Sehr ambitionierte Ziele Die Roten Raben wollen unter die Top Drei

VOLL IN IHREM ELEMENT: Dayana Segovia (re.) haut den Ball gerne mit Wucht ins Feld - bisweilen durch eine Lücke im Block. Das wird die 26-jährige Diagonalangreiferin auch in der nächsten Saison tun. Die kolumbianische Nationalspielerin hat ihren Vertrag in Vilsbiburg verlängert. Foto: Georg Gerleigner

Volleyball und Vilsbiburg - das gehört zusammen wie Weißwurst und Breze. Seit mittlerweile 50 Jahren wird die "Schmetterkunst" in dem niederbayerischen Provinz-Städtchen gehegt und gepflegt, davon 31 Jahre in der deutschen Beletage der Frauen. 2008 und 2010 sicherten sich die Roten Raben den nationalen Meistertitel, 2009 und 2014 holten sie den DVV-Pokal. Insgesamt sammelten sie schon 14 Medaillen auf höchstem Niveau. Seit acht Spielzeiten gehen sie freilich regelmäßig leer aus, sind bloß noch Mittelmaß. Das soll sich am kleinsten Standort unter der überwiegend in Landeshauptstädten angesiedelten Konkurrenz ändern. "Wir wollen wieder Edelmetall gewinnen", sagt Geschäftsführer André Wehnert.

Was nach einer stereotypen Saisonvorgabe klingt, birgt einen fundierten Hintergrund - nämlich einen "Masterplan" für die nächsten drei Jahre. An dessen Entwicklung strickte der frisch installierte Aufsichtsrat kräftig mit: Peter Bruckmayer, Michael Ostermaier - und Vorsitzender Klaus-Peter Jung. "Wir haben nicht nur eine Kontrollfunktion, wir werden auch als Sparringspartner und Unterstützer aktiv mitwirken", bekräftigt Jung, bis 2013 Vorgänger von Wehnert.

Und plötzlich geht's um Champions League

Wehnert hat nun also allerhand Know-how im "Nest" versammelt. Speziell mit Jung, der von 2013 bis 2021 als VBL-Geschäftsführer die Professionalisierung der Bundesliga energisch vorangetrieben hat. Seit knapp einem Jahr ist er in Rente, von Berlin nach Landshut umgezogen und hoch motiviert. Die Raben sind ja irgendwie sein "Baby". Seine Kernbotschaft: "Wir müssen die Erlöse steigern, sonst sind wir nicht konkurrenzfähig."

Geplant ist, das Budget bis 2025 stufenweise von rund 1,1 auf 2,5 Millionen Euro aufzustocken. "Wir haben noch keinen Titelsponsor, das ist eine gute Chance", betont Jung und gibt sich seinem Naturell entsprechend kämpferisch: "Natürlich haben wir einen großen Rucksack geschnürt, aber ich bin zuversichtlich, dass wir das hinkriegen."

Vorbilder gibt's in der Liga einige - allen voran Schwerin, Dresden und Stuttgart mit Budgets um die drei Millionen Euro. Neuerdings mischt auch Finalist Potsdam in der gehobenen Kohle-Kategorie mit. Clubs wie Aachen und selbst Wiesbaden mörteln ebenfalls auf. Sie alle profitieren bereits vom enormen Aufschwung der Frauen-Bundesliga in den vergangenen zehn Jahren. Mit deutlich mehr FernsehPräsenz und somit stetig wachsendem Interesse der werbetreibenden Wirtschaft. "Volleyball ist die Frauen-Teamsportart Nummer eins in Deutschland", sagt Wehnert.

Die Roten Raben hinken hinterher. Auch sportlich. In der vorigen Saison reichte es bloß zu Platz acht. Nun schalten sie mit einem ebenso mutigen wie ausgesprochen ambitionierten Projekt in den arbeitsintensiven Angriffsmodus. Sie peilen die Rückkehr ins internationale Geschäft an, thematisieren sogar unverhohlen die Champions League. "Deutschland hat zwei Startplätze. Wer in der Bundesliga unter die Top Drei will, muss sich auch damit beschäftigen", sagt Wehnert.

Zweitligateam - ein Sprungbrett für Talente

So gesehen ist es nur konsequent, einen Sportdirektor anzustellen. Den Job übernimmt Guillermo Gallardo. Er soll beim Aufbau eines vereinseigenen Leistungszentrums samt (bestehendem) Internat anpacken und das Zweitligateam zu einem Sprungbrett für Talente machen. Aufgaben, die dem 51-jährigen Argentinier dank seiner einschlägigen Erfahrungen in Spanien und Schweden förmlich auf den Leib geschneidert sind.

Gallardo und Chefcoach Florian Völker werden auch bei der Zusammenstellung des Bundesligakaders für 2022/23 ein gewichtiges Wort mitreden. "Wir sind in der Sondierungsphase, führen viele Gespräche", erzählt Wehnert. In einem Fall sind die Verhandlungen schon erfolgreich abgeschlossen. Noch dazu auf einer Schlüsselposition: Die kolumbianische Diagonalangreiferin Dayana Segovia (26) hat ihren Vertrag um ein Jahr verlängert. Ein Glücksgriff für die Raben - und fast so viel wert wie Edelmetall.

 

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