zum 50-jährigen Bestehen des "Tatorts": Dieser Pippo diktiert, der Gatte pariert, die Gattin rebelliert (und die Tochter ist von dem Mafioso fasziniert). Weil man sich aber mit der Mafia besser nicht anlegt, wird die bis dahin glückliche deutsch-italienische Ehe Modica (Beniamino Brogi und Antje Traue) bald durch einen weiteren Mord beendet.

Jubiläums-Tatort: Eine finstere Tragödie

Dominik Graf hat mit "In der Familie" keinen spektakulären, aber einen sehr großen "Tatort" inszeniert, er macht den Krimi zur finsteren Tragödie. Eine Familie wird zerstört, ein Mensch wird getötet, weil der Arm der Mafia verdammt hart zupackt - und auch übers Telefon vernichten kann.

Gleichzeitig ist dieser "Tatort" (Buch: Bernd Lange) ungemein unterhaltsam. Hier prallt nämlich nicht nur die italienische auf die deutsche Mentalität, hier prallen auch die Dortmunder Ermittler auf ihre Münchner Kollegen. Staunend stehen die abgeklärten Kommissare vor dem Chaos, das der Kopf-durch-die-Wand-Cop Faber (Jörg Hartmann) anrichtet. Dann stehen Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl) vorm Dortmunder Präsidium, und Batic stellt trocken fest: "Ich sag mal so: Sie gehen sich Mühe." Faber wiederum nennt die Münchner "Kasper und Seppl".

Auch der Humor ist im "Tatort: In der Familie" gut gesetzt

Wohldosierte Frotzeleien wie diese bringen viel Witz in die Geschichte - der es gut tut, dass sie nicht in 90 Minuten zu Ende erzählt werden muss: Teil zwei läuft am kommenden Sonntag (Regie dann: Pia Strietmann, Buch wieder von Bernd Lange). Abschied nehmen heißt es von Aylin Tezel, die als Nora Dalay hinschmeißt, weil sie sich für den Tod der Juliane Modica verantwortlich fühlt.

Im zweiten Teil wechselt der Schauplatz von Dortmund nach München, dann spielt die Tochter Sofia (Emma Preisendanz) eine größere Rolle. Ein Wiedersehen gibt es mit Emiliano De Martino als Pippo, der keinen platten Har-har-Bösewicht spielen muss, sondern sich auch als Feinschmecker zeigen darf. Italien ist ja nicht nur die Mafia.

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